TITEL kulturmagazin
Freitag, 24. Februar 2017 | 18:08

 

Die böse Schlange
und das weiße Kaninchen

In diesem Land stimmt etwas nicht. Der Feminismus nämlich. Schwach steht er da, der Wind pfeift durch die Löcher seines theoretischen Unterbaus. Ähnlich steht es mit den Frauen. Bewegungsunfähig sehen sie mit starrem Blick dem Untergang ins Auge, wie das Kaninchen der Schlange. Wie konnte das geschehen? In ihrem Buch Alice im Niemandsland. Wie die deutsche Frauenbewegung die Frauen verlor zeigt Miriam Gebhardt auf die Schuldige mit den hypnotischen Kräften: Alice Schwarzer. Von MAGALI HEISSLER

 

Tagebuch der alltäglichen Grausamkeiten

Der israelische Regierungschef Netanjahu hat Ende September vor der UN-Vollversammlung die Auseinandersetzung seines Landes mit dem Iran zu einem grundsätzlichen Konflikt zwischen »Mittelalter« und Moderne stilisiert. Was die israelischen Soldaten in Breaking the Silence zu berichten haben, lässt einen am Wert der hier gemeinten Moderne zweifeln. Von PETER BLASTENBREI

 

Wovon de Maizière wirklich spricht

In deutschen Medien erfahren wir selten etwas über die Kriegführung mit Drohnen. Dabei gibt es seit 2009 ein International Committee for Robot Arms Control. Gelegentlich drängt sich das Gefühl auf, wir leben hinter dem Mond in diesem Land, und Gänsehaut läuft über unseren Rücken. In Lettre International 98 setzt sich der britische Autor und Schauspieler Heathcote Williams mit dem Thema auseinander. Von WOLF SENFF 

 

Deutsche Nachbarn -
mit und ohne Systemvergleich

Vor 23 Jahren fiel die Mauer, knapp 11 Monate später ging der zweite deutsche Staat im vergrößerten Deutschland auf. Zeit also für eine nüchterne historische Rückschau ohne die üblichen Gruseleffekte. Jörg Roesler hat mit seiner hier vorliegenden Geschichte der DDR ein solches Buch geschrieben. Ein besonderer Glücksfall ist es, dass zugleich in der gleichen Reihe und Aufmachung eine Geschichte der BRD von Georg Fülberth erschienen ist. Von PETER BLASTENBREI

 

Messerscharfes Vergnügen

Thomas Rothschild, in Österreich aufgewachsen, verließ das Land aus politischen Gründen und lehrte über drei Jahrzehnte Literaturwissenschaft an der Universität Stuttgart. In Deutschland ist er fest in der Kultur verwurzelt. Seine jetzt publizierte Aufsatzsammlung hat eine Menge Vorläufer (zuletzt: Alles Lüge. Das Ende der Glaubwürdigkeit, 2006), der vorliegende Band enthält Glossen und Aufsätze für titel-magazin.de und den Freitag – bevor der nach der Übernahme durch den nachwachsenden Augstein zum Mainstream ins Bett kroch und man sich seitdem leichten Herzens erlaubt, auf qualifizierte Journalisten wie Ingo Arend und Tom Strohschneider verzichten zu können. Von WOLF SENFF

 

Die Ohnmacht der vierten Macht

Umweltkatastrophen, Finanzkollaps – die Welt jagt eine Krise nach der anderen. Schafft es unsere vom Konsum geprägte Gesellschaft, ihre Werte zu verändern, um gegenzusteuern? Medien beeinflussen unsere Meinungen, doch können sie auch einen echten Wandel anstoßen – und sind sich die Medienmacher ihrer Verantwortung überhaupt bewusst? Dirk C. Fleck sucht in Die vierte Macht. Spitzenjournalisten zu ihrer Verantwortung in Krisenzeiten nach Antworten. Von MARITA BÜHRMANN 

 

Very British?
No!

