TITEL kulturmagazin
Freitag, 24. Februar 2017 | 18:08

 

Psychothriller mit doppeltem Deutungsboden

Alles beginnt ganz harmlos. Mit einem Schulaufsatz, in dem der französische Oberstufenschüler Claude (Ernst Umhauer) von einem Besuch im Haus seines Klassenkameraden Rapha berichtet. Claude, der offenbar aus schwierigen Verhältnissen stammt, macht sich zwischen den Zeilen lustig über das biedere Mittelstandsidyll, in dem der Mitschüler mit seinen Eltern lebt. Aber auch die Sehnsucht, dazu zu gehören, schwingt in der Geschichte mit. Sie endet mit den Worten »à suivre« (»Fortsetzung folgt«). Von STEFAN VOLK

 

Vor den »Kindern des Olymp«

Ein Mann, eine Frau und ein Hund entfernen sich nach hinten in die öde Landschaft eines Hafens. Es sind Bilder wie dieses, die die Magie einer Filmkunst prägen, die nahezu ausgestorben und fast vergessen ist. Das Primat der Aktion, der aggressiven Bewegung hat, was man Atmosphäre nannte, verdrängt. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

»Jedes Leben berührt ein anderes«

Ist DAS sein ernst? Hans Ulrich Pönack, Filmkritiker des Sat 1. Frühstücksfernsehen zerreißt Cloud Atlas. Differenzierte Analyse? Fehlanzeige! Ein solch einflussreicher Meinungsführer wie er sollte sich dieser »Daumen hoch, Daumen runter«-Attitüde eines römischen Diktators verweigern. Willkürliche Täuschung? Fehlendes Filmverständnis? Beides trifft zumindest ansatzweise zu. Ein anderer Blick auf Cloud Atlas: Von VIKTOR RUCHOTZKI

 

Wie zu leben sei

Die Hofer Filmtage, die in diesem Jahr zum 46. Mal in der oberfränkischen Provinzmetropole stattfanden, verdanken sich von Anfang an der Film- & Kinopassion ihres 1941 geborenen Gründers & Leiters Heinz Badewitz. Dem heute 61 jährigen Michael Kötz, der seit 1992 die 1952 gegründete Mannheimer Filmwoche leitet & das Festival im Laufe seiner Direktorenzeit schon mehrfach umgekrempelt hat, ist es in diesem 61. Jahr der von Kötz neben Mannheim auch nach Heidelberg zu einem »Regionenfestival« erweiterten »Internationalen Filmwoche« gelungen, ganz auf sich zu zentrieren. Von WOLFRAM SCHÜTTE

 

Zuschauen & Zuhören

Natürlich ist jedes Filmfestival zuerst einmal ein Lokalereignis. Das trifft auch auf die Hofer Filmtage zu, die heuer zum 46. Mal & immer noch unter der »Oberhoheit« ihres Gründers – des 1940 geborenen, graupilzköpfigen Heinz Badewitz – jeweils in der letzten Oktoberwoche in der Oberpfälzer Metropole in 8 Kinos stattfinden. Das Event zieht noch immer sein Publikum aus Stadt & Umland an. Für rund eine Woche steht alles in Hof im Zeichen der trotz vorübergehenden Schneeregens gut besuchten Veranstaltung. Wo immer man in ein Hofer Schaufenster schaut, blickt einem das Plakat des allgegenwärtigen Festivals entgegen. Von WOLFRAM SCHÜTTE

 

Frauen sind subtilere Filter

Gesundheitlich schon stark angeschlagen stand der bisweilen exzentrische Star-Regisseur Michelangelo Antonioni vor fünf Jahren bei den Filmfestspielen in Venedig noch einmal im Mittelpunkt. Seinem gigantischen Werk war die Retrospektive gewidmet. In der Nähe des Flughafens fand ihm zu Ehren ein Festmahl mit annähernd 1000 geladenen Gästen statt, und die Verleihung des Ehrenlöwen geriet zur unfreiwilligen Komödie, als Festivalchef Moritz de Hadeln - viele Jahre Chef der Berlinale - bei der Übergabe vom »Bären« sprach.  Von PETER MOHR

 

 

Differenzierte Erinnerung

Je weiter sich die Realität der DDR in die Vergangenheit entfernt, desto grobschlächtiger werden die Klischees, die sich mit ihr verbinden – sofern, bei jungen Leuten, überhaupt noch Vorstellungen von dem zweiten deutschen Staat vorhanden sind. Für viele ist er so exotisch wie Atlantis oder Karthago. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Apokalypse surreal

