Neu im Kino: Marina Abramovic - The Artist is present Julia Holter: Ekstasis Interview Spielplatz Magazin Die Popkolumne aus London Alain de Botton: Freuden und Mühen der Arbeit Tristram Hunt: Friedrich Engels
Freitag, 24. Mai 2013 | 06:39

 

»Alles liegt im Blick«

»Das Publikum ist wie ein Hund«, sagt Marina Abramovic einmal: »Es riecht Angst und Schmerz. Es kann fühlen, wenn man nicht anwesend ist«. Die jugoslawische Performance-Provokateurin setzt diesem Gefühl etwas entgegen, das mächtiger ist als jeder bisher da gewesene Antagonismus: Sich selbst. Die Künstlerin ist anwesend. Von LIDA BACH

 

Familie und andere Angelegenheiten

3/ Tres ist eine Komödie über drei Leute, die ein und dasselbe Schicksal miteinander verbindet: sie sind eine Familie. Genau darin liegt das Problem; nicht für die Protagonisten von Pablo Stoll Wards spröder Alltagsbeschau, sondern das Publikum. Ein solches hat die zweite Solo-Arbeit des uruguayischen Regisseurs im Grunde kaum verdient.Von LIDA BACH

 

Psychothriller mit doppeltem Deutungsboden

Alles beginnt ganz harmlos. Mit einem Schulaufsatz, in dem der französische Oberstufenschüler Claude (Ernst Umhauer) von einem Besuch im Haus seines Klassenkameraden Rapha berichtet. Claude, der offenbar aus schwierigen Verhältnissen stammt, macht sich zwischen den Zeilen lustig über das biedere Mittelstandsidyll, in dem der Mitschüler mit seinen Eltern lebt. Aber auch die Sehnsucht, dazu zu gehören, schwingt in der Geschichte mit. Sie endet mit den Worten »à suivre« (»Fortsetzung folgt«). Von STEFAN VOLK

 

Tot aber glücklich

»Ich hätte nie gedacht, dass aus dieser Geschichte, mit der ich in meiner Fantasie herumgespielt hatte, je etwas werden würde.«, erinnert sich Stephenie Meyer im Presseheft zu Twilight – Breaking Dawn 2 der Anfänge ihrer Buchsaga. Es ist auch nichts draus geworden. Aber das macht nichts gegenüber Jahren an der Spitze der Bestsellerliste, der mit eine Millionen Followers erfolgreichsten Twitter-Filmseite und über 30 Millionen verkaufter DVDs und Blue-Rays der Twilight-Kinoreihe, deren Schlussakt Bill Condons Breaking Dawn 2 vollführt.

 

Vor den »Kindern des Olymp«

Ein Mann, eine Frau und ein Hund entfernen sich nach hinten in die öde Landschaft eines Hafens. Es sind Bilder wie dieses, die die Magie einer Filmkunst prägen, die nahezu ausgestorben und fast vergessen ist. Das Primat der Aktion, der aggressiven Bewegung hat, was man Atmosphäre nannte, verdrängt. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Die dämonische Leinwand

»Du sollst dir kein Bildnis machen!« So lautet das oberste Gebot in Scott Derricksons finsterster aller finsteren Allegorien. Ellison Oswalt (Ethan Hawke) hat es schon gebrochen, bevor er mit Ehefrau Tracy (Juliet Rylance) und den beiden Kindern das neue Heim in Pennsylvania betritt. Von LIDA BACH

 

»Jedes Leben berührt ein anderes«

Ist DAS sein ernst? Hans Ulrich Pönack, Filmkritiker des Sat 1. Frühstücksfernsehen zerreißt Cloud Atlas. Differenzierte Analyse? Fehlanzeige! Ein solch einflussreicher Meinungsführer wie er sollte sich dieser »Daumen hoch, Daumen runter«-Attitüde eines römischen Diktators verweigern. Willkürliche Täuschung? Fehlendes Filmverständnis? Beides trifft zumindest ansatzweise zu. Ein anderer Blick auf Cloud Atlas: Von VIKTOR RUCHOTZKI

 

Wie zu leben sei

Die Hofer Filmtage, die in diesem Jahr zum 46. Mal in der oberfränkischen Provinzmetropole stattfanden, verdanken sich von Anfang an der Film- & Kinopassion ihres 1941 geborenen Gründers & Leiters Heinz Badewitz. Dem heute 61 jährigen Michael Kötz, der seit 1992 die 1952 gegründete Mannheimer Filmwoche leitet & das Festival im Laufe seiner Direktorenzeit schon mehrfach umgekrempelt hat, ist es in diesem 61. Jahr der von Kötz neben Mannheim auch nach Heidelberg zu einem »Regionenfestival« erweiterten »Internationalen Filmwoche« gelungen, ganz auf sich zu zentrieren. Von WOLFRAM SCHÜTTE

 

Im Knochenmark der Schauspielerei

Im Gespräch: TITEL-Autorin LIDA BACH mit Martina Gedeck über ihren Film Die Wand und die Erfahrung des Lebens auf dem Lande.

 

Zwei glorreiche Halunken

»Ich brauche keine Hilfe«, behauptet Frank angesichts der neuen Haushaltshilfe. Sein Sohn Hunter (James Marsden) bringt den Roboterassistenten (Peter Sarsgaard) in das verwahrloste Zuhause des eigensinnigen alten Mannes (Frank Langella), der einst ein bekannter Juwelendieb war. Daran erinnert sich Frank gut, während ihn alltägliche Verrichtungen und Zusammenhänge immer mehr verwirren. Eine Beziehungsgeschichte der anderen Art – gesehen von LIDA BACH.