Die Bank- & Börsenwacht an der Themse, die nazifixierte Presse, Anti-Europapolitiker, mal wieder vors Objektiv geratene sekundäre Geschlechtsmerkmale von royals – viel mehr ist aus unseren Medien kaum zu erfahren über das Vereinigte Königreich. Das hiesige Traditionsbild aus Miss Marple und Jack the Ripper, exzentrischen Schrullen und stiff upper lips bleibt ungestört. Owen Jones räumt damit gründlich auf. Sein Buch Prolls. Die Dämonisierung der Arbeiterklasse erzählt in Reportagen und Reflexionen, wie dieses Land heute tatsächlich tickt, nicht nur bei denen »da unten«. Von PIEKE BIERMANN

 

Bildgewaltiges Glanzstück

In Annawadi, einem Slum in Mumbai, leben die Hoffnung auf eine bessere Zukunft und die Angst vor dem endgültigen existenziellen Ruin dicht beinander. Neid, Korruption und ethnische Konflikte bestimmen den Alltag. In Ihrer bewegenden Reportage Annawadi oder der Traum von einem anderen Leben schildert Katherine Boo eingängig die Lebensumstände in einem indischen Elendsviertel. Von MARC STROTMANN

 

Deutschland, Europa und die Welt

Ein offenkundiger Widerspruch treibt mehrere Autoren zurzeit um: der Widerspruch zwischen dem von maßgeblichen Politikern gewollten Europa und der zunehmenden Skepsis in großen Teilen der Bevölkerung. Ulrich Beck liefert mit seinem Essay Das deutsche Europa, erschienen in der edition suhrkamp digital, die sozialdemokratische Antwort, meint THOMAS ROTHSCHILD.

 

Kampf den Tigerhaien

Jean Ziegler, der streitbare und nicht minder umstrittene Globalisierungskritiker und UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung beschreibt in seinem Buch Wir lassen Sie verhungern. Die Massenvernichtung in der Dritten Welt die Tragödie der weltweit grassierenden Unterernährung. Die Lösung dieser humanitären Katatrophe liege demzufolge nicht fern, scheitere jedoch oft genug an Bürokatie und Ignoranz. Das Buch schildert Erfolge und Versagen im Kampf gegen die globale Ernährungskrise. Von JÖRG FUCHS

 

»Krieg ist immer schlimmer,
als ich beschreiben kann«

Sie war die Kriegsreporterin des letzten Jahrhunderts – Martha Gellhorn, Amerikanerin, links, intellektuell und auch noch schön. Was – und vor allem wie – sie erzählt aus fünfzig Jahren Krieg, das ist auch im neuen Jahrhundert dringend nötige Aufklärung, gerade für deutsch(sprachig)e Leser. Der Züricher Dörlemann-Verlag hat sie jetzt wieder zugänglich gemacht: Das Gesicht des Krieges. Reportagen 1937-1987. Von PIEKE BIERMANN

 

Der Kommunismus ist tot,
lang lebe der Marxismus!

Eric Hobsbawm beweist in Wie man die Welt verändert. Über Marx und Marxismus sein ungebrochenes Interesse für Karl Marx. Von MARC STROTMANN

 

Geschichte als große Erzählung

Dass sich gerade die Geschichte so halsstarrig weigert, Geschichten zu erzählen, und jeden Vertreter ihres Faches verfolgt, der das tut, ist sehr schade. Schließlich wissen wir seit Haydn White oder eben Aristoteles, dass auch Klio dichtet und schließlich erscheinen immer wieder schöne Bücher, in denen Historiker ihren Lesern eine Geschichte erzählen und damit auch Leser über den Kreis der Kollegen hinaus gewinnen. Dazu gehört auch Heinz Dieter Kittsteiners Die Stabilisierungsmoderne. Deutschland und Europa 1618-1715, findet BJÖRN VEDDER.