Wir werden uns an der Diskussion nicht beteiligen, ob György Ligeti der bedeutendste Komponist nach 1945 ist oder nur der zweit- oder vielleicht gar nur der drittbedeutendste. Soviel aber kann man mit Gewissheit behaupten: Seine Oper Le Grand Macabre, die  1978 uraufgeführt und 1996 umgearbeitet wurde, steht wie ein Monolith in der Geschichte des neueren Musiktheaters. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Kunst und Technik

Am Anfang der Filmgeschichte standen zwei Gattungen, die seither längst vom abendfüllenden Spielfilm an den Rand gedrängt wurden: der Dokumentarfilm und der Trickfilm. Die Brüder Lumière benutzten die neue Erfindung, um Szenen aus der Wirklichkeit festzuhalten: einen in eine Station einfahrenden Zug, Arbeiterinnen, die eine Fabrik verlassen. Dass schon damals »geschwindelt«, Szenen gestellt wurden, ist mittlerweile bekannt. Im Prinzip aber folgten die Lumières dem Anspruch der Fotografie, der sie die Bewegung hinzufügten. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Eindrucksvolles Leinwandcomeback

Nach mehr als zehn Jahren gelingt Leos Carax mit Holy Motors ein schillerndes, groteskes und ausgesprochen sinnliches Verwirrstück über das Kino und das Leben. Von STEFAN VOLK

 

Der junge Mann und der Suff

Wenn die Namen Johnny Depp und Hunter S. Thompson in einem Satz fallen, denkt die Mehrzahl der Filmfreunde vermutlich sofort an Terry Gilliams schräges Roadmovie Fear and Loathing in Las Vegas. Dass den stilbildenden Journalisten und Schriftsteller Thompson bis zu seinem Suizid 2005 auch eine enge Freundschaft mit Depp verband, wissen dagegen wohl die wenigsten. Von DANIEL APPEL

 

Kleiner Mann ganz groß

»Es gibt zwei Dinge, an die ich ständig denke: Sex und Tod. Und je mehr ich daran denke, desto reicher wird mein Tag«, hatte der Schauspieler Dustin Hoffman vor fünf Jahren in einem Interview erklärt. Jener große Darsteller, der seine Anfänge im Rückblick gerne als Bohème-Existenz deutet (das hieß schlicht, dagegen zu sein, deinen Lebensunterhalt auf ehrliche Art zu verdienen) und der dem gängigen Klischee vom Hollywood-Star, vom gutaussehenden, stets lächelnden Liebling der weiblichen Fans tatsächlich nie entsprach. Der kleinwüchsige Sohn eines film- und theaterbegeisterten Möbeldesigners hat seine fehlende Ausstrahlung (oftmals zum Leidwesen seiner Regisseure) mit einem beinahe manischen Drang zur Perfektion kompensiert. Von PETER MOHR

 

Die andere Kammerzofe

1964 kam Luis Bunuels Tagebuch einer Kammerzofe in die Kinos, das nicht zuletzt wegen Jeanne Moreau in der Titelrolle zu einem großen Erfolg wurde. Der Film basiert, sehr frei, auf dem gleichnamigen Roman von Octave Mirbeau, der 1900 erschienen ist. 18 Jahre vor Bunuel gab es bereits eine Verfilmung des Stoffes, und ihr Regisseur war kein Geringerer als Jean Renoir. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Zeit der Wunder

Ingmar Bergman und Andrej Tarkowski sind selbst in unseren geschichtsvergessenen Zeiten wenigstens dem Namen nach noch im öffentlichen Bewusstsein. Für Carl Theodor Dreyer gilt das nicht. Einer der bedeutendsten Regisseure der Filmgeschichte ist praktisch  unbekannt, und selbst Liebhaber der Filmkunst wissen in der Regel allenfalls, dass Dreyer in seiner Passion de Jeanne d'Arc fast ausschließlich mit Großaufnahmen gearbeitet hat. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Wahrhaftig großes Theater