 

When the lights went out

»Es freut mich, dass du eine Freundin gefunden hast«, sagt Mrs. Maynard. Eine Freundin gefunden hat die einzelgängerische Sally gleich zweimal. Die eine Freundin ist Nachbarstochter Lucy (Hannah Clifford), die sich kontaktsuchend an Sally (Tasha Connor) hängt. Zuerst will die spröde 13-Jährige die Außenseiterin loswerden. Dann entdeckt sie, dass sie selbst im Kleinstadtmief des ländlichen Yorkshire ein Sonderling ist. Genau wie ihre andere Freundin. Von LIDA BACH

 

Zuschauen & Zuhören

Natürlich ist jedes Filmfestival zuerst einmal ein Lokalereignis. Das trifft auch auf die Hofer Filmtage zu, die heuer zum 46. Mal & immer noch unter der »Oberhoheit« ihres Gründers – des 1940 geborenen, graupilzköpfigen Heinz Badewitz – jeweils in der letzten Oktoberwoche in der Oberpfälzer Metropole in 8 Kinos stattfinden. Das Event zieht noch immer sein Publikum aus Stadt & Umland an. Für rund eine Woche steht alles in Hof im Zeichen der trotz vorübergehenden Schneeregens gut besuchten Veranstaltung. Wo immer man in ein Hofer Schaufenster schaut, blickt einem das Plakat des allgegenwärtigen Festivals entgegen. Von WOLFRAM SCHÜTTE

 

Vermessene Verkalkulation

»Immens viel Erkenntnis entgeht den Menschen, weil sie Angst vor Schmerzen haben.« Die klägliche Wahrheit der Worte aus dem Mund Alexander von Humboldts beweist Detlev Bucks Romanverfilmung. Darin wird der Grundsatz des wissbegierigen Adelssprosses (Aaron Denkel) lange vor seiner Laufbahn als Naturforscher und Entdecker fast zum Verhängnis. Von LIDA BACH

 

Verliebte Jungs

Toller Titel, oder? So spannend und originell – findet zumindest Marc Rothemund: Schon Doris Dörris Männer zeigte, dass ein »Mann« im Titel Interesse wecken kann, auch Der bewegte Mann, Männerherzen …  In Letztem spielte auch Wotan Wilke Möhring, auf dessen Bekanntheit der Regisseur und Co-Drehbuchautor ebenfalls zurückgreift. Quasi als Bonus zum zugkräftigen Titel. Zugegebenermaßen hat Rothemund ihn nicht ganz allein ersonnen. Vor dem Kinoplakat zierte der Satz bereits den Bucheinband der Romanvorlage des Autors Hans Rath. Von LIDA BACH

 

Ein Mann sieht röter

»Wir haben das geplant«, gebietet Bryan Mills (Liam Neeson), während er seiner jugendlichen Tochter Kim (Maggie Grace) bei einer Lektion im Autofahren eine in kindlichem Gehorsam erteilt: »An Pläne hält man sich!« Der Ausspruch begründet nebenbei, warum der ehemalige CIA-Agent aus Luc Bessons Actionhit 96 Hours – Taken immer noch seine Pensionierung ignoriert. Die Fortsetzung Taken 2 füllt keine der Logiklücken des Vorgängers und greift keine losen Handlungsstränge auf. »Doch dafür habe ich etwas anderes: ganz besondere Fähigkeit«, lautet im Vorgängerfilm das Versprechen an Kims Entführern, das Neeson nun erneuert. Von LIDA BACH

 

Wer wählen muss, hat keine Wahl

»Falls der Film eine Botschaft hat, dann diese: Wir sind alle im Arsch.« Hauptdarsteller Zach Galifianakis Worte gelten weniger auf politischer als satirischer Ebene für Jay Roachs spöttelnde Filmreferenz an den amerikanischen Wahlkampf. Der ist ein solcher im wortwörtlichen Sinne in The Campaign. Der Originaltitel des derben Klamauks, der pünktlich und profitorientiert zeitnah zum Rennen um das Präsidentenamt in den Kinos anläuft, ist schon mal der erste Verlierer: gegen den hiesigen Verleihtitel Die Qual der Wahl. Von LIDA BACH

 

 

Frauen sind subtilere Filter

Gesundheitlich schon stark angeschlagen stand der bisweilen exzentrische Star-Regisseur Michelangelo Antonioni vor fünf Jahren bei den Filmfestspielen in Venedig noch einmal im Mittelpunkt. Seinem gigantischen Werk war die Retrospektive gewidmet. In der Nähe des Flughafens fand ihm zu Ehren ein Festmahl mit annähernd 1000 geladenen Gästen statt, und die Verleihung des Ehrenlöwen geriet zur unfreiwilligen Komödie, als Festivalchef Moritz de Hadeln - viele Jahre Chef der Berlinale - bei der Übergabe vom »Bären« sprach.  Von PETER MOHR

 

 

Differenzierte Erinnerung

Je weiter sich die Realität der DDR in die Vergangenheit entfernt, desto grobschlächtiger werden die Klischees, die sich mit ihr verbinden – sofern, bei jungen Leuten, überhaupt noch Vorstellungen von dem zweiten deutschen Staat vorhanden sind. Für viele ist er so exotisch wie Atlantis oder Karthago. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Apokalypse surreal

Wir werden uns an der Diskussion nicht beteiligen, ob György Ligeti der bedeutendste Komponist nach 1945 ist oder nur der zweit- oder vielleicht gar nur der drittbedeutendste. Soviel aber kann man mit Gewissheit behaupten: Seine Oper Le Grand Macabre, die  1978 uraufgeführt und 1996 umgearbeitet wurde, steht wie ein Monolith in der Geschichte des neueren Musiktheaters. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Kunst und Technik

Am Anfang der Filmgeschichte standen zwei Gattungen, die seither längst vom abendfüllenden Spielfilm an den Rand gedrängt wurden: der Dokumentarfilm und der Trickfilm. Die Brüder Lumière benutzten die neue Erfindung, um Szenen aus der Wirklichkeit festzuhalten: einen in eine Station einfahrenden Zug, Arbeiterinnen, die eine Fabrik verlassen. Dass schon damals »geschwindelt«, Szenen gestellt wurden, ist mittlerweile bekannt. Im Prinzip aber folgten die Lumières dem Anspruch der Fotografie, der sie die Bewegung hinzufügten. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Eindrucksvolles Leinwandcomeback

Nach mehr als zehn Jahren gelingt Leos Carax mit Holy Motors ein schillerndes, groteskes und ausgesprochen sinnliches Verwirrstück über das Kino und das Leben. Von STEFAN VOLK

 