 

Philosophie und Politik

Das erschöpfte Selbst, die Allmacht der Ökonomie und die politische Differenz –

 

ein Überblick von BJÖRN VEDDER

 

Wertvolle Einblicke

Nach seinem mehrfach preisgekrönten und von Kennern der Materie bestaunten Buch CIA. Die ganze Geschichte (2007, dt. 2008) hat sich Tim Weiner ein weiteres »Sicherheitsorgan« vorgeknöpft, das zuverlässig für Amerikas schlechten Ruf – nicht zuletzt dank Hollywood in aller Welt – sorgt. Jetzt ist FBI. Die wahre Geschichte einer legendären Organisation auf Deutsch erschienen. Von PIEKE BIERMANN

 

Immer weniger Arbeit für alle

Aus Zeitungsartikeln zum Thema Arbeit wurde für die Süddeutsche Zeitung Edition der 336 Seiten dicke Sammelband Die Zukunft der Arbeit zusammengestellt. Die Frage nach der Zukunft der Arbeit braucht neue Antworten, weil sich Deutschland von der Industrie- zur Postindustriegesellschaft wandelt, weil das Normalarbeitsverhältnis zur Ausnahme wird und die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit zunehmend verwischt. Von BASTIAN BUCHTALECK

 

Künftige Konflikte

Die zwei erfahrenen Journalisten Andreas Rinke und Christian Schwägerl spielen in elf spannenden Szenarien mögliche Konflikte der kommenden Jahrzehnte durch. In 11 drohende Kriege – künftige Konflikte um Technologien, Rohstoffe, Territorien und Nahrung verdeutlichen sie den politischen und gesellschaftlichen Handlungsbedarf. Von TOM ASAM

 

Massenmörder aus der Gesellschaftsmitte

Wie bewundernswert eine Gesellschaft umgehen kann mit einem Massenmord, der ihr tiefe, vielleicht nie ganz vernarbende Wunden zugefügt hat, konnte man gerade am Prozess gegen den Attentäter von Oslo und Utøya studieren. Auch um ihn und seine Tat geht es in Ines Geipels neuem Buch Der Amok-Komplex oder die Schule des Tötens. Aber auch um den Versuch, einem erschreckend »modernen« und medial verstrickten Gewaltphänomen literarisch beizukommen. Von PIEKE BIERMANN

 

Total vermarxt

Mit der eigensinnigen Penetranz eines studierten Besserwissers belehrt uns Terry Eagleton in Warum Marx recht hat über die realen Verhältnisse unserer Welt. Was er immer schon zum Thema Marx und Kommunismus zu sagen hatte, stellt er nun dem geneigten Leser vor. Warum eigentlich? Fragt sich VIOLA STOCKER.

 

Das Röcheln der Supermacht

Nach einer Analyse von George W. Bushs Außenpolitik im Jahr 2005 legt Josef Braml nun mit Der amerikanische Patient eine provozierend klare Zustandsbeschreibung vor und überlegt, was der drohende Kollaps der USA für die Welt bedeutet. Von WOLF SENFF

 

Phantomschmerz verfeindeter Völker

Über »Israel« und »die Juden« hat hierzulande anscheinend jeder eine Meinung und verkündet sie neuerdings auch immer dröhnender. Inzwischen grassiert eine fatale Paarung von Meinungsstärke und Kenntnisschwäche. Dabei gibt es Informationen zuhauf über die komplexen Hintergründe dessen, was plakativ »Nahostkonflikt« heißt. Zum Beispiel das neue Buch der jüdisch-israelischen Historikerin Yfaat Weiss, Verdrängte Nachbarn: Wadi Salib - Haifas enteignete Erinnerung. Von PIEKE BIERMANN

 

Einer gegen die Gruppendynamik oder Kafka lebt

MANFRED WIENINGER taucht mit Interrogator. In den Verhörkellern der CIA von Glenn L. Carle in eine kafkaeske Welt ein.

 

Licht wo zu viel Schatten lag

Jetzt mal ehrlich, das Buch Fifa-Mafia von Thomas Kistner ist keine einfache Kost. Zu ungebremst und schnörkellos werden einem hier schallernde Fakten um die Ohren gehauen. Fifa, Fußball, Korruption, Unterschlagung, Verbandsstrukturen, die an sizilianische Familienstrukturen erinnern! Ein knalllauter Aha-Effekt ist dabei ebenso garantiert, wie eine erstmal nicht enden wollende Aufregung. Von SVEN GERNAND

 

