TITEL kulturmagazin
Freitag, 24. Februar 2017 | 18:07

 

Die Geschichte geht weiter

Wieder ein Weltbestseller – Carlos Ruiz Zafóns Roman Der Gefangene des Himmels. Von PETER MOHR

 

Familienbande

John Banville ist einer der ganz Großen der gegenwärtigen irischen Literatur. Mit Unendlichkeiten, einer hintergründig-ironischen Prosakomödie, gelang ihm erst vor Kurzem wieder ein die internationale Kritik begeisternder Streich. Dublin ist auch der Ort, an dem seine bisherigen fünf Kriminalromane spielen, die er unter dem Pseudonym Benjamin Black erscheinen ließ. Eine Frau verschwindet, das dritte Buch der Reihe, lässt etwas Spannung vermissen. Dafür freilich punktet es mit viel Atmosphäre und einer anspielungsreichen Sprache. Von DIETMAR JACOBSEN

 

 

Tage, Tage, Jahre

Staunen, entdecken, querlesen, umblättern, abreißen – Literaturkalender begleiten uns verlässlich durchs Jahr, versorgen uns häppchenweise und gut dosiert mit ungeahnten Einblicken, neuen Erkenntnissen, frischen Anregungen. Wer jetzt schon vorsorgt, blickt 2013 spannenden Zeiten entgegen. Von INGEBORG JAISER

 

Sexfilmer macht Kinderserien

Ulrich Mannes versteift sich zu sehr auf nacktes fleisch in bergiger umgebung. anmerkungen zu alpenglühn 2011. ein dialog zum deutschen erotikkino von CRAUSS.

 

Das Ende der Sommerzeit

Es gibt Bücher, die schleichen sich ganz unmerklich ins Herz und treffen einen im Innersten. Tamara Bachs Geschichte gehört dazu. Von ANDREA WANNER

 

Die Krone der Forschung

In einer fernen Zukunft ist es geschehen: Mensch und Tier sind erfolgreich gekreuzt, das erste Mischwesen lebt und wächst heran. Doch es ist nur ein Exemplar der neuen Gattung, die alte Gattung Mensch dagegen ist in der Überzahl. Und nicht nur das, sie hat der Welt ihre Spuren aufgedrückt, unauslöschlich und tödlich. Wenn nicht so etwas wie ein ganz altmodisches Wunder geschieht. Keto von Waberer hat sich mit ihrem Jugendroman Mingus auf das aktuell sehr beliebte Spielfeld der Dystopien begeben. Von MAGALI HEISSLER

 

Ein Geheimnis in einer Graskugel

Auf die ganz großen Katastrophen im Leben kann man sich selten vorbereiten. Das geht nicht nur den Großen so, auch die Kleinen müssen solche Erfahrungen bewältigen. ANDREA WANNER staunt darüber, mit welcher Leichtigkeit in dieser Geschichte das Schwere erzählt wird.

 

Schneezauber

Schnee lässt niemandem gleichgültig, nicht im Guten, nicht im Schlechten. Schnee ist kalt, Schnee ist nass, Schnee macht Ärger, wenn zu viel fällt und man ihn wegschaufeln muss. Schnee ist gefährlich, als Sturm oder als Lawine. Schnee kann auch Spaß machen, wenn man Schneebälle werfen kann oder einen Schneemann bauen. Ganz besonders einem kann sich niemand entziehen, nämlich dem Zauber, wenn der Schnee still vom Himmel fällt. Heinz Janisch hat in seiner jüngsten Geschichte Lilli läßt es schneien genau diese Magie eingefangen und Søren Jessen hat sie in ebenso magische Bilder umgesetzt. Von MAGALI HEISSLER

 

Die Jugend endet auf dem Campingplatz

Wie wird man erwachsen, in einer Zeit, der die großen Ideen fehlen? Wo sich das Leben gleichförmig von einem Tag zum anderen zieht und das Entwerfen großer Pläne obsolet geworden ist? Um diese Fragen kreist der Debütroman Die Glücksparade von Andreas Martin Widmann. Schnörkellos und mit feinsinniger Beobachtungsgabe erzählt der Jungautor und Robert-Gernhardt-Preisträger darin die Geschichte des 15-jährigen Simon zwischen Trostlosigkeit und Hoffnung. Von CATHÉRINE WENK

 

Seid umschlungen Millionen

Die deutsch-rumänische Autorin Aléa Torik versteht es gekonnt, in ihrem Debütroman Das Geräusch des Werdens Geschichten aus der siebenbürgischen Heimat auf das »heiße« Pflaster Berlins zu stellen.

Von HUBERT HOLZMANN

 

Angst und Begehren

Joyces Dublin stinkt, aber Ulrich Lampen hält sich die Nase zu

 

„Nichts anderes hätte ich erwartet“, würde James Joyce wohl die Tatsache kommentieren, dass ein öffentlich-rechtlicher deutscher Radiosender (SWR2) am heutigen 16. Juni einen ganzen Sendetag räumt, um in 22 Stunden eine Hörspielfassung seines Romans Ulysses zu bringen, die zudem mit so gut wie allen Schauspielern besetzt ist, die im deutschsprachigen Theater Rang und Klang haben; und würde hinzufügen: „Ein bisschen spät.“ Von MATHIAS TRETTER

 

Opus magnum gaudium maximum est

Da werden zur Feier des Tages schon mal die verstaubten Lateinkenntnisse herausgekramt: Schließlich feierte Gerhard Polt, der profunde Connaisseur des alten Römischen Reiches, Anfang Mai seinen 70. Geburtstag. Selbstverständlich wurde mit Ehrungen aller Arten nicht gegeizt. Der Schweizer Kein & Aber Verlag hat ihm etwas ganz Großes gewidmet: Das Opus Magnum, die gesammelte auditive Werkschau von Gerhard Polt ist dort auf insgesamt 9 CDs erschienen. MIRJAM STUTZMANN hat sich diese achteinhalb Stunden gegönnt

 

Mr. Charms ist nicht zu fassen!