Der geteilte Himmel

»Das ist mein Dorf: Oberrieslingen. Hübsch, nicht?« Die Frage, mit der Clara (Julia Nachtmann) den kuriosen Schwaben-Schwank eröffnet, muss rhetorisch gemeint sein. Was sollte man angesichts der pittoresken Dorfkulisse auch antworten: »Ja, echt niedliches Filmset.« Oder wenn man sich dessen putziges Dorfideal als real vorstellt: »Nein, nichts wie weg hier!«? Die junge Schwäbin indes redet unbeirrt weiter, denn ums Reden dreht sich Ulrike Grotes Kinodebüt. Ihre kauzigen Protagonisten sind nehmen kein Blatt vor den Mund. Der spricht Schwäbisch, was als dramaturgische Prämisse genügt: »Ein schwäbische Komödie« verspricht das Poster der Bauern-Burleske um Dorfzwist und einen Kirchenraub der ungewöhnlichen Art. Von LIDA BACH

 

Witness to >The Mob<

»Wenn man sich einen Namen gemacht hat, dann kann man anfangen Kohle zu scheffeln!« Wahre Worte von Eddy, der mit seiner Hip-Hop-Truppe ›The Mob‹ das heiße Pflaster Miamis mit glühenden Moves weiter aufheizt. Der Spruch des Anführers (Misha Gabriel) der Crew, die mit atemberaubenden Stunts und ausgefeilten Choreografien um die Gunst des Internet-Publikums buhlt, legt beispielhaft das filmische und moralische Konzept des vierten Teils der scheinbar unendlichen Step up-Filmreihe dar. Von LIDA BACH

 

In einem Land vor unserer Zeit

»Ich habe in einer wunderschönen taghellen Vollmondnacht das Licht der Welt erblickt.« Nein, habe ich natürlich nicht, sondern der Saurier-Held von Han Sang-hos koreanischem Kreidezeit-Kino. Wäre dem mit der wunderschönen taghellen Vollmondnacht doch so, kann ich mich wohl einfach nicht so gut daran erinnern, wie es kleine Tarbosaurier können. Sollte ich es doch jemals gekonnt haben, ist das Gedächtnisbild überlagert durch das des Hauptcharakters des dreidimensionalen Dino-Abenteuers, der in besagtem Szenario auf der Kinoleinwand schlüpft und erwähnten Satz sagt. Denn ich bin nur eine Kinokritikerin und »Speckles« eine Kinoadaption und als solche Koreas erfolgreichster Trickfilm aller Zeiten. Eine cineastische Zeitreise ins Mesozoikum mit LIDA BACH.

 

Der junge Mann und der Suff

Wenn die Namen Johnny Depp und Hunter S. Thompson in einem Satz fallen, denkt die Mehrzahl der Filmfreunde vermutlich sofort an Terry Gilliams schräges Roadmovie Fear and Loathing in Las Vegas. Dass den stilbildenden Journalisten und Schriftsteller Thompson bis zu seinem Suizid 2005 auch eine enge Freundschaft mit Depp verband, wissen dagegen wohl die wenigsten. Von DANIEL APPEL

 

Kleiner Mann ganz groß

»Es gibt zwei Dinge, an die ich ständig denke: Sex und Tod. Und je mehr ich daran denke, desto reicher wird mein Tag«, hatte der Schauspieler Dustin Hoffman vor fünf Jahren in einem Interview erklärt. Jener große Darsteller, der seine Anfänge im Rückblick gerne als Bohème-Existenz deutet (das hieß schlicht, dagegen zu sein, deinen Lebensunterhalt auf ehrliche Art zu verdienen) und der dem gängigen Klischee vom Hollywood-Star, vom gutaussehenden, stets lächelnden Liebling der weiblichen Fans tatsächlich nie entsprach. Der kleinwüchsige Sohn eines film- und theaterbegeisterten Möbeldesigners hat seine fehlende Ausstrahlung (oftmals zum Leidwesen seiner Regisseure) mit einem beinahe manischen Drang zur Perfektion kompensiert. Von PETER MOHR

 

Die andere Kammerzofe

1964 kam Luis Bunuels Tagebuch einer Kammerzofe in die Kinos, das nicht zuletzt wegen Jeanne Moreau in der Titelrolle zu einem großen Erfolg wurde. Der Film basiert, sehr frei, auf dem gleichnamigen Roman von Octave Mirbeau, der 1900 erschienen ist. 18 Jahre vor Bunuel gab es bereits eine Verfilmung des Stoffes, und ihr Regisseur war kein Geringerer als Jean Renoir. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Arme Ritter

»Er lebt viel zu sehr in seinen Geschichten.«, urteilt Jeffs Klassenlehrer, als sich der aufgeweckte Elfjährige (Anton Glas) wiedereinmal Blessuren zuzieht, und Jeffs überfürsorglicher Vater Michael (Luc Feit) weiß auch schon, wovon das kommt: »Vom vielen Computerspielen.« Beide irren, doch sie gehören ohnehin zu jenen, die das Presseheft zu Laura Schroeders Kinderabenteuer als »Die Erwachsenen« abkanzelt. Das Spielfilmdebüt der luxemburgischen Regisseurin feuert hingegen bereits im Titel das Kinderhelden-Quartett an, dass sich als Schatzritter bewähren muss. Von LIDA BACH

 

Cinema Inferno

Holy Motors ist aus Unfähigkeit geboren: Leos Carax´ eingestandener Unfähigkeit, diverse »Projekte, die alle in unterschiedlichen Ländern und verschiedenen Sprachen spielen sollten, zu realisieren.« Die figuralen Phantasmen der imaginären Filme des Provokateurs des französischen Kinos sind die Rollen des Mr. Oscar (Denis Lavant), den die stoische Celiné (Edith Scob) in einer weißen Limousine zu neun Terminen chauffiert, deren surreale Kulissen Miniaturen einer wahnwitzigen Realität sind. Von LIDA BACH

 

Gier ist geil

»Es ist von unserer ursprünglichen Idee, unserem ursprünglichen Ansatz, ist so gut wie nichts übrig geblieben«, heißt es zu Beginn der ambivalenten Kinorevision über die »Treuhand«. Die Anstalt des öffentlichen Rechts, gegründet 1990 mit dem Auftrag der marktwirtschaftlichen Privatisierung oder Abwicklung der DDR-Betriebe, aufgelöst 1994 nach eklatanten Fällen von Wirtschaftskriminalität, betrachtet der dokumentarische Rückblick. Ein Stück Deutsch-Deutscher Wirtschaftsgeschichte, begutachtet von LIDA BACH.

 

Erst wenn der letzte Baum gefällt ist ...