Besucher der Seebühne bei den Bregenzer Festspielen oder der Arena von Verona schwärmen von den überdimensionalen Bühnenbildern. Offenbar entspricht Gigantomanie weit über die charakteristische Ästhetik totalitärer Systeme hinaus dem Schönheitsverständnis vieler Menschen. Sie schauen gerne auf, nach oben. Sie machen sich klein, indem sie sich der Protz- und Imponiergebärde des phallisch Hochragenden, sei es ein Wolkenkratzer, ein Turm oder eben ein Bühnenbild, unterordnen. Mit großem Theater freilich hat das nichts zu tun. Großes Theater definiert sich nicht architektonisch, sondern durch seine Stoffe. Die Shakespeares und die Atriden der Ariane Mnouchkine waren großes Theater, gewiss wegen der Regie, wegen des Ensembles, aber auch wegen der zeitlosen Universalität der literarischen Vorlagen. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Die Oper des 20. Jahrhunderts schlechthin

Nur zwei Jahrzehnte liegen zwischen der Entstehung des Rosenkavaliers und der Fragment gebliebenen Lulu. Was aber bei der Oper von Richard Strauss irritiert (und manche Fans gerade begeistert), dass Hugo von Hofmannsthal ein völlig anachronistisches Libretto beigesteuert hat, trifft auf Alban Bergs zweite Oper nicht zu: Hier haben mit Wedekinds Stück, das er aus seinem Erdgeist und der Büchse der Pandora kombiniert hat, und der Komposition des Schönberg-Schülers zwei Kunstformen zusammengefunden, die auf der Höhe der Zeit standen und bis heute den Anspruch der Modernität bewahrt haben. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Komik der Gesten

Der Begriff „Kino“ wurde aus dem griechischen Wort für „Bewegung“ gebildet. Das Kino war, ehe es literarisiert wurde, in erster Linie ein Medium der Bewegung. Das bewegte Bild war der Köder für die Zuschauer. Das hatte das Kino, reproduzierbar, den anderen Künsten voraus. Als „Kunst“ im engeren Sinne etablierte es sich erst später. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Schau unter dein Bett!

Nach den bekannten Horrorfilmen [REC] und [REC]² stopft der spanische Regisseur Jaume Balagueró das Böse nicht in kreischende Zombies, sondern in einen unauffälligen Hausmeister, dessen Lust am Leid anderer ihn zu abscheulichen Taten treibt. Packt die Putzmittelflaschen in die Schutzkitteltaschen: Hier wurde der Seelenflur eines Psychopaten seit langem nicht gewischt.

 

Karl Böhm in Salzburg

2009 haben wir eine Box mit drei exemplarischen Mozart-Inszenierungen der Salzburger Festspiele besprochen. Nun hat Arthaus Musik diese Kassette neu herausgebracht und dabei Così fan tutte gegen eine Schwarz-Weiß-Aufzeichnung von Figaros Hochzeit aus dem Jahr 1966 ausgetauscht. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Der übliche Hollywoodschund?

In fast schon rührender Unkenntnis der Kinogeschichte erklärte die BILD-Zeitung ihn zum »schweinischsten Film aller Zeiten«. Und Hellmuth Karasek tat im SPIEGEL so, als habe er zum ersten Mal im Leben einen Porno gesehen: »Gebumst, gestöhnt, gewälzt, umklammert, gekeucht und gerammelt wird nicht mehr nur im Schmuddel-Kino um die Ecke, die heiße Ware für schwitzige Hände und glubschige Augen kommt vielmehr in die Gloria-Paläste und auf die Filmfestspiele.« Die Rede war damals, vor zehn Jahren, von Basic Instinct, jenem Film also, in dem Sharon Stone die Beine einmal »schottisch« übereinander schlug. Von STEFAN VOLK

 

Schneewittchen im Rampage-Modus

Regisseur Rupert Sanders spickt seinen Debütfilm mit Elementen aus Herr der Ringe und erschafft aus dem Kindermärchen einen düsteren wie auch dreckigen Fantasy- Mutant. Wetzt eure Schwerter und sattelt euer Muli – es geht in die Schlacht. Von VIKTOR RUCHOTZKI

 

Valium im schwarzen Anzug

Die MIB-Filmreihe von Regisseur Barry Sonnenfeld komplettiert sich nun zur Trilogie und tischt dem Zuschauer das Alte vom Vortag nochmal neu auf – nur diesmal in 3D. Lasst euch vom Neuralisator nicht »Blitzdingsen« und setzt hiermit die Schutzsonnenbrille auf. Von VIKTOR RUCHOTZKI

 

Ecce Homo

»Siehe, der Mensch!« - so wird allgemein Ecce Homo übersetzt. Napoleon soll Ähnliches zu Goethe bei deren Begegnung gesagt haben, Nietzsche nannte seine Autobiografie so. Auch Guy-Marc Hinant und Dominique Lohlé bedienen sich bei dem tradierten Spruch als Titel ihres Portraits zum französischen Musikwissenschaftler Célestin Deliège. Von KRISTOFFER CORNILS