Der verführerischen Absurdität von Charms' gesammelten Werken, die dankenswerterweise vom Galiani Verlag nun vollständig herausgegeben wurden, kann man sich nur schwer entziehen. Sie verstehend zu entschlüsseln, ist vielleicht unmöglich, zumindest mühsam. Nur wenige Menschen in seiner Umgebung konnten ihn akzeptieren, wie seine zweite Ehefrau Marina Malitsch. Charms lesen heißt, sich auf eine Odyssee ins Surreale zu begeben. VIOLA STOCKER reiste mit leichtem Gepäck.

 

Abtauchen in die Vergangenheit

Der Mythos von Tristan und Isolde ist ungebrochen. Doch spätestens seit dem letzten großen Monumentalstreifen von Ridley Scott aus dem Jahr 2006 mit gleichnamigem Titel waren Zweifel angebracht und es lag der Gedanke nahe, ob das Epos nicht womöglich doch – 800 Jahre nach Gottfried von Straßburg Dichtung – endlich in Bibliotheken und Archiven gebunkert werden sollte. Jetzt aber liefert Martin Grzimek in seinem 900 Seiten umfassenden Schmöker Tristan und Isolde den Beweis dafür, dass dem nicht so ist. HUBERT HOLZMANN hatte jedenfalls vergnügliche Lesestunden.

 

Gerd Sonntag und ein Hühnerglucksen zum Abschluss

Giovanni Santi malt eine Fliege – Lyrik von Ger Sonntag.

Von STEFAN HEUER

 

Das Leben ist nicht Wünschdirwas

Eine dieser Autorinnen mit den Doppelnamen: Katrin Marie Merten hat nach Gedichten jetzt auch Prosa veröffentlicht: Rückwärtslaufen. Von PEGGY NEIDEL

 

Die düsteren Geheimnisse der Buchsammler

Musen können in verschiedenen Formen auftauchen, und jeder Autor wird von ihr mal mehr, mal weniger geküsst. Wie kommt ein Autor zu seiner Idee? Oftmals sind es eigene Erlebnisse, andere Autoren oder die Geschichte selbst, die sie inspirieren. Nicht so bei Louis Bayard, er wurde von einer ganz anderen Quelle der Inspiration getroffen. Denn der Autor verriet, dass dem »Zeitfresser und Ideengenerator« Google diese rundum gelungene Mischung von Krimi und Historienroman zu verdanken ist. Algebra der Nacht – besprochen von TANJA LINDAUER

 

Eine heitere Komödie

Heiter geht es in Eduardo Mendozas Roman Katzenkrieg zu, der unmittelbar vor Ausbruch des spanischen Bürgerkriegs spielt und in dessen Mittelpunkt ein Bild von Velázquez steht. Ein britischer Kunstexperte, der unverhofft in Turbulenzen gerät, spanische Politiker und ein Herzog mit seiner Familie sind die Protagonisten dieses Romans, der zurecht von der Kritik einhellig gelobt wurde. BETTINA GUTIERREZ hat mit dem Autor gesprochen.

 

Eine Ilias des 20. Jahrhunderts

Alexis Jenni malt in seiner Kunst des französischen Krieges ein Historiengemälde der späten französischen Kolonialzeit, erzählt aus dem Blickwinkel eines Antikriegers. Monumental – findet HUBERT HOLZMANN

 

Kapitalismus im XXL-Format

Christian Schüles Roman Das Ende unserer Tage. Gelesen von PETER MOHR

 

Fossil der Ellenbogengesellschaft

In der Reihe »Literatur & Marketing« bespricht THOR KUNKEL Grenzfälle zwischen Literatur und Selbstvermarktung

 

Hört, hört! Mit Johann Holtrop hat Rainald Maria Goetz den bösen Kapitalisten mal so richtig die Leviten gelesen.

 

Feierabend-Bier-Buch

Sören hat ein Buch aufgeschlagen,

Paul hat sich den Kopf aufgeschlagen,

und ich frage dich: Buch oder Bier?

STEFAN HEUER über Henning Chaddes und Jörg Smotlachas neue Anthologie Buch oder Bier? 

 

Freakschau fixer Ideen

Katharina Bendixens Erzählband Gern, wenn du willst versammelt Figuren, die in absurden Ideenwelten verhaftet sind. Aber sind sie deshalb verrückt?

Von LUTZ STEINBRÜCK

 

Menschen im Salon

Gut achtzig Jahre ist die »Helen-Bross-Methode« jetzt alt, aber wir sind noch immer kein bisschen weiser: Jugendwahn und Alterungsangst sind bis heute verlässliche Profitgeneratoren. Das wird einem schmerzhaft klar beim Lesen von Vicky Baums Komödie Pariser Platz 13, die der kleine, feine Berliner AvivA-Verlag jetzt mitsamt einigen ihrer Artikel und einem klugen Nachwort wieder veröffentlicht hat. Von PIEKE BIERMANN

 

Natürliche Ansichten: die Schriftstellerin María Sonia Cristoff

Patagonische Landschaften und das Verhältnis von Tieren und Menschen sind Themen, mit denen sich die argentinische Schriftstellerin und Journalistin María Sonia Cristoff in ihren beiden auf Deutsch erschienenen Büchern befasst. BETTINA GUTIÈRREZ stellt die 2 Bände Unbehaust und Patagonische Gespenster vor.

 

Fundamentalpessimismus und Melancholie

Günther Anders hätte einer der gefeierten deutschen Dichter und Denker werden können, hätte die Zäsur von 1933 nicht zur Verwandlung allzu vieler Deutscher in Richter und Henker geführt. Bekannt ist der politische und philosophische »Fundamentalpessimist« heute vor allem als früher Technik- und Fernsehkritiker und geistiger Vater der Anti-Atombewegung. Sowie durch seine vorübergehend eheliche, später nie ganz abgerissene intellektuelle Beziehung zu Hannah Arendt. Dass er zuallererst ein glänzender Schriftsteller war, kann man jetzt erleben. Zum 110. Geburtstag am 12. Juli ist sein Roman Die molussische Katakombe endlich komplett erschienen, und dazu hat sein Verlag noch einmal seine Dialoge mit Hannah Arendt herausgebracht, Die Kirschenschlacht.