… werden die Menschen begreifen, dass man Thneeds nicht atmen kann. Nur die Bürger von Thneed-Ville brauchen dafür länger. Den Samen für die Erkenntnis pflanzt der eremitische Once-ler (Ed Helms) in das Herz des 12-jährigen Ted (Zac Efron). Der Junge verlässt die Plastikparzelle, deren raffgieriger Bürgermeister (Rob Riggle) den Einwohner die Luft zum Atmen nimmt und dafür in Flaschen verkauft, um für seine Liebe Audrey (Taylor Swift) zu finden, was weder in Thneed-Ville und dem von einer Mauer verborgenen Ödland drumherum existiert: Bäume. Für die spricht Der Lorax, doch die Weisheiten der orangefarbenen Kreatur (Danny DeVito) sind dem Once-ler unverständig. Noch unverständiger ist für Chris Renauds und Kyle Baldas bonbonfarbene 3D-Adaption The Lorax Dr. Seuss gleichnamige Fabel. Von LIDA BACH

 

Zeit der Wunder

Ingmar Bergman und Andrej Tarkowski sind selbst in unseren geschichtsvergessenen Zeiten wenigstens dem Namen nach noch im öffentlichen Bewusstsein. Für Carl Theodor Dreyer gilt das nicht. Einer der bedeutendsten Regisseure der Filmgeschichte ist praktisch  unbekannt, und selbst Liebhaber der Filmkunst wissen in der Regel allenfalls, dass Dreyer in seiner Passion de Jeanne d'Arc fast ausschließlich mit Großaufnahmen gearbeitet hat. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Wahrhaftig großes Theater

Besucher der Seebühne bei den Bregenzer Festspielen oder der Arena von Verona schwärmen von den überdimensionalen Bühnenbildern. Offenbar entspricht Gigantomanie weit über die charakteristische Ästhetik totalitärer Systeme hinaus dem Schönheitsverständnis vieler Menschen. Sie schauen gerne auf, nach oben. Sie machen sich klein, indem sie sich der Protz- und Imponiergebärde des phallisch Hochragenden, sei es ein Wolkenkratzer, ein Turm oder eben ein Bühnenbild, unterordnen. Mit großem Theater freilich hat das nichts zu tun. Großes Theater definiert sich nicht architektonisch, sondern durch seine Stoffe. Die Shakespeares und die Atriden der Ariane Mnouchkine waren großes Theater, gewiss wegen der Regie, wegen des Ensembles, aber auch wegen der zeitlosen Universalität der literarischen Vorlagen. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Wächter der Nacht

»Jetzt erhebt sich das Böse wieder, dort, wo wir es begraben haben.« Der Satz Kommissar Gordons (Gary Oldman) brennt mit dem Fledermaus-Zeichen über dem dantischen Inferno, dessen Beginn er verkündet: Christopher Nolans düsterem Actionthriller The Dark Knight Rises. Der Titel der grandiosen Filmoper findet seinen greifbarsten Bezug in Gordons Worten, in deren bittere Einsicht die Handlungsstränge der revolutionären Comic-Adaption zusammenlaufen. Das Wissen um eigen Fehler wird zur bitteren Medizin, die keinen der komplexen Charaktere von dem Übel kurieren kann, das Gut und Böse zu gleichermaßen radikalen Taten treibt: Hoffnung. Von LIDA BACH

 

Die Nacht des Jägers

»Es muss schön für dich sein, niemanden zu brauchen.« Martin David braucht niemanden. Niemanden zum Reden, denn seine Antworten sind Schweigen. Niemanden zur Gesellschaft, denn seine Begleiterin ist die Einsamkeit. Niemanden zum Leben, denn sein Handwerk ist der Tod. Martin David (Willem Dafoe) ist Der Jäger, der Julia Leighs Roman seinen Namen gibt und dessen Fährte Daniel Nettheims düsteres Seelendrama The Hunter aufnimmt. Von LIDA BACH

 

Erleuchtung garantiert

Lichtspielhäuser sind für Ron Fricke eine Art Tempel. Sie waren es seiner Aussage nach, als der Filmautor und Kameramann Kind war, und sind es noch heute. Samsara, das visuelle Vexierspiel des Regisseurs von Baraka, den er wie zuvor Chronos mit Mark Magidson realisierte, erkor die Leinwand zum Ort einer filmischen Erfahrung, die mehr theokratischer als kinematischer Natur anmutet. Von LIDA BACH

 

Die Oper des 20. Jahrhunderts schlechthin

Nur zwei Jahrzehnte liegen zwischen der Entstehung des Rosenkavaliers und der Fragment gebliebenen Lulu. Was aber bei der Oper von Richard Strauss irritiert (und manche Fans gerade begeistert), dass Hugo von Hofmannsthal ein völlig anachronistisches Libretto beigesteuert hat, trifft auf Alban Bergs zweite Oper nicht zu: Hier haben mit Wedekinds Stück, das er aus seinem Erdgeist und der Büchse der Pandora kombiniert hat, und der Komposition des Schönberg-Schülers zwei Kunstformen zusammengefunden, die auf der Höhe der Zeit standen und bis heute den Anspruch der Modernität bewahrt haben. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Komik der Gesten

Der Begriff „Kino“ wurde aus dem griechischen Wort für „Bewegung“ gebildet. Das Kino war, ehe es literarisiert wurde, in erster Linie ein Medium der Bewegung. Das bewegte Bild war der Köder für die Zuschauer. Das hatte das Kino, reproduzierbar, den anderen Künsten voraus. Als „Kunst“ im engeren Sinne etablierte es sich erst später. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Schau unter dein Bett!

Nach den bekannten Horrorfilmen [REC] und [REC]² stopft der spanische Regisseur Jaume Balagueró das Böse nicht in kreischende Zombies, sondern in einen unauffälligen Hausmeister, dessen Lust am Leid anderer ihn zu abscheulichen Taten treibt. Packt die Putzmittelflaschen in die Schutzkitteltaschen: Hier wurde der Seelenflur eines Psychopaten seit langem nicht gewischt.

 

»Ich bin noch nicht am Ende. Ich fang gerade erst an.«

Zum Filmstart von Ice Age 4 traf sich LIDA BACH mit Otto Waalkes.