 

Verstaubt ohne Ende

Bullenklatschen ist ein irreführender Titel, aber er provoziert – das ließe sich genauso über den Film sagen. Provozierend das Personal: eine Anarcho-Fete. Jedenfalls beginnt es so, und hier wird auch der Mord verübt: an einem Polizeibeamten. Wo genau? In einem gentrifizierten Altbauviertel. Diese Konstellation (Buch: Matthias Herbert) liefert Verdächtige vom Fließband: Pazifisten, Systemgegner, Architekten, Zufallsgäste. Von WOLF SENFF

 

Der Kaiser der Revolution

Die Geschichte des Films ist, technisch betrachtet, die Geschichte einer permanenten Annäherung an die Wirklichkeitsillusion. Nachdem Ende des 19. Jahrhunderts aus einer Kombination dreier Erfindungen – der Fotografie, des bewegten Bildes durch eine rasche Abfolge von Phasen und der Projektion, der „Laterna magica“ – der Stummfilm geboren war, suchte man sogleich nach Möglichkeiten, den Ton, die Farbe und den Raum hinzuzufügen. Der Ton wurde mit eigenen Apparaten zugespielt, ehe man ihn auf dem Filmmaterial selbst fixieren konnte, die Farbe wurde gelegentlich auf einzelnen Kadern ergänzt, ehe Ende der dreißiger Jahre die Technik des Farbfilms ausgereift war, und für die Raumillusion experimentierte man unter anderem mit vergrößerten Formaten. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Opake Community

Was bietet sich den besser an, als Avantgarde-Musik und politische Aussage zusammen zu denken? Mit dieser Annahme gingen Guy-Marc Hinant und Dominique Lohlé nach China, um von den interviewten Noise-Künstlerinnen und -Künstlern gehörig enttäuscht zu werden. KRISTOFFER CORNILS über einen Dokumentarfilm, der bravourös scheitert.

 

Es tappert wieder

Das dörfliche Sujet hat Konjunktur. Schuld führt uns in ein bayrisches Dorf, in dem vor über zehn Jahren ein Mord verübt und der Hauptverdächtige freigesprochen wurde. Er soll nun anlässlich seiner Vermählung wieder in die dörfliche Gemeinschaft aufgenommen werden. Doch daraus wird nichts, eine routinemäßige Überprüfung von DNA-Rückständen belastet den Beschuldigten erneut: »Ich glaube, du hast keine Vorstellung davon, was jetzt im Dorf passieren wird – wir sind Aussätzige.« Von WOLF SENFF

 

Oper als Arbeit

Wer ein Theater oder eine Oper besucht, sieht auf der Bühne ein abgeschlossenes Kunstwerk. Nicht zu erahnen ist, wie viel Stunden Arbeit von unzähligen Menschen, von denen sich nur ein kleiner Teil nach der Vorstellung verneigt, zu diesem Ergebnis geführt haben. Unter diesem Gesichtspunkt ist es zu verstehen, wenn die Beteiligten verärgert auf jede negative Kritik reagieren. Sie ist ja auch eine Missachtung der Anstrengungen, die sie investiert haben. In keinem anderen Beruf ist man so sehr der öffentlichen Beurteilung ausgesetzt. Die Kritik kann darauf keine Rücksicht nehmen. Sie hat in der Tat das Resultat zu bewerten, nicht den Weg dorthin. Aber nachvollziehen kann man die Frustration derer, die ihn gegangen sind, schon. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Filmemacher Peter Weiß

Auf der Hülle der DVD steht: »Peter Weiss: Filme«. Auf dem Rücken aber steht: »Peter Weiss: Die Filme«. Das ist irreführend. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Es ist, wie es ist

Diesen Film einen Krimi nennen, das wäre nicht falsch, aber voreilig. Der Mord ereignet sich eine Viertelstunde vor Zapfenstreich, und von Mord bis Aufklärung braucht’s ne halbe Minute. Und Schuld? »Schuld ist immer der, der abdrückt.« Noch Fragen? Weshalb die beiden Ermittler sich überhaupt auf dem Spreewälder Gurkenhof einmieten, nicht einmal das ist lückenlos begründbar; es ist die sympathisch intuitive Frei-nach-Schnauze-Haltung, mit der Horst Krause uns bereits in Schulze gets the blues verblüffte. Von WOLF SENFF

 