Von PIEKE BIERMANN

 

Wenn die Tochter mit dem Vater

Katharina Born hat für ihr nun erschienenes literarisches Debütwerk, die Familiengeschichte Schlechte Gesellschaft, reichlich Vorschusslorbeeren kassiert. 2007 wurde die heute 37-jährige mit dem »Literaturpreis Ruhr« ausgezeichnet, obwohl sie bis dahin lediglich als Herausgeberin von Briefen und Gedichten ihres 1979 verstorbenen Vaters Nicolas Born (Die Fälschung) in Erscheinung getreten war. Von PETER MOHR

 

Tragikomödie mit schwarzem Humor

»Sich nicht zu fürchten ist die einzige Freiheit, die wir jemals erlangen können«, lautet das Lebensmotto in der jüdischen Familie Cohen, die im Mittelpunkt des Romanerstlings Adams Erbe der 34-jährigen Autorin Astrid Rosenfeld steht. Von PETER MOHR

 

Die Riesenkrake der mörderischen Vergangenheit taucht auf

Carlos Busqueds Roman: Unter dieser Furcht erregenden Sonne

Von WOLFRAM SCHÜTTE

 

Ein berückender Entwicklungsroman

»Ich ziehe es vor, als Optimist zu leben und mich zu irren, denn als Pessimist zu leben und immer Recht zu haben.« - Der französische Autor Jean-Michel Guenassia debütiert als Romancier mit dem bereits in Frankreich preisgekrönten Roman Der Club der unverbesserlichen Optimisten. Eine gelungene Mischung aus französischem Charme und Intellektualismus mit einer Prise Kitsch und einer Spur Skurrilität – findet HUBERT HOLZMANN.

 

Rätsel und Momente des Glücks

Poetisch und melancholisch mutet Ein langer Brief an September Nowak an. Das gelungene Roman-Debut des Erdmöbel-Sängers Markus Berges an. Von TOM ASAM

 

Eine Geschichte vom Sterben. Und vom Leben

»Der Tod gehört zum Leben ist ein Satz«, der sich leicht sagt, setzt man ihn in Relation zu dem emotionalen Aufruhr, den er tatsächlich beinhaltet. Der Tod ist endgültig, der Weg dahin, das Sterben, unaufhaltsam. Es als junger Mensch aus nächster Nähe mitzuerleben lässt einen fast ersticken. Wie kann es sein, dass es trotzdem noch Luft zum Atmen gibt? Etwas Schönes? Lachen? Und Liebe? Ingrid Olsson hat sich in dem Jugendroman Als würde man mit den Fingern schnipsen und schon ist es vorbei mit diesen paradoxen Fragen auseinandergesetzt. Und zwar auf sehr überzeugende Weise, fand MAGALI HEIßLER.

 

Die Einsamkeit der Verlassenen

Dass Eltern sich trennen, gehört zu den Dingen, die Kinder offenbar zu akzeptieren haben. Neue Beziehungen entstehen, auch neue Familienverbände. Kinder lernen, sich bei beiden Seiten einzurichten. Was aber geschieht, wenn ein Elternteil geht und fortbleibt? Nichts mehr von sich hören lässt? Verlassen werden heißt, in tiefe Einsamkeit gestürzt zu werden. Werner Heickmann hat in Die Vogelinsel, seinem ersten Roman für Kinder eben eine solche Einsamkeit beschrieben. Von MAGALI HEISSLER

 

Gaukeleien und Täuschungsmanöver

Die Kindheit als Zustand der Poesie, eine ferne Insel, geheimnisumwittert, das ewige Rauschen des Meeres, Gespinste aus alten Erinnerungen an Märchen und Gespenstergeschichten, Zaubertricks und Zirkusmagie und darüber ein kräftiger Schuss klassischer Philosophie, das alles wird wunderschön zusammengerührt und in diesem Debütroman serviert. Mette Jakobsen, Minous Geschichte ist ein unverdauliches Gericht fand MAGALI HEISSLER.

 

Ein Stück vom Kuchen

Gibt es ein Segment, welches im angeblich stets gefährdeten Markt des kostbaren Kulturguts Buch seit einigen Jahren unbeirrt am Wachsen ist, so ist dieses das Segment der Kinder- und Jugendbücher. Kein Wunder also, dass immer mehr Beteiligte auf der Produzenten-Seite mit einem Anteil daran liebäugeln. Mehr und mehr Autorinnen und Autoren, die in ganz anderen Genres sicher zuhause sind, versuchen sich neuerdings in diesem Bereich, aber auch Verlage lassen sich reizen, ihre Zulieferer zu solchen Abenteuer-Ausflügen anzuhalten. Über die Gründe spekuliert man besser nicht, will man bei Laune bleiben, gleich, ob man den schnöden Mammon oder die Ansicht, dass sich Bücher für jüngere Menschen leichter schreiben lassen, zum Ausgangspunkt nimmt. Martin Gülichs Nur einsfünfzig scheint eine neue Variante zu bieten. 1999 unter dem Titel Vorsaison als literarischer Debütroman präsentiert, liegt es nun als Buch für Zwölfjährige vor. Eine sinnvolle Metamorphose? MAGALI HEISSLER kam ins Grübeln.

 

Alles hängt zusammen

Ein Stein, den man ins Wasser wirft, verändert die Wasseroberfläche. Die Bewegung eines Flügels löst eine Veränderung der Luft aus, durch die es, weit entfernt und viel später zu einem Sturm kommen kann. Ein sanfter Stoß gegen den ersten von vielen aufgestellten Dominosteinen lässt sie allesamt der Reihe nach umkippen. Ein Wort, ein Blick hin zu einem anderen, kann die Welt für viele verändern. Märchen oder das Wirken von Naturgesetzen? Holly Goldberg Sloan hat in Sam und Emily. Kleine Geschichte vom Glück des Zufalls diese Grundfrage gestellt und eine Geschichte daraus gebastelt. Von MAGALI HEISSLER

 

Gefühle im Aquarium

Fische sind bekanntlich stumm. Wer glaubt, dass sie deshalb auch nicht in der Lage sind, Gefühle zu zeigen, wird eines Besseren belehrt. ANDREA WANNER hatte ihre Freude daran.