 

Karl Böhm in Salzburg

2009 haben wir eine Box mit drei exemplarischen Mozart-Inszenierungen der Salzburger Festspiele besprochen. Nun hat Arthaus Musik diese Kassette neu herausgebracht und dabei Così fan tutte gegen eine Schwarz-Weiß-Aufzeichnung von Figaros Hochzeit aus dem Jahr 1966 ausgetauscht. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Radioactive Nightmares

»Habt ihr schon mal von Tschernobyl gehört?«, fragt Paul (Jonathan Sadowski) seinen Bruder Chris (Jesse McCartney), der ihn mit seiner Verlobten Natalie (Olivia Taylor Dudley) und deren Freundin Amanda (Devine Kelley) in der Ukraine besucht. »Ist das nicht, wo das Nuklearunglück passiert ist?« Ja, ist es und dorthin lockt es die Protagonisten von Brad Parkers rekursivem Realhorror. Die Namen der Touristengruppe, die Michael (Nathan Phillips) und dessen Freundin Zoe (Ingrid Bolsö Berdal) vervollständigen, sind Randnoten in einem Horrormanual, über dem der Name Tschernobyl steht. Von LIDA BACH

 

Zelebrierte Kongenialität

Am 13. Januar 2007 stieß Gerardo Olivares durch einen Zeitungsartikel auf die Thematik verwilderter Kinder. Das klingt erschütternd wie Francois Truffauts L`Enfant sauvage oder geheimnisvoll wie der legendenumwobene Fall Kaspar Hauser. Olivares sah es mehr drollig und abenteuerlich wie die Geschichte Mowglis. Nicht die in Rudyard Kiplings Dschungelbuch, sondern von Walt Disney mit animalischen und anthropomorphen Tieren, lieben und bösen Raubtieren und einer Männergesellschaft, in der Mädchen nur geduldet werden, um an die unbefriedigten Bedürfnisse der rauen Wilden zu erinnern. Von LIDA BACH

 

Nichts zu lachen

»Everybody wants to love, everybody wants to be loved. Lo-o-o-ove, lo-lo-love...« Der Refrain des Anfangssongs ist purer Sadismus. Fröhlich, poppig und unbedarft trällert er das bevorstehende Grauen herbei. Die nächsten 97 Minuten werden noch viel fröhlicher, poppiger und unbedarfter. Solange dauert das filmische Déjà-vu, das Lisa Azuelos dem Publikum beschert. Von LIDA BACH

 

All die schönen Pferde

»Das war eine Möglichkeit, meine Welt und die Philosophie unserer Arbeit für ein hoffentlich breites Publikum zugänglich zu machen. Es gibt bestimmte Wahrheiten, die allgemeingültig sind. Das festzuhalten war meiner Meinung nach eine gute Sache.« Buck Brannamans Antwort auf die Frage, was ihn bewogen habe Cindy Meehls Dokumentarfilm zuzustimmen, gibt eine Ahnung von dem revisionistischen Wertkanon von Buck. Ihn transportiert die zurechtgebogene Biografie des Pferdetrainers Dan »Buck« Brennaman, die ein spezifisches Konzept von Duldsamkeit und Abhärtung in einer privilegierten Weißen vorbehaltenen Western-Welt. Von LIDA BACH

 

Der übliche Hollywoodschund?

In fast schon rührender Unkenntnis der Kinogeschichte erklärte die BILD-Zeitung ihn zum »schweinischsten Film aller Zeiten«. Und Hellmuth Karasek tat im SPIEGEL so, als habe er zum ersten Mal im Leben einen Porno gesehen: »Gebumst, gestöhnt, gewälzt, umklammert, gekeucht und gerammelt wird nicht mehr nur im Schmuddel-Kino um die Ecke, die heiße Ware für schwitzige Hände und glubschige Augen kommt vielmehr in die Gloria-Paläste und auf die Filmfestspiele.« Die Rede war damals, vor zehn Jahren, von Basic Instinct, jenem Film also, in dem Sharon Stone die Beine einmal »schottisch« übereinander schlug. Von STEFAN VOLK

 

Planlos im Weltall

»Ist der eigentlich Zweck von MS One nicht, die Auswirkungen des Weltalls auf den menschlichen Organismus zu testen?« - Exakt das ist der Zweck der Raumstation, der Emilie (Maggie Grace) einen Besuch abstattet. Hauptfaktor des perfiden Experiments ist künstlich erzeugter Schlaf. »Trifft dieses Schicksal auch den Zuschauer?«, fragt LIDA BACH.

 

Schneewittchen im Rampage-Modus

Regisseur Rupert Sanders spickt seinen Debütfilm mit Elementen aus Herr der Ringe und erschafft aus dem Kindermärchen einen düsteren wie auch dreckigen Fantasy- Mutant. Wetzt eure Schwerter und sattelt euer Muli – es geht in die Schlacht. Von VIKTOR RUCHOTZKI

 

Valium im schwarzen Anzug

Die MIB-Filmreihe von Regisseur Barry Sonnenfeld komplettiert sich nun zur Trilogie und tischt dem Zuschauer das Alte vom Vortag nochmal neu auf – nur diesmal in 3D. Lasst euch vom Neuralisator nicht »Blitzdingsen« und setzt hiermit die Schutzsonnenbrille auf. Von VIKTOR RUCHOTZKI

 

Ecce Homo

»Siehe, der Mensch!« - so wird allgemein Ecce Homo übersetzt. Napoleon soll Ähnliches zu Goethe bei deren Begegnung gesagt haben, Nietzsche nannte seine Autobiografie so. Auch Guy-Marc Hinant und Dominique Lohlé bedienen sich bei dem tradierten Spruch als Titel ihres Portraits zum französischen Musikwissenschaftler Célestin Deliège. Von KRISTOFFER CORNILS

 

Verstaubt ohne Ende

Bullenklatschen ist ein irreführender Titel, aber er provoziert – das ließe sich genauso über den Film sagen. Provozierend das Personal: eine Anarcho-Fete. Jedenfalls beginnt es so, und hier wird auch der Mord verübt: an einem Polizeibeamten. Wo genau? In einem gentrifizierten Altbauviertel. Diese Konstellation (Buch: Matthias Herbert) liefert Verdächtige vom Fließband: Pazifisten, Systemgegner, Architekten, Zufallsgäste. Von WOLF SENFF

 