Ewig jung

Es gibt Leute, die bemängeln, dass der Regisseur Christoph Marthaler immer dasselbe mache. Das mag seine Berechtigung haben. Aber was er da immer wieder macht, ist so faszinierend, so anregend, dass sich seine Fans daran nicht sattsehen können. Marthaler ist ohne Zweifel ein Regisseur mit einer unverwechselbaren Handschrift, imitiert zwar, aber so intelligent und künstlerisch sensibel, dass auch die schwächeren Arbeiten für das Sprech- oder das Musiktheater, was bei Marthaler nicht immer unterscheidbar ist, zum Interessantesten gehören, was die Bühne der Gegenwart zu bieten hat. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Mariss Jansons besiegt Stefan Herheim im Duell

Tschaikowskis Eugen Onegin gehört zum festen Repertoire der Opernhäuser. In den vergangenen Jahren konnten zwei so unterschiedliche Inszenierungen wie die von Achim Freyer in Berlin und von Andrea Breth in Salzburg die anhaltende Wirkung dieses Bühnenwerks bestätigen. In Amsterdam hat der deutlich jüngere Norweger Stefan Herheim sich seiner angenommen. Herheim ist für seine enigmatischen Inszenierungen bekannt und nicht unumstritten. Er neigt dazu, sich mehr zu denken, als er szenisch zu vermitteln mag. Ohne Erläuterungen ist das Publikum bei ihm oft ratlos. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Ein Dokument des Exils

Es gibt eine bemerkenswerte Diskrepanz zwischen der verlautbarten Empfindlichkeit, mit der man in Deutschland – zuletzt im Zusammenhang mit dem skandalisierten »Gedicht« von Günter Grass – auf Kritik an Israel reagiert, und der historischen Tatsache, dass man nach 1945 in Deutschland ebenso wenig wie in Österreich daran interessiert war oder gar dazu beigetragen hätte, dass die von den Nationalsozialisten ins Exil gejagten Juden, die den Holocaust überlebt hatten, in ihre Heimat zurückkehren. Man wollte sie, um es unverblümt zu sagen, hier nicht haben. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Am Ende kommen Touristen

Mit Endstation der Sehnsüchte, einem Dokumentarfilm über ein deutsches Dorf in Südkorea, drehte Regisseurin Sung-Hyong Cho drei Jahre nach ihrem Überraschungshit Full Metal Village erneut einen Heimatfilm der etwas anderen Art, der nun auf DVD vorliegt. Von FALK STRAUB

 

Selbstbewusste Mädels, zickige Züge

Auf einem stillgelegten Industriegelände in Halle wird ein junger Mann tot aufgefunden, der dort nicht ermordet wurde. Er war - wie sich bald herausstellt - in allerlei Machenschaften verstrickt. Ein Luftikus, immer gut für ein Projekt auf Wolke Sieben, und nicht immer im Rahmen der Gesetze. Doch was soll man tun, wenn man der geliebten Frau ein Hotel aufgeschwatzt hat? Und gern macht er sich zunutze, dass er von zwei Frauen angehimmelt wird. Das ist der Stoff, aus dem der POLIZEIRUF wächst ... Von WOLF SENFF

 

Dokumentarfilm als Einmischung

Unsere Medienwelt verleitet zur Selbstdarstellung. Der Typus ist allgegenwärtig: Jeder kennt ihn, er kommt regelmäßig in den Tratschkolumnen vor, er scheint wichtig, weil man von ihm redet, aber das Werk, das ihm eigentlich Bedeutung verleihen sollte, ist kaum der Rede wert. Bei Hans-Dieter Grabe ist es umgekehrt. Er macht nicht viel Aufhebens um seine Person. Er ist ein Stiller. Umso bemerkenswerter sind seine Filme. Sie gehören zum Besten, was im Bereich des deutschen Dokumentarfilms entstanden ist. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Von der Magie der Großaufnahme

Als Werner Herzog einmal die Filmakademie in Ludwigsburg besuchte, wurde er von den Studenten gefragt, was sein Lieblingsfilm sei. Er antwortete: La Passion de Jeanne d'Arc. Es stellte sich heraus, dass keiner der Studenten – angehende Regisseure, Kameraleute, Produzenten – diesen Film kannte, dass keinem auch nur der Name seines dänischen Regisseurs Carl Theodor Dreyer vertraut war. Das ist ungefähr so, als wolle jemand Komponist werden, der noch nie die Jupiter-Synfonie gehört, als wolle jemand Schriftsteller werden, dem der Faust terra incognita ist. Dreyers Film von 1928 ist einer der Meilensteine der Filmgeschichte, eins der maßstabbildenden Werke wie Panzerkreuzer Potemkin oder Citizen Kane, und es gehört, weit über die Filmkunst hinaus, zu den Höchstleistungen der europäischen Kultur. Gäbe es in der Schule einen Unterricht, der diesen Namen verdient, müsste er unverzichtbarer Teil der Allgemeinbildung sein, mehr noch als Schillers Jungfrau von Orleans oder George Bernard Shaws Saint Joan, die ihrem Autor immerhin den Nobelpreis einbrachte. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Einfältig und abstoßend