 

Hoch am Himmel

Draußen sammeln sich die Zugvögel. Wahrscheinlich ist da auch ein Jakob dabei, der jetzt Richtung Süden startet. Wie ANDREA WANNER auf die Idee kommt? Zwei Bilderbücher mit jeweils einem fliegenden Jakob haben es ihr angetan.

 

Wer hat Angst vorm bösen Mann?

Das Ritterspielidyll im Kindergarten wird jäh gestört. Alle rennen davon, um sich zu verstecken. Die Frage ist nur: wovor eigentlich? ANDREA WANNER hat versucht, der Sache auf den Grund zu gehen.

 

Punkt. Punkt. Komma. STRICH

»Kinderbuchklassiker« ist ein großes Wort. Ein Bilderbuch als »Meisterwerk« zu titulieren, wie es Maurice Sendak, der Vater der Wilden Kerle tat, sorgt für hohe Erwartungen. Und wer Harold, den kleinen Jungen, der mit seiner lila Kreide vor dem Einschlafen noch schnell ein großes Abenteuer zaubert, weiß, dass beides stimmt. ANDREA WANNER staunt über die unverbrauchte Frische des fast 60jährigen Bilderbuchs.

 

Ein Walfänger und ein Baumhaus

Jutta Richter erzählt ein Sommerabenteuer, von Onkel Fiete und seinem Alzheimer. GEORG PATZER hat sich die einfühlsame Gechicht genauer angeschaut.

 

Brummer meets Nachtigall

Besinnlich gibt sich Schauspielopa Mario Adorf auf der bei Polystar erschienenen Text und Lied-Kompilation Der Mond ist aufgegangen. Gemeinsam mit Sängerin Mee Eun Kim gibt er die schönsten deutschen Schlaflieder zum Besten. Rezensent DR. RANDY WEINHEIMER hat mit geschlossenen Augen zugehört.

 

Das ist recht mutig

Männer sind eine eigene Spezies. David Foster Wallace hat in seinem Buch Kurze Interviews mit fiesen Männern diverse Geheimnisse der männlichen Psyche gepetzt. Die Hörbuchfassung vom Hörverlag gibt den fiesen Männern Stimmen und setzt akustische Akzente, die den Rezensenten DR. RANDY WEINHEIMER kurzzeitig an der Funktionstüchtigkeit seines CD Players zweifeln lassen.

 

Die Gnade des vereinzelten Daseins

Mit Uwes letzte Chance von Jan Weiler hat der Hörverlag den dritten Teil einer Hörspieltrilogie um einen liebenswürdigen Soziopathen namens Uwe herausgegeben. Eine ausgemachte Nervensäge trifft auf eine Studentin mit romantischen Bedürfnissen. Ob das gut gehen kann, hat DR. RANDY WEINHEIMER untersucht.

 

Urlaub unter Psalmen

Psalmen sind über 3000 Jahre alt. Popsternchen meist unter 30. Wenn letztere nun erstere interpretieren - wer ist da wohl wem überlegen? Das fragt sich DR. RANDY WEINHEIMER beim Hören der CD Das Psalmenprojekt - Wasser des Lebens. Moses Pelham, Xavier Naidoo, Castingshowfinalist Thomas Enns und andere Geistesgrößen geben sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten Mühe.

 

Das Grundwasser unserer Existenz

Eine junge Frau schweigt. Ihr Umfeld ist damit völlig überfordert ... Der junge Verlag HOERSPIELPARK von Paul Plamper hat ein mutiges und zugleich außergewöhnliches Psychogramm eines seelischen Ausfalls und der Zerfallserscheinungen eines sozialen Gefüges hörbar gemacht. Von DR. RANDY WEINHEIMER

 

Dunkelkammer der Seele

Alfred Kubin schrieb seinen ersten, einzigen Roman in einer Schaffenskrise 1908. In nur drei Monaten entstand Die andere Seite, eine beklemmend düstere Endzeitvision. Sie beeinflusste Expressionisten und Surrealisten, gilt heute als Klassiker der »schwarzen« Moderne und erweist sich als Werk von erstaunlicher Aktualität. Von MONIKA THEES

 

3627 Zentimeter in die amerikanische Nacht gehaucht

Jack Kerouacs generationenbildender Roman On the Road liegt jetzt in der Urfassung vor. Die ganzen 3627 Zentimeter. Unnötig ist das nicht. Aber auch nicht wichtig. Von JAN FISCHER

 

Huck, wo bist du?

Mit Superlativen sollte man in der Literaturkritik sehr vorsichtig umgehen, aber diese Romane gehören ganz eindeutig zu den großen Klassikern der Weltliteratur: Tom Sawyer und Die Abenteuer des Huckleberry Finn sind unverwüstliche Werke eines großartigen Literaten. Eine neue Hörspiel-Adaption führt uns pünktlich zum Mark-Twain-Jubiläum wieder direkt auf den Mississippi. Ein Klassiker-Check von MARTIN BEYER.

 

Billy Pilgrims Reise durch Zeit und Raum

1969 erschien Kurt Vonneguts Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug. Der Roman avancierte zur „Antikriegsfibel der Vietnam-Generation“, zum literarischen Meisterwerk der US-amerikanischen Postmoderne. Der Rowohlt Verlag legt jetzt eine Neuausgabe vor. Ein Klassiker-Check von MONIKA THEES anlässlich des 65. Jahrestags der Bombardierung Dresdens, deren Schrecken den Kern dieses immer noch berührenden Romans bildet.