Der neue Schulmädchenreport

»Das wird ein Riesen-Mega-Hammer-Hit!« - Ein Hit waren schon Enid Blytons Serienauftakt über The Twins at St. Clares, ein Riesenhit die deutsche Übersetzung Hanni und Nanni und ein Riesen-Mega-Hit Christine Hartmanns Kinoadaption, mit über einer Millionen Zuschauern. Überbieten kann das nur ein »Riesen-Mega-Hammer-Hit«, den sich Regisseurin Julia von Heinz zu Filmbeginn selbst prophezeit. Von LIDA BACH

 

Der Kaiser der Revolution

Die Geschichte des Films ist, technisch betrachtet, die Geschichte einer permanenten Annäherung an die Wirklichkeitsillusion. Nachdem Ende des 19. Jahrhunderts aus einer Kombination dreier Erfindungen – der Fotografie, des bewegten Bildes durch eine rasche Abfolge von Phasen und der Projektion, der „Laterna magica“ – der Stummfilm geboren war, suchte man sogleich nach Möglichkeiten, den Ton, die Farbe und den Raum hinzuzufügen. Der Ton wurde mit eigenen Apparaten zugespielt, ehe man ihn auf dem Filmmaterial selbst fixieren konnte, die Farbe wurde gelegentlich auf einzelnen Kadern ergänzt, ehe Ende der dreißiger Jahre die Technik des Farbfilms ausgereift war, und für die Raumillusion experimentierte man unter anderem mit vergrößerten Formaten. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Ein Mann für gewisse Stunden

Paris ist eine Hure - und sogar die Huren werden reich. Der Einleitungssatz funkelt gleich einem verruchten Emblem über Declan Donnellans und Nick Ormerods Adaption von Guy De Maupassants zeitloser Aufstiegsgeschichte. Es ist die einzige Lektion, die der junge Titelcharakter nach seiner Rückkehr aus Algerien im Frankreich des fin de siècle verinnerlicht und die einzige, die er für seinen schwindelerregenden Aufstieg braucht. An dessen Anfang ist er Georges Duroy (Robert Pattinson), mittelloser Sohn eines Provinzbauern und gerade vom Armeedienst aus Algerien zurückgekehrt. Nach dessen Gelingen ist er Georges Le Roy de Cantel, einflussreicher Journalist und politischer Aspirant, verheiratet mit der reichsten Partie der Stadt. Vor allem aber ist er Bel Ami. Von LIDA BACH

 

Opake Community

Was bietet sich den besser an, als Avantgarde-Musik und politische Aussage zusammen zu denken? Mit dieser Annahme gingen Guy-Marc Hinant und Dominique Lohlé nach China, um von den interviewten Noise-Künstlerinnen und -Künstlern gehörig enttäuscht zu werden. KRISTOFFER CORNILS über einen Dokumentarfilm, der bravourös scheitert.

 

Es tappert wieder

Das dörfliche Sujet hat Konjunktur. Schuld führt uns in ein bayrisches Dorf, in dem vor über zehn Jahren ein Mord verübt und der Hauptverdächtige freigesprochen wurde. Er soll nun anlässlich seiner Vermählung wieder in die dörfliche Gemeinschaft aufgenommen werden. Doch daraus wird nichts, eine routinemäßige Überprüfung von DNA-Rückständen belastet den Beschuldigten erneut: »Ich glaube, du hast keine Vorstellung davon, was jetzt im Dorf passieren wird – wir sind Aussätzige.« Von WOLF SENFF

 

Oper als Arbeit

Wer ein Theater oder eine Oper besucht, sieht auf der Bühne ein abgeschlossenes Kunstwerk. Nicht zu erahnen ist, wie viel Stunden Arbeit von unzähligen Menschen, von denen sich nur ein kleiner Teil nach der Vorstellung verneigt, zu diesem Ergebnis geführt haben. Unter diesem Gesichtspunkt ist es zu verstehen, wenn die Beteiligten verärgert auf jede negative Kritik reagieren. Sie ist ja auch eine Missachtung der Anstrengungen, die sie investiert haben. In keinem anderen Beruf ist man so sehr der öffentlichen Beurteilung ausgesetzt. Die Kritik kann darauf keine Rücksicht nehmen. Sie hat in der Tat das Resultat zu bewerten, nicht den Weg dorthin. Aber nachvollziehen kann man die Frustration derer, die ihn gegangen sind, schon. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Filmemacher Peter Weiß

Auf der Hülle der DVD steht: »Peter Weiss: Filme«. Auf dem Rücken aber steht: »Peter Weiss: Die Filme«. Das ist irreführend. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Es ist, wie es ist

Diesen Film einen Krimi nennen, das wäre nicht falsch, aber voreilig. Der Mord ereignet sich eine Viertelstunde vor Zapfenstreich, und von Mord bis Aufklärung braucht’s ne halbe Minute. Und Schuld? »Schuld ist immer der, der abdrückt.« Noch Fragen? Weshalb die beiden Ermittler sich überhaupt auf dem Spreewälder Gurkenhof einmieten, nicht einmal das ist lückenlos begründbar; es ist die sympathisch intuitive Frei-nach-Schnauze-Haltung, mit der Horst Krause uns bereits in Schulze gets the blues verblüffte. Von WOLF SENFF

 

Wolfsblut

Der Plot von Joe Carnahans stringentem Thriller ist karg, geradezu primitiv. Keine synthetische Konstruktion, sondern ein zerklüfteter Auswuchs der Landschaft, als deren Teil er sich vor dem Zuschauer erstreckt: kalt, verachtungsvoll und tödlich. Gleiches sind auch die dominanten Eigenschaften von John Ottway (Liam Neeson), der in der lebensfeindlichen Einsamkeit von Alaska das Spiegelbild seiner eigenen Seele erblickt, unfähig es als solches zu erkennen. Von LIDA BACH

 

Ihr Einsatz, bitte!

Zählten in unserer Kultur literarische mehr als militärische Siege und Niederlagen, fiele einem zum Stichwort »deutsch-russische Beziehungen« Wiesbaden, nicht Stalingrad ein. Denn hier hat Dostojewski im Casino sein Geld verspielt und anschließend seinen Roman Der Spieler diktiert.

 

Bestie Mensch

»Beautiful people get it better«, weiß Kyle Kingson. Weil er gut aussieht, wird er von seinen Mitschülern an der High-School angehimmelt. Weil Kingfather alias Mr. Kingson gut aussieht, ist er erfolgreich und kann seinem Thronsohn ein astronomisches Taschengeld zahlen. Weil er gut aussieht, spielt der talentlose Alex Pettyfer die Hauptrolle in Beastly. Weil gutes Aussehen im Kino besser ankommt, inszeniert Daniel Barnz seine Teenie-Romanze in Hochglanzschönheit. LIDA BACH fand die Märchenverfilmung dennoch hässlich.