In diesem Streifen rechnet sich der Ermittler noch halb zum Milieu und bringt zügelloses Leben in die Fahndungsabläufe. Alexander Bukow (Charly Hübner) war selbst kriminell, bevor er die Beamtenlaufbahn einschlug, und ist noch nicht wirklich zivilisiert. Der Einstieg: Ein Gefangenentransporter wird am hellen Tag von zwei Männern in Polizeiuniform überfallen, die den Gefangenen Kevin Schulz, der in zwei Wochen aus der JVA Waldeck entlassen werden sollte, brutal niedertreten. Die Ermittler stellen nur noch dessen Tod fest. Beim Versuch, die Täter zu stellen, wird Kommissarin Katrin König (Anneke Kim Sarnau) lebensgefährlich verletzt, den Rest des Films liegt sie im Koma. Von WOLF SENFF

 

Große, kinoalte Sehnsüchte

Steven Spielbergs Gefährten ist episches Gefühlskino der alten Schule: kitschig, überwältigend, behäbig, bombastisch und je nach Geschmack zum Dahinschmelzen oder Rausrennen. Von STEFAN VOLK

 

Rollende Wellen

Marisa (Akina Levshin) liegt am Ostseestrand. Die Wellen peitschen wie eh und je, doch in ihrem Leben hat sich viel verändert. Die Welt steht Kopf. Das Hakenkreuz-Tattoo auf ihrer Brust ist abgeklebt. Langsam sickert das Blut aus ihrem Körper durch den weißen Stoff. Es ist derselbe Strand, an dem ihr Großvater Franz, ein Altnazi, sie mit einem Rucksack voller Sand entlang der Wellen marschieren ließ und der damals zehnjährigen Marisa zuraunte: »Ein Indianer kennt keinen Schmerz.« Er nannte sie seine »Kriegerin« und man erkennt gleich, wie stark das liebevolle Band zwischen den beiden trotz der eigenartigen Erwartungen von Franz ist. Jetzt, Jahre später, kniet neben ihr die 15-Jährige Svenja, erschrocken, doch gefasst. Auch sie trägt seit Kurzem ein Tattoo, ihr erstes. Eine 88 am unteren Bauch. Sie ließ es sich von Marisa stechen. Von ALEXANDER FUNK

 

Attraktive Serienstarts - Teil 2

ALPER TURFAN stellt wieder zwei kommende interessante Serien vor. Dieses Mal mit Charlie Sheen und dem einsamen Sheriff Walt Longmire. Den ersten Teil der Artikelreihe gibt es hier

 

Das Mädchen mit dem Seelentattoo

Es ist zu einem kleinen Hobby der Hollywood-Kinomaschinerie geworden, europäische Filme, die an Ansehen gewinnen, neu zu verfilmen. Vielleicht mag es für das amerikanische Kino unumgänglich sein, so die Stoffe ihrem Publikum präsentieren zu können. Schließlich werden europäische Filme in den USA nicht synchronisiert und müssen mit Untertiteln auskommen. Die Europäer sind den Neuauflagen gegenüber meistens skeptisch eingestellt und manchmal sogar darüber empört. David Fincher scheint es sich mit seiner Neuauflage der bereits verfilmten Bestseller-Trilogie Millennium (Stieg Larsson) zur Aufgabe gemacht zu haben, zwischen diesen vorurteilbehafteten Ansichten mal richtig aufzuräumen. Von ALEXANDER FUNK

 

Von behindertengerechten Maseratis

Mit einem Maserati durch die Stadt rasen, das kam für Philippe (François Cluzet) schon seit vielen Jahren nicht mehr in Frage. Einerseits ist er ab dem dritten Wirbel querschnittsgelähmt, andererseits hält er es für unpragmatisch, sich mit diesem Auto von seinem neuen Pfleger Driss (Omar Sy) fahren zu lassen. Doch Driss macht sich nicht viel aus Philipps Pragmatismus, setzt ihn kurzer Hand auf den Beifahrersitz und schliddert mit röhrendem Motor über den mit Kies bestreuten Parkplatz. Von ALEXANDER FUNK