 

Einblicke mit monströser Wucht

Realistisch erzählte Texte sind langweilig? Hier kommt ein Gegenbeweis: Die Neuauflage von John Cheevers Der Schwimmer ist erschienen und belegt, weshalb Cheever zu den lesenswertesten Klassikern unter den amerikanischen Kurzgeschichtenautoren zählt. Von SIMONE SCHRÖDER

 

Nachhaltig wortgewaltig

Ich bin es gewohnt, in regelmäßigen Abständen verständnislos angeschaut zu werden – in der Tat dürfte ich wahrscheinlich deutschlandweit einer der wenigen Kulturveranstalter sein, der sich bis heute erfolgreich der Anschaffung eines Mobiltelefons verweigert hat. Wie das denn ginge, werde ich gefragt. Nun, es geht sehr gut. Steigern lässt sich die Verwunderung in den Gesichtern meiner Gesprächspartner nur noch, wenn ich in Sitzungen und Dienstbesprechungen meinen Tischkalender hervorhole, in den ich dann – ja, unglaublich aber wahr - Termine mit dem Stift eintrage. Kalender aus Papier seien in der heutigen Zeit doch nicht mehr notwendig, man könne sein Leben doch auch durch einen elektronischen Helfer in Taschenformat organisieren lassen, werde ich aufgeklärt. Sicher, das kann man, aber wie groß ist meine heimliche Freude, wenn es in den Sitzungen piepst und brummt und alle darüber schimpfen, dass das böse Gerät den vereinbarten Termin aus unerklärlichen Gründen irgendwie verschluckt haben müsse, sorry ... Von STEFAN HEUER

 

Gegen den Weihnachtsmechanismus

Weihnachten macht müde: Geschenke kaufen, im Stau stehen, das Festessen organisieren, Postkarten verschicken, die ungeliebten Verwandten freundlich begrüßen und immer heimelig drauf sein, das gehört sich doch. Und wenn das »Fest der Liebe« da ist, ist die Liebe längst futsch, das alljährliche Ritual wird zur Farce, nicht immer, aber öfter. Wer braucht da überhaupt Weihnachtsgedichte?, fragt PEGGY NEIDEL.

 

... und von Freiheit kann noch gar nicht die Rede sein -

»Antiquariat« – was für ein wundervolles Wort! Sofort schießen mir kleine verwinkelte Räume mit Regalen bis zur Zimmerdecke in den Kopf, ein wildes Gewimmel von Buchrücken, der einzigartige Geruch des Papiers. Das Lieblings-Antiquariat meiner Heimatstadt; ein Ort zum Suchen und Finden, zum Träumen und Schwelgen, ein Ort zum (Wieder-)Entdecken und zum Sich-Vergessen… Eine kleine Schwärmerei von STEFAN HEUER

 

In glühenden Schuhen durch den Märchenwald

Als fern jeder Coolness stehender 40-jähriger Mann kann ich zugeben, was viele meiner Freunde in den Jahren zwischen weiterführender Schule und Vaterschaft zu verleugnen wussten: Ich liebe Märchen! Waren es als Kindergartenkind noch Das tapfere Schneiderlein, Jorinde und Joringel oder die Die Bremer Stadtmusikanten auf abgenudelter EUROPA-Schallplatte, so war es in späteren Jahren das Epos um die Familie Skywalker. Aber ob nun die Brüder Grimm oder George Lucas, Märchen beschwören in mir unweigerlich heimelige Erinnerungen an die Kindheit herauf: im Schlafanzug und mit Keksen im Bett, an den etwas spannenderen Stellen mit bis ans Kinn hochgezogener Bettdecke, während sich mein Wellensittich in seinem mit einem Tuch verhängten Käfig der Nacht entgegenbrammelte. Von STEFAN HEUER

 

das sperma der frühen jahre

neue alte Brinkmann-gedichte auf dachboden entdeckt. Von CRAUSS

 

Schreibender Grenzerkunder

Der Schriftsteller Peter Nádas ist ein Mann der Extreme und mit konventionellen Maßstäben kaum zu messen. Er liebt seine Geburtsstadt Budapest ebenso wie die Abgeschiedenheit seines Dorfes Gombosszeg, wo er seit mehr als zwanzig Jahren lebt; er ist einer der großen gebildeten Enzyklopädisten und tritt dennoch vornehm zurückhaltend auf; er schreibt keine zeitgeistkonforme Fast-Food-Literatur, sondern opulente Wälzer, die nicht gelesen, sondern bezwungen werden müssen. Von PETER MOHR

 

Rückenwind für Minderheiten

In der Vergangenheit gab es schon reichliche Überraschungen durch die Stockholmer Akademie. Und die ein oder andere fragwürdige Entscheidung war ganz sicher auch dabei. Preisträger wie JMG Le Clézio, Harold Pinter oder Dario Fo waren in jüngerer Vergangenheit Sensationen, auch die Ehrungen der letzten deutschsprachigen Preisträgerinnen Herta Müller und Elfriede Jelinek hatte im Vorfeld niemand »auf der Rechnung«. Nun also der Chinese Mo Yan.

 

Ein Kommentar von PETER MOHR

 

Kafka als Wohlfühl-Märchen

Verpasste Chance: Haruki Murakami war Favorit für den Literatur-Nobelpreis 2012. Und stieß eine überfälige Debatte an – um Bestseller, Gefälligkeit, kulturelle Grenzen und das Schreiben für den globalen Markt. Von STEFAN MESCH

 

Hysterie über Heslach

Am Schwarzen Berg regiert einer von Mörikes Fantasiegestalten, aber auch rechtschaffene Gutbürgerlichkeit inmitten brüchiger Vorstadtidylle. Anna Katharina Hahn entlarvt mit ihrem neuesten Roman die verschämten Lebenslügen und kleinen Fluchten zweier Generationen. Von INGEBORG JAISER

 

Seltsamer Vogel mit gestutzten Flügeln

Anne Weber versucht, uns Georges Perros & seinen »Gedichtroman« nahe zu bringen. Seit die zwar in Offenbach geborene, jedoch schon sehr lange in Paris lebende Anne Weber Pierre Michon mit seinen wunderbar dichten Erzählungen Leben der kleinen Toten für uns zum Leben erweckt hat, tat man gut daran, diese vorzügliche Übersetzerin im Auge zu behalten. Auch als Autorin von eigenen Gnaden ist Anne Weber mit schmalen Romanen hervorgetreten. Von WOLFRAM SCHÜTTE

 

»Braucht´s des?«

Fragte Gerhard Polt jüngst über die ihm anlässlich seines 70sten Geburtstags gewidmete große Ausstellung im Münchner Literaturhaus. Die Münchner bejahten kräftig, der Verlag Kein & Aber gab kürzlich eine zehnbändige Polt-Gesamtausgabe heraus und in Schulbüchern und Universitätscurricula ist Polt ohnehin schon lange vertreten. Keine Frage, Komik – zumindest die gut gemachte – ist schon lange beim Bildungsbürgertum angekommen. Von SANDRA FLUHRER

 

Galaxien aus Glühbirnen

Florian Freistetter frischt in krawumm! Ein Plädoyer für den Weltuntergang unser kosmologisches wissen auf. von CRAUSS.