Gegen die Dominanz des Beliebten

Nach Amazon (1997) und Google (2004) geht nun mit Facebook das dritte Internet-Schwergewicht an die Börse. Häufig liegen die drei Unternehmen mit der Entwicklung neuer Techniken gleichauf. Während Amazon Vorschläge macht, welche Bücher und Filme uns noch gefallen könnten und Google Werbung einblendet, die zu uns passen soll, zeigt Facebook vor allem diejenigen unserer Freunde an, mit denen wir ohnehin schon mehr zu tun haben. Der amerikanische Journalist und Autor Eli Pariser arbeitet seit fast zehn Jahren für die Internet-Bürgerrechtsbewegung MoveOn und beschreibt in Filter Bubble sowohl Vorteile wie auch Gefahren der Personalisierung. Von BASTIAN BUCHTALECK

 

Propagandaschlachten

Nahost-Interessierte kennen die Situation: geht es um Araber und den deutschen Nationalsozialismus, ist die Diskussion zuende, sobald ein Name fällt. Der 1974 verstorbene Großmufti von Jerusalem, Amin al-Huseini, hat offenbar für alle Zeiten den Ruf seiner Landsleute als bösartige Antisemiten geprägt, als er sich 1942 im vertrauten Gespräch mit dem deutschen Diktator in Berlin fotografieren ließ. Dass ein solcher Fokus die meisten Aspekte des arabischen Denkens damals wie heute übergeht, zeigt der libanesische Politikwissenschaftler Gilbert Achcar in Die Araber und der Holocaust. Der arabisch-israelische Krieg der Geschichtsschreibungen. Von PETER BLASTENBREI

 

Nicht einmal mehr Bienen sind noch das, was sie waren

Es gibt so Themen, die dümpeln. Kennen Sie das? Sie liegen herum, irgendwo im Brackwasser, jeder weiß, dass es sie gibt, seit Jahren schon, doch niemand kümmert sich, oft aus Bequemlichkeit. Man könnte sich schmutzig machen, und wer weiß, man könnte schlafende Hunde wecken – wer will das schon? Von WOLF SENFF

 

Von der Verrohung des Bürgertums

Ja, die Welt ist schlecht, weil ungleich. Aber hurra – wir tun doch was! Das Netzwerk der »Tafeln« sorgt dafür, dass auch Hartz-IV-ler würdig zu essen bekommen. Konzerne aus der reichen westlichen kreieren in der armen »Dritten Welt« neue Jobs für Frauen; mit unseren Microkrediten können sie sich sogar eine eigene Existenz aufbauen. Aber in Deutschland soll sich doch bitte niemand über Armut beschweren, das ist Jammern auf Luxusniveau. Wirklich? Kathrin Hartmann sieht das ganz anders. Wie und warum, belegt sie in ihrem neuen Buch Wir müssen leider draussen bleiben – Die neue Armut in der Konsumgesellschaft. Von PIEKE BIERMANN

 

Neue Wege nach Palästina

An der Lösung des Palästina-Konflikts haben sich schon viele Diplomaten, Politiker und Wissenschaftler abgearbeitet. Zahllose Seiten Papier wurden beschrieben, eine lange Reihe von Friedensplänen entstand, jeder einzelne freudig begrüßt und diskutiert – wir alle sind Zeugen davon, wie wenig davon in die Wirklichkeit umgesetzt wurde. Der palästinensische Wissenschaftler Sari Nusseibeh stellt in seinem neuesten Buch Ein Staat für Palästina? einen überraschenden neuen Zugang zu dem Dauerstreit vor. Von PETER BLASTENBREI

 

Schleichende totalitäre Herrschaft

Die politische Forderung nach Transparenz ist das Trojanische Pferd, mit dessen Hilfe sich totalitäre Strukturen subversiv in der demokratischen Gesellschaft etablieren. Byung-Chul Han gibt in Transparenzgesellschaft eine pointierte Übersicht der gegenwärtig erkennbaren Zustände: Er beschreibt u.a. die Positiv-, die Ausstellungs-, die Porno-, die Beschleunigungs- und die Informationsgesellschaft als spezifische Ausprägungen. Von WOLF SENFF

 

Revolution X

Versionsbezeichnungen bei Revolutionen liegen im Trend: Nach dem Buch Revolution 3.0, das Porträts und Stimmen von Online-Aktivisten bündelte, folgt nun Revolution 2.0 – Wie wir mit der ägyptischen Revolution die Welt verändern. Der Autor Wael Ghonim schildert darin seine Rolle als Facebook-Aktivist während des Sturzes des Machthabers Hosni Mubarak. Der Titel des Buchs wirft unweigerlich drei Fragen auf: Was ist aus der Revolution 1.0 geworden? Welche Rolle spielten die »Neuen Medien« während des Umsturzes tatsächlich? Und welchen Einfluss auf die Welt kann die ägyptische Revolution haben? Antworten auf diese Fragen hofft JÖRG FUCHS in Revolution 2.0 zu finden!