 

Sexy Beast

»Es war einmal« heißt die vielleicht schönste Verfilmung von Die Schöne und das Biest. Und es war einmal ein Königreich, worin alles makellos war. Nur einer war äußerlich rauer, weshalb er als besonders galt. Darunter jedoch glich er den anderen. Er versteckte es nur geschickter. Die Geschichte ist die von Walt Disneys Beauty and the Beast. LIDA BACH suchte innere Werte unter der optischen Schönheit.

 

Wunschtraum oder Horrorvision?

Der Traum vom menschlichen Automaten, vom Maschinenmenschen begleitet die Menschheit durch ihre Geschichte. Er hat die künstlerische und wissenschaftliche Fantasie seit je beflügelt und hat mit den Möglichkeiten der technischen Realisierung an Intensität und Vielfalt zugenommen. Meist löst er negative Vorstellungen aus – Ängste, Befürchtungen, und das mit guten Gründen. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Neun Monate Brechreiz

»Nein, das ist eine Ikone der Feiertagskultur!« Doch! Pünktlich zum Osterfest legt Tim Hill ein richtig faules Filmei ins Kino. Einen saisonalen Auftritt der Chipmunks erspart der Regisseur deren Kinoabenteuers dem Zielpublikum. Stattdessen inszeniert er in dem grellen Familienfilm HOP – Osterhase oder Superstar? einen ungenierten Abklatsch des altbekannten Plots um animierte musizierende Tierchen, die zur Verblüffung der Realprotagonisten sprechen können. LIDA BACH begibt sich auf die cineastische Ostereiersuche.

Der Meister und Mickey Mouse

So gut wie pleite war der junge Animationsfilm-Produzent. Sämtliche Zeichner bis auf einen hatte ein Konkurrenzstudio dem jungen Produzenten abgeworben. Nun saß der aufstrebende Filmemacher so gut wie pleite im Zug von Manhattan nach Hollywood. Ausgerechnet hier fand er seinen engsten Verbündeten. »Mortimer« stellte sich der Retter in der Not vor. Doch wie es unter Freunden so ist, nannte der junge Produzent ihn Mickey. Von LIDA BACH.

The Wolf at the Door

Mickey Maus war der Star der Anfangszeit. Aber er war zu nett. Jack Hanna, der selbst für die Disney-Studios zeichnete, wusste es. Bis 1933 hatte die Maus gut gebrüllt. Nun schlug die Stunde des Schweins. Zugegeben, sie waren in der Überzahl. Three little Pigs gegen eine Maus. Und die Moral fletscht die Zähne vor dem Haus. »Who´s afraid of the big bad Walt?«, fragt LIDA BACH.

 

»Gott schaute weg. Immer wieder.«

Von der Premiere am 16. November 2009 gelangte Jan Schmitts Dokumentarfilm Wenn einer von uns stirbt, geh ich nach Paris bis auf das Filmfestival »This Human World« 2010. Aufgrund der großen Nachfrage steht nun der DVD-Start bevor. Heute wird Schmitts Dokumentation in Hamburg in einer Sonderaufführung gezeigt. LIDA BACH ließ sich von der Tatsachengeschichte bewegen.

 

Kälte in Missouri

Es ist eine große Verantwortung, die Ree tragen muss. Gemeinsam mit ihren beiden jungen Geschwistern und der schwer kranken Mutter lebt die 17-jährige in Missouri, im mittleren Westen der USA. Die Familie hat finanzielle Sorgen, das Essen ist oft knapp. Ree bringt ihrem 12-jährigen Bruder das Schießen bei, bald soll er helfen, sich um das Essen zu kümmern. von SEBASTIAN WANNER

 

Stumme Schreie

Fast jeder hat von Ingmar Bergmans meistanalysierten Werk gehört, fast jeder kennt Bilder daraus, wie jenes, auf dem Liv Ullmann ihre Hand auf Bibi Anderssons Haupt legt. Wenige jedoch haben das komplette, lange nur zensiert aufgeführte Werk, gesehen. Die Ingmar-Bergman-Ausstellung der Deutschen Kinemathek lädt ein, den Meilenstein des psychologischen Films im Kino zu betrachten. LIDA BACH ist der Einladung gefolgt.

 

Andere Stimmen, andere Räume

Der Spiegel hat zwei Seiten. Das Wirkliche ist auch unwirklich. Das Gleiche ist auch gegensätzlich. Das Eingebildete ist real. Was klar scheint, ist verzerrt. Was verzerrt ist, ist klar. Die Wahrheit ist ein Wahnbild, und Wahn ist Wahrheit. »Ich bin in der einen Welt und dann in der anderen«, sagt Karin. Wie in einem Spiegel sehen Ingmar Bergmanns Figuren die Welt. LIDA BACH folgte ihrem Blick anlässlich der Ingmar-Bergmann-Ausstellung.

 

Bescheidenheit ist eine Zier ...

Der deutsche Verleihtitel deutet nur an, was Francois Ozon im Originaltitel seiner Komödie vereint. Eine pompöse Vase, Aushängeschild, Zierfigur oder einen Popanz kann das französische Potiche bezeichnen. LIDA BACH sah die Kinoadaption des Theaterstücks von Barillet & Gredy.

 

Film mit sieben Siegeln

Sieben auf einen Streich. Tot. Keine ist ihm entkommen. Keine der Seelen, die der Sensenmann an einem Strick hinter sich führt. Diese makabere Prozession wandelt über einen Hügelkamm, als würde sie tanzen. Doch der Spielmann, der sie beobachtet, bleibt stumm. Ob er staunen, weinen oder über das Zerrbild lachen soll, weiß er kaum. Nur nach Frohsinn ist dem Schausteller nicht ... - Die Retrospektive der BERLINALE öffnete Das Siebente Siegel Ingmar Bergmanns. LIDA BACH war dabei.