 

Der gütige Führer

Wer Faschismus und Nationalsozialismus als das ganz Andere denkt, verschleiert mehr als er erklärt. Es stimmt weder strukturell, noch historisch. Der Totalitarismus ist bereits angelegt, wo der demokratische Staat sein Gewaltmonopol missbraucht und von der Verfassung vorgesehene Freiheiten einschränkt. Und auch die Vorbereitung und Durchführung von Kriegen ist keine notwendige Bedingung des Faschismus, wie sie umgekehrt von demokratischen Regierungen betrieben werden können. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Das Lieblingsgericht zum Tod

»Der Rauch ist Nahrung für die Seele«, sagt die Mutter zu ihrem Sohn, dem Violinisten Naser Ali Khan, auf ihrem Sterbebett. Eine letzte Zigarette raucht sie, bevor sie stirbt. Der Rauch entweicht Ihrem Mund, doch er verflüchtigt sich nicht, sondern wird voll und weiß wie Watte, fliegt einem Wurm gleich aus dem Fenster, über Straßen und Felder bis hin zu ihrem eigenen Grab. Dort bildet er eine kleine, weiße Wolke und verweilt inmitten der verdutzten Angehörigen, die sich das Phänomen zu erklären versuchen. Mit solchen Details, die so reich an Ideen und Atmosphäre sind, verwöhnt das Regie-Duo Marjane Satrapi und Vincent Paronnaud den Zuschauer in seinem neuen Werk. Von ALEXANDER FUNK

 

Clooney for President?

George Clooney dreht einen Polit-Thriller und spielt selbst den Präsidentschaftskandidaten. Das klingt zunächst nach einem Witz oder einer selbstverliebten Hollywood-Allmachtsfantasie. Doch der Schauspieler und Regisseur, der mit The Ides of March in seinem vierten Film die Regie übernahm, kommentierte dies mit seinem allgegenwärtigen Charme: »Ich wurde besetzt, weil niemand sonst an der Rolle interessiert war.« Ob das der Wahrheit entspricht oder nicht, George Clooney drängt sich in seinem neusten Werk nicht in den Vordergrund. Vielmehr schafft er mit seiner charismatischen Verkörperung des Gouverneur Mike Morris den Nährboden für die Hauptfigur Stephen Meyers und den Mann hinter dieser Rolle: Ryan Gosling. Von ALEXANDER FUNK

 

Nestroys und Offenbachs englische Verwandte oder: Theater als Theater

In England kennt sie jedes Kind. Bei uns sind sie immer noch ein Geheimtipp: das Gespann Gilbert & Sullivan. In den letzten drei Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts schrieben der Librettist William Schwenck Gilbert und der Komponist Arthur Sullivan eine Reihe von Bühnenwerken ganz eigener Art. Noch der Oper verpflichtet – in Großbritannien figurieren sie unter der Bezeichnung »Savoy Operas«, bei uns ordnet man sie meist der Operette zu –, könnte man sie als Vorläufer des Musicals, genauer: der Musical Comedy betrachten. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Sympathy for the Devil

Helmut Qualtinger wusste es bereits vor einem halben Jahrhundert: »Egal was auf der Welt passiert, jedes Jahr ist der Jedermann da.« Bereits in den fünfziger Jahren forderte der große Wiener Kabarettist den am meisten überschätzten Bühnenhelden auf: »Come, Mister Jedermann, gemma bisserl sterben, wenn auch dagegen sind die Hofmannsthalschen Erben.« Inzwischen sind die Rechte am Werk Hugo von Hofmannsthals frei. Eigentlich gäbe es keinen Grund mehr, seine berühmteste Erfindung am Leben zu erhalten. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Die Kameliendame

Sie stirbt den schönsten Tod der Operngeschichte: Violetta Valéry, die Traviata. Das macht die Musik. Sie hat Generationen zu Tränen gerührt und tut es heute noch. Bei Peter Konwitschny bleibt sie am Ende nicht entseelt auf der Bühne zurück. Sie schreitet vielmehr nach hinten, ins dunkle Jenseits. Die Apotheose der Hure, die mit ihrem Opfertod die Vorurteile der bigotten bürgerlichen Gesellschaft besiegt hat – vorübergehend jedenfalls. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Buchbinders Beethoven