 

Etikettenschwindel

Es gibt das Sprichwort von der Diskussion im luftleeren Raum. Ganz leer ist der Raum zwar nicht, in dem das Buch Die intellektuelle Ehe von Hannelore Schlaffer argumentiert, aber die Luft ist sehr dünn. Das Philosophenpaar Sartre und Beauvoir oder der Theatermensch Brecht werden als herausragende Beispiele dieser Idee präsentiert, deren Uneinlösbarkeit maßgeblich zu ihrem Reiz beiträgt. Von BASTIAN BUCHTALECK

 

Wir, die Demokratie und der Orient

Wer genau hinsieht, hat es längst bemerkt: Der konkrete Umgang des Westens mit der arabischen Welt hat sich trotz des offiziellen Revolutions-Enthusiasmus des Jahres 2011 kaum verändert. Bestimmend sind weiterhin unsere traditionellen Interessen und die zweifelhaften alten Methoden, mit denen sie schon immer durchgesetzt werden sollten. Marc Thörner nähert sich diesem Problem in seinem neuen Buch Die arabische Revolution und ihre Feinde von einer eher unerwarteten Seite. Von PETER BLASTENBREI

 

Von digitalen Würmern und dichotomischen Weltbildern

Mark Bowden, der unter anderm für den Thriller Black Hawk Down, einer Episode aus dem somalischen Bürgerkrieg, bekannt ist, erzählt in Worm die Geschichte des Computerwurms »Conficker« der erstmals im Jahr 2008 sein Unwesen trieb. Dieser Wurm, der sich hauptsächlich auf Sicherheitslücken des Windows-Betriebssystems konzentrierte, befiel weltweit bis zu 50 Millionen Rechner, ohne zunächst konkreten Schaden anzurichten. Bis heute ist fraglich, welche Absichten der oder die Programmierer des Wurms verfolgten. JÖRG FUCHS taucht ein in die Welt von Bits und Bytes – und wundert sich über das dichotomische Weltbild des Autors.

 

Die lange Nacht der Palästinenser

Die gewaltsame Vertreibung der Palästinenser 1947/49, Kern und Ausgangspunkt des heutigen Palästinakonflikts, ist in Deutschland nur in Umrissen bekannt. Die Schweizer Publizistin Marlène Schnieper, 2006-2008 Korrespondentin des Züricher Tages-Anzeiger in Israel und Palästina, bietet mit ihrem Buch Nakba – die offene Wunde eine knappe, aber umfassende Darstellung dieser ersten großen ethnischen Säuberung im Nahen Osten. Von PETER BLASTENBREI

 

Die Freiheit, die er meint

Der Katzenjammer ist vorprogrammiert. Wo so viel Vorschusslorbeeren verteilt werden und so viel Jubel auf Verdacht ertönt, kann es nur Enttäuschungen geben. Es ist ähnlich wie bei der Bestellung des künftigen Intendanten für das Stuttgarter Schauspiel, Armin Petras. Berauscht von dem Coup, der einen Theaterleiter aus der Hauptstadt weglocken konnte, verspricht man sich am Neckar ein Goldenes Zeitalter. Wenn man sich in Berlin ein wenig umhörte, wenn man Petras als einen radikalen Befürworter von Romanadaptionen wahrgenommen hätte, der mit Drama wenig im Sinn hat, wäre wohl eher Skepsis angebracht. Die kann dann immer noch durch freudige Überraschungen aufgehoben werden. Für angenehme Überraschungen lässt das allgemeine, parteiübergreifende Vorauslob für Joachim Gauck keinen Platz. Man wird ihm auf die Schliche kommen. Der Katzenjammer ist vorprogrammiert. Von THOMAS ROTHSCHILD

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