 

Wenn die Poetin Strümpfe strickt

Sarah Kirschs neuer Prosaband Märzveilchen. Von PETER MOHR

 

Römische Elegien

Manchmal wartet das Leben mit überraschenden Alternativen auf: ein mediterran anmutendes Rom gegen das nördliche Lappland, Lärm und Abgase gegen Kontemplation und Abgeschiedenheit. Wohin mit mir fragt sich Sigrid Damm angesichts dieser auseinanderstrebenden Möglichkeiten. Von INGEBORG JAISER

 

Einsamer Insel-Erzähler

Schiffbrüche sind uralter Stoff, den Menschen sich vermutlich erzählen, seit sie sich wieder aufs Wasser getraut haben, aus dem sie sich Millionen Jahre vorher herausmutiert hatten. Lockende Ferne, unvorstellbare Gefahren, exotisch-erotische Abenteuer, Überleben bei unsicherem Ausgang... Auch spätere Schriftsteller haben den Raum aus Weltkenntnis und Phantasie immer wieder genutzt, für wohlig-schauriges Entertainment ebenso wie für bissige Zeitkommentare. Eine neue, ganz eigene Spielart des Themas bieten die von Christian Schneider illustrierten und von Lucien Deprijck erzählten Inseln, auf denen ich strande.

Von PIEKE BIERMANN

 

Kamikaze Katze

Hello Kitty muss sterben – in Angela S. Chois Erstlingswerk ist der Titel Programm. Die junge Autorin will nicht länger der Norm entsprechen und schafft so etwas radikal Neues. Von CHRISTIANE MIETH

 

Ich wäre gern so wie ein Drehbuch

Ein Debütroman sagt oft mehr über seinen Autor aus, als über dessen Fähigkeit zu schreiben. Im Fall von Gunnhild Øyehaug, bezeugt Ich wäre so gerne so wie ich bin, dass die Autorin lieber Drehbuchautorin hätte werden sollen. Von DANIEL WÜLLNER

 

Gestohlene Stunden

Pfeife anstecken und Lupe suchen. Das Romandebüt des Jedediah Berry. Von MATHIAS BROSE

 

Nirgendwo ist Heimat, überall ist Heimat

Tschechien und Brasilien, bis auf den Wortausklang darf gerätselt werden über das Verbindende und das Trennende zwischen diesen beiden Ländern. Auf den ersten Blick liegt ein Ozean dazwischen. Erzählerisch gelassen umspannt die Tschechin Markéta Pilátová in ihrem Debütroman den Globus. Von SENTA WAGNER

 

Ein diffuser Tagtraum

Slam-Poet Frank Klötgen, der moderne Chronist abstruser Alltagsmythen, der problemlos Chill-out-Zone und Schiller in einer Zeile unterbringt, hat nun seinen ersten Roman geschrieben. AUGUST WERNER hat ihn gelesen.

 

 

Vom Ende einer Kindheit

Der 13jährige Charlie Bucktin ist ein aufgeweckter Junge, der davon träumt, Schriftsteller zu werden. Schmächtig, mit Brille und einer Insektenphobie verkörpert er nicht gerade einen Helden. Warum soll ausgerechnet er Jasper Jones helfen können? Von ANDREA WANNER

 

»Durch eigene Schuld nur sind wir Schwächlinge« (Shakespeare)

Wie lebt man sein Leben, wenn man 16 ist und keine Zukunft hat? Was kann man überhaupt noch erwarten? Wie sehen die Werte aus, die einem wichtig sind? An was freut man sich? Und auf was? ANDREA WANNER hat sich von John Greens Geschichte beeindrucken lassen.

 

Gescheiterter Rettungsversuch

Über den Titel Caulfield werden vermutlich eher erwachsene Leser stolpern. Caulfied? Gab’s da nicht was? Besser: jemand. Holden Caulfield, Salingers Helden aus The Catcher in the Rye, der sich vorstellt, er stehe am Rand einer steilen Klippe und bewahre Kinder, die ahnungslos im angrenzenden Roggenfeld spielen, davor, in den Abgrund zu stürzen. Caulfield als Beschützer. In diesem Thriller nicht. Von ANDREA WANNER

 

Eine Welt voller Wunder

Wer im Kino im fasziniert war von der Hommage an eine längst vergangene Filmära, und Martin Scorseses cineastischen Augenschmaus Hugo Cabret genossen hat, hat vielleicht auch das dazugehörige Buch in der Hand gehabt: Brian Selznicks Roman Die Entdeckung des Hugo Cabret. Und der ahnt vielleicht auch schon, was für erstaunliche Dinge ihn in Wunderlicht erwarten. ANDREA WANNER ließ sich in den Bann des Abenteuers ziehen.

 

Erwachsenwerden mit Hindernissen

Was soll man nur tun, wenn man 17 ist und so normal, dass man gar niemandem auffällt. Nora Jonasson ist wunschlos unglücklich, glaubt nicht daran, dass sich in ihrem ereignislosen Leben je etwas ändern wird – und irrt sich. ANDREA WANNER hat ihr zugehört.

 

Ein Blumenmeer

Langsam geht der Sommer zu Ende, der meteorologische Herbst hat schon begonnen. Noch leuchten in den Gärten Astern und Sonnenblumen. Die nahende Zeit ohne Blütenpracht lässt sich mit einem hübschen Bilderbuch überbrücken, findet ANDREA WANNER.