 

Hoffnung, Würde, Wut

Mit der Dokumentarfilm-Collage The Green Wave setzt der deutsch-iranische Regisseur Ali Samadi Ahadi der Protestbewegung im Iran von 2009 ein eindringliches und erschütterndes filmisches Denkmal. Von ANNA-LENA KRÄMER

 

Bittersüßer Vogel Jugend

»My Name ist Sweetness, don´t underestimate the Petiteness.« Ihre Wut schreit Sweetness in sich hinein, bis die Wut sich aufbäumt und mit aller Macht ausbricht, LIDA BACH hat Victoria Mahoneys zorniges Coming-of-Age-Drama gesehen.

 

Das Erbe des Blutes

Die Steine solle er besser beachten, warnt Sokol (Veton Osmani) den Nachbarsohn Nik (Tristan Halilaj). Eines Tages könnten sie sonst gegen ihn geworfen werden. Jener Tag kommt früher als erwartet für den 17-jährigen Schüler, der mit seiner jüngeren Schwester Rudina (Sindi Lacej) im ländlichen Albanien aufwächst. Wann immer sie mit dem maroden Pferdekarren an Sokols Land vorüber fahren, tragen Nik und sein Vater Mark (Refet Abazi) dessen Marksteine vom Weg ... Von LIDA BACH

 

Kju en Ej

Am Berliner Ensemble hat Thomas Bernhards Einfach kompliziert Premiere. Gert Voss führt vor, was große Schauspielkunst auf der Bühne bedeuten kann. Von  THOMAS ROTHSCHILD

 

Wenn das die Mami wüsste ...

Rote Lippen soll man küssen. Bitterböses Rot trägt Inam (Nataly Attiya) auf ihren sündigen Lippen. Die braven Zöpfe und die Schuluniform trügen. Nach der letzten Stunde knöpft Inam die züchtig geschlossene Bluse auf und lässt Männerhände die schwellenden Brüste berühren ... Von LIDA BACH

 

Und jeder sucht sein Kätzchen ...

Die Welt ist falsch. Am Himmel scheint die Sonne, doch die Seele ist düster. Der Titel ist falsch. Saranghanda, Saranghaji Anneunda - Kommt Regen, kommt Sonnenschein. Dabei ist es umgekehrt. Zuerst herrscht Sonnenschein, dann regnet es, regnet ohne Unterlass. Come rain, come shine spricht von der Hoffnung auf einen Lichtblick. Doch vielleicht kommt er nie, und der Regen wird fortdauern bis zum bitteren, bitteren Schluss. Das Leben ist falsch. Vielleicht sind auch die Menschen falsch, denen es gehört. Von LIDA BACH

 

An einem Samstag im April

»Ein gewöhnlicher Samstag«, sagt der örtliche Parteisekretär (Aleksej Shljamin). Valery (Anton Shagin) ist noch außer Atem. Er ist den ganzen Weg hierher gerannt. Der Parteisekretär findet das komisch. Alles sei doch sicher. Absolut fehlerfrei. Es kann gar nichts passieren. Und Feuer auf dem Dach des Kraftwerks gab es in der Vergangenheit auch schon. Von LIDA BACH

 

Die Firma

Die Maschinerie läuft wie geschmiert, geölt von den menschlichen Ressourcen in ihrem Inneren. Ein namenloser Konzernriese, dessen Adern Flure und dessen Zellen Büroräume sind. Darin brennt die Energie eines menschlichen Geistes, der koordiniert, kalkuliert, kontrolliert – bis er irgendwann einen Fehler findet. Ein winziger Stein, der ins Rollen gerät, und nach dem Schneeballsystem zu einer Lawine wächst, die den ganzen Konzern in den Abgrund reißen kann. Von LIDA BACH

 

Türkisch für Anfänger

Zu Hause ist es am schönsten. Woanders sprechen sie komisch, essen merkwürdige Sachen und haben seltsame Angewohnheiten. Wenn man die Toilette nicht vorsorglich putzt, wird man womöglich krank, und ob die Einheimischen einen dort überhaupt akzeptieren, weiß man nie ... Von LIDA BACH

 

The Big Sleep

Manchmal gebührt während der Berlinale der Preis nicht dem Filmschaffenden, sondern den Kritikern, die sein Werk durchstehen. Ein solcher Fall ist Ulrich Köhlers Wettbewerbsbeitrag. Früh um 9 begann die Pressevorführung zu dem psychologisch-metaphysisch verbrämten Drama, an dem der Titel Schlafkrankheit das einzig Gelungene scheint.

 

Dunkler Sieg

»Mein Vater verkauft Vorhänge, meine Mutter ist Hausfrau.« In der neuen Schule beschreibt die kleine Ceci (Paula Galinelli Hertzog) ihr Zuhause, wie es ihr die Mutter (Sharron Herrera) aufgetragen hat. Manchmal muss sie dabei kichern. In Wahrheit ist ihr Vater kein Händler in Buenos Aires ... Von LIDA BACH

 

Rote Karte für die Freiheit

Endspiel. Der Sieger wird in der WM antreten. Bis in die alles entscheidende Qualifikationsrunde hat es die Landesmannschaft geschafft. Der Bus zum Fußballstadion ist vollgestopft mit Fans. Überall Wachleute und Kontrollposten. Das Ticket beim Schwarzmarkthändler kostet natürlich mehr. Wenn der Kauf auffliegt, wird für die Stadionkarte ein weit höherer Preis zu zahlen sein. Fußball ist unser Leben, denken sich die sportbegeisterten Fans. Und Fußball kann sie um das Leben bringen. Von LIDA BACH

... bis sie dann gestorben sind.

Wenn Comics sich klassischen Märchenmotiven widmen, dann tun sie das meist in Form einer eher überzogenen Parodie. Selbst wenn sich dahinter so viel Sophistication verbirgt wie hinter ...

Petraeus und sein Stab

Die menschliche Existenz ist voll von Paradoxa. Krieg etwa gehört zu den schlimmsten Dingen, die Menschen einander antun können; die Ausführenden des Kriegs allerdings, das ...

Musik in Schwarz-Weiß

Noch ein paar Tipps für die Tage in denen Stimmung und Landschaft sich den Grau-Tönen nähern und die richtige Musik dabei hilft, ruhige Momente zu ...

10 Gründe, Engelmann zu lieben

Aufgelistet von BRIGITTE HELBLING

Der Spielplatz macht zu

Nach drei Ausgaben wird das Games-iPad-Magazin Spielplatz wieder eingestellt. Was dahinter steckt, wollte RUDOLF INDERST im Gespräch mit den beiden Machern Henning Ohlsen und Mark ...