 

Ein neidvolles Leben im Zoo

Das arme Erdhörnchen. Es guckt »nach links … geradeaus … nach rechts … geradeaus«. Nicht viel los: »nach links … geradeaus … nach rechts«. Immer dasselbe: Es sieht die Bären, die Schimpansen, die Löwen, die Schimpansen, die Bären, die Schimpansen, die Löwen … Immer die gleichen Gesichter: Der Bär ist ruhig und neugierig, der Affe macht Faxen, der Löwe schaut etwas hochmütig und majestätisch aus. GEORG PATZER begleitet Werner Holzwarth in seinem pfiffigen Bilderbuch in den Zoo.

 

Die plötzlichen Schrecken des Lebens mit zehn

Bücher über die inneren Zustände von Jugendlichen in der Pubertät gibt es zuhauf und in allen Schattierungen, als Liebesgeschichten, Problemgeschichten, Abenteuer - und Familiengeschichten, formuliert von höchster Güte bis zum Schmonzettenkitsch und dementsprechend realistisch oder auch nicht. Dass es bei diesem dicht bepflanzten Themenfeld noch Lücken gibt, ist erstaunlich. Die norwegische Autorin Nina E. Grøntvedt hat eine entdeckt und sie mit Ich bin’s, Oda auch gleich geschlossen. Und wie! MAGALI HEISSLER ist dem Charme einer zehnjährigen Kratzbürste hilflos verfallen.

 

Ein Schwein im Garten

Manchmal passieren Dinge, die das ganze Leben auf den Kopf stellen. Abstruse Dinge, die von einer Sekunde auf die andere, alles umkrempeln und verändern. Vor allem die eigene Person. Und ungeahnte Kräfte freisetzen. Und aus einem braven Grundschüler, der eine gehörige Portion mehr Verständnis für seine Eltern hat, als sie für ihn, einen draufgängerischen Schweine-Retter macht und selbstbewussten Zehnjährigen. Von SUSANNE MARSCHALL

 

Blaubeersaft und Regenwürmer

Kristina Andres erzählt in Immer, wenn du wiederkommst von Ferdinand und Vogel. Beide verbindet eine Freundschaft, die Nähe und Ferne, Abschied und Sehnsucht kennt und die viel, viel länger hält als nur einen wunderbaren Sommer. Von MONIKA THEES

 

"We interrupt this programm!"

Diesen Oktober jährte sich Orson Welles Todestag zum 25. Mal. MIRJAM STUTZMANN hat sich zu diesem Anlass den Hörspiel-Klassiker War of the Worlds vorgenommen. Ob diese frühe Form von Dokufiction auch heute noch funktionieren würde?

 

Von Affen und Aposteln

Axel Hacke und Giovanni di Lorenzo haben sich in Wofür stehst Du? an ein zutiefst emotionales Thema gewagt: Werte. MAXIMILIAN REEG hat ihren Diskurs verfolgt.

 

Ausgelagerte Ur-Natur

An so einem Migranten hätte Thilo Sarrazin seine helle Freude: TV-Moderator Dieter Moor hat seinen Hof in der Schweiz verkauft, um sich in Brandenburg als Bio-Bauer zu profilieren. Dabei fordern ihm Land und Leute erhebliche Anpassungsleistungen ab. MAXIMILIAN REEG hat sich die Geschichte der gelungenen Integration angehört.

 

Mensch und Ratte als Duo infernale

Welche Generation spricht hier? Geil? Schlaff? Noch-Nicht oder doch schon so sehr? Julian Schraven erzählt in seinem amüsanten Hörspiel vom orientierungslosen Frischabiturienten und Radiomoderator Luca „Benk“ Merus. Seine Ratte Jerry hat den Durchblick, er nicht. Hätte er sie mal besser nicht überfahren … Von MARTIN BEYER

 

Rummelbummel im Trachtenfummel

Am 18. September braust durch München, den beschaulichen Moloch an der Isar, ein Ruf wie Donnerhall: O´zapft is! Das große Besäufnis, das sich „Wies´n“ nennt, wird satte 200 Jahre alt. Für die Münchner heißt es dann: Flüchten, Meckern oder - Mitmachen. MIRJAM STUTZMANN hat vorab eine Jubiläumspublikation untersucht. Kam dabei Festzeltlaune auf?

 

Kopulation ist nicht geiler als der Tod

Walt Whitmans „Ich“ fliegt über Amerika. Und was sollen wir damit, wir Nichtamerikaner? Whitmans Grasblätter sind auch uns zugeeignet, den Bewohnern „fremder Länder“:

 

Ich hörte, daß ihr etwas erbittet, dieses Rätsel der Neuen Welt zu bekunden / und Amerika zu erklären, seine athletische Demokratie,/Deshalb sende ich euch meine Gedichte, damit ihr in ihnen erblickt, was ihr verlangt.

Von BRIGITTE HELBLING 

 

Beim Wiederlesen von Pan

WOLFRAM SCHÜTTE nimmt Hamsuns 150. Geburtstag am 4. August zum Anlass, in die eigene Leservergangenheit zurückzukehren und zu überprüfen, ob sich der damalige fiebrige Lesetaumel bei der Lektüre des Pan auch beim heutigen Wiederlesen einstellen will.

 

Ein Hunger(-künstler)

Vor mehr als 115 Jahren hat Knut Hamsun Hunger geschrieben, einen Roman über eine gescheiterte Persönlichkeit, wie sie auch heute in jedem Stadtpark, auf jedem Bahnhofsvorplatz zu finden ist, in ausgelatschten Turnschuhen und speckigem Ledermantel, laut aus der Zeitung rezitierend. SIMONE SCHRÖDER hat den Klassiker begutachtet und kam zu dem Schluss: Auch in der Neuauflage glänzt der Roman als zeitgemäßes Stück Weltliteratur.

 

Paradies, verloren

Gewöhnlich haben die Klassikerausgaben des Manesse Verlags das Format eines Notizbuchs, das sich bequem in die Tasche stecken lässt. Anders diese groß angelegte Neuübersetzung von Schau heimwärts, Engel, die der Verlag achtzig Jahre nach Erscheinen der Originalausgabe vorlegt. Von ANDREAS MARTIN WIDMANN

 

Poes Jahrhundert

Edgar Poe, der beliebig Reduzierbare, hat ein Gesamtkunstwerk hinterlassen. Erfinder der Detektivgeschichte? Ja, aber anders. Erfinder des 19. Jahrhunderts? Das vor allem. DIETER PAUL RUDOLPH stellt uns „seinen“ E.A. Poe vor

 

Vortreffliche Selbsteinschätzung

Wer die lyrischen Neuerscheinungen ein wenig im Blick hat, der weiß, dass so ziemlich jedes Kalenderjahr mit zumindest einigen interessanten Anthologien aufwarten kann, und ja: Ich lese sie gerne. Neulich wurde ich von einem Journalisten gefragt, was ich denn lieber lesen würde, Anthologien oder Einzelbände – eine Frage, auf die ich keine wahrheitsgemäße Antwort geben konnte. Ich lese auch gerne Einzelbände, aber ob ich einen guten Einzelband einer guten Gedicht-Anthologie vorziehe, oder auch andersrum, kann ich nicht grundsätzlich sagen: frische Nordseekrabben vom Kutter oder Spargel-Quiche – gottseidank kann man ja auch beides genießen, eines nach dem anderen, je nach Tagesform, Lust und Laune. Von STEFAN HEUER

 

Zu Tinte zerronnen

Nora Bossongs neuer Band Sommer vor den Mauern ist eine vielpolige, in verschiedenen Richtungen verankerte Angelegenheit. Von TOBIAS ROTH

 

Christoph Grau bebildert die unendlichkeit auf erden

der titel sagt es bereits: projekt ist etwas unabgeschlossenes, unabschliessbares. eigentlich hätte etwas kugelförmiges dabei herauskommen müssen, das pantheon-phänomen zu be- und alle naheliegenden sowie im besten Sebaldschen sinn ab-schweifenden assoziationen aufzuschreiben. stattdessen ist es ein kleiner ziegel geworden, der sich im schaufenster des hamburger textem verlags, der ja auch die hübsch verschwurbelte zeitschrift kultur & gespenster herausgibt, ausgezeichnet ausmacht. Von CRAUSS

 

Von Tieren und Menschen und Tieren im Menschen

Jahrtausendelang hat die Menschheit mit Tieren unter einem Himmel und unter einem Dach zusammen gelebt. Seit den Fortschritten der Industrialisierung und Automatisierung, die einhergingen mit dem dschungelhaften Wachstum der Städte, gerät diese intime Beziehung zwischen Mensch und Tier immer mehr in den Hintergrund. Von MATTHIAS FALLENSTEIN

 

Acht Fäuste für ein Halleluja

Wer Anfang der 1990er Jahre in seiner Lieblingskneipe ein gepflegtes Bier trinken, im interkulturellen Treffpunkt die Lokalmatadoren im Kickern herausfordern oder sich in der Justizvollzugsanstalt seines Vertrauens ein paar ruhige Stunden machen wollte, dem konnte es passieren, dass diese Horte der Geselligkeit seit dem letzten Besuch ihr Gesicht verändert hatten. Von STEFAN HEUER

Petraeus und sein Stab

Die menschliche Existenz ist voll von Paradoxa. Krieg etwa gehört zu den schlimmsten Dingen, die Menschen einander antun können; die Ausführenden des Kriegs allerdings, das ...

Zwischen Karikatur und Avantgarde

Lyonel Feininger ist eine Ikone der Klassischen Avantgarde. Er hat einen festen Platz im Lieblingsmaler-Pantheon. Doch auch solch ein Weltrangmeister ist nicht vom Himmel gefallen. Die Ausstellung ...

Wer will fleißige Handwerker sehn

Der Künstler und ehemalige Hartz IV-Empfänger Van Bo Le-Mentzel hat zusammen mit seiner Crowd ein DIY-Forum geschaffen und mittels Schwarmfinanzierung auch gleich ein Buch drucken lassen. ...

Psychothriller mit doppeltem Deutungsboden

Alles beginnt ganz harmlos. Mit einem Schulaufsatz, in dem der französische Oberstufenschüler Claude (Ernst Umhauer) von einem Besuch im Haus seines Klassenkameraden Rapha berichtet. ...

... bis sie dann gestorben sind.

Wenn Comics sich klassischen Märchenmotiven widmen, dann tun sie das meist in Form einer eher überzogenen Parodie. Selbst wenn sich dahinter so viel Sophistication verbirgt wie hinter ...

Musik in Schwarz-Weiß

Noch ein paar Tipps für die Tage in denen Stimmung und Landschaft sich den Grau-Tönen nähern und die richtige Musik dabei hilft, ruhige Momente zu ...

Vom großen Lama aus der Regent`s Park Road

Tristram Hunt widmet dem Schatten von Karl Marx, der selbst ernannten »zweiten Violine« des Marxismus, dem Industriellenerben Friedrich Engels eine ...

Die böse Schlange
und das weiße Kaninchen

In diesem Land stimmt etwas nicht. Der Feminismus nämlich. Schwach steht er da, der Wind pfeift durch die Löcher seines theoretischen Unterbaus. Ähnlich steht es mit den Frauen. ...

Verteidigung des Schlagers

Klar, man kann sagen: der Schlager geht musikalisch über das kleine Einmaleins der Harmonielehre nicht hinaus, seine Texte haben mit der Wirklichkeit nichts zu tun, er ist ein konservatives ...

Der Spielplatz macht zu

Nach drei Ausgaben wird das Games-iPad-Magazin Spielplatz wieder eingestellt. Was dahinter steckt, wollte RUDOLF INDERST im Gespräch mit den beiden Machern Henning Ohlsen und Mark ...

Ein Igel erlebt sein blaues Wunder

Neue Kartracer haben es nicht leicht. Auch nach 20 Jahren ist der Schatten der einstigen Genregröße Mario Kart so mächtig, dass sich jeder neue Titel einen Vergleich ...

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