Es empfiehlt sich, zuerst das Gespräch anzuhören, das Rudolf Buchbinder als Bonus mit dem wohl kenntnisreichsten Pianistenkritiker deutscher Sprache, mit Joachim Kaiser führt. Es macht bewusst, wie viel intellektuelle und analytische Arbeit der Interpretation vorausgeht, und schärft die Wahrnehmung von Feinheiten, die einem ansonsten zu entgehen drohen. Buchbinder, der vor wenigen Tagen, am 1. Dezember 65 Jahre alt wurde, hat die fünf Klavierkonzerte Beethovens im Mai dieses Jahres im Wiener Musikvereinssaal vor Publikum aufgenommen. Er dirigiert die Wiener Philharmoniker vom Flügel aus. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Attraktive Serienstarts - Teil 1

ALPER TURFAN stellt wieder zwei kommende interessante Serien vor. Dieses Mal mit Charlie Sheen und dem einsamen Sheriff Walt Longmire. Den ersten Teil der Artikelreihe gibt es hier

 

Der Erbe von Jack Kerouac und Captain Beefheart

Pop ist eine polytheistische Religion. Sie hat viele Götter. Tom Waits ist mit Sicherheit einer davon. Wie er sich auf dem Olymp mit Elvis Presley und John Lennon, mit Bob Dylan und Janis Joplin, mit Frank Zappa und Patti Smith verträgt, wissen wir nicht, aber dass er dort residiert, steht fest. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Nach dem Signalton

Einer der außergewöhnlichsten deutschsprachigen Kinofilme dieses Jahres kommt aus der Schweiz. Realisiert wurde er von dem in Luzern geborenen und in Zürich lebenden Filmemacher Thomas Imbach, der seine mitunter avantgardistisch anmutende Experimentierfreude beibehielt, nachdem er von seinen Anfängen als Dokumentarfilmer (Well Done, 1994; Ghetto, 1997) zum Spielfilm wechselte (Happiness is a Warm Gun, 2001; Lenz, 2006). Von STEFAN VOLK

 

Adorkable!

ALPER TURFAN stellt wieder zwei kommende interessante Serien vor. Dieses Mal mit Charlie Sheen und dem einsamen Sheriff Walt Longmire. Den ersten Teil der Artikelreihe gibt es hier

 

Sehr leicht

Selten ist die Sonne zu sehen in Jane Eyre, dem neuen Film des Regisseurs Cary Fukunaga, der bereits mit seinem Kinofilmdebüt Sin Nombre einige Aufmerksamkeit auf sich zog und mit dem Preis für die beste Regie auf dem Sundance-Festival 2009 ausgezeichnet wurde. Von ALEXANDER FUNK

 

Willkommen in der fabelhaften Welt des Oliver Tate!

Der jugendliche Held in Richard Ayoades Spielfilmdebüt ist ein Träumer, Außenseiter und poetischer Kauz. Charismatisch verkörpert vom britischen Nachwuchsdarsteller Craig Roberts reiht er sich mit Schuluniform und Dufflecoat ein in die Phalanx skurril-sensibler Kino-Antihelden von Harold (Harold und Maude) bis Hallam Foe. Von STEFAN VOLK

 

Herrscher, Intriganten, Kurtisanen

ALPER TURFAN stellt wieder zwei kommende interessante Serien vor. Dieses Mal mit Charlie Sheen und dem einsamen Sheriff Walt Longmire. Den ersten Teil der Artikelreihe gibt es hier

 

Brecht und der Film

Der Titel dieses Films ist auch vielen bekannt, die ihn nie gesehen haben: Hangmen Also Die – auf Deutsch: Auch Henker sterben. Das kommt: Autor der Story ist kein Geringerer als Bertolt Brecht. Offiziell steht der Name des amerikanischen Mitarbeiters John Wexley für das Drehbuch im Vorspann. Auch Brechts Koautor, zugleich der Regisseur, trägt einen berühmten Namen: Fritz Lang. Aber es lässt sich nicht leugnen: dieser 1943 in den USA gedrehte Film bleibt zurück hinter dem übrigen Werk Brechts und auch hinter sowohl den deutschen Vorkriegsfilmen wie den amerikanischen Filmen Fritz Langs. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Im Büro wird die Luft knapp

ALPER TURFAN stellt wieder zwei kommende interessante Serien vor. Dieses Mal mit Charlie Sheen und dem einsamen Sheriff Walt Longmire. Den ersten Teil der Artikelreihe gibt es hier

 

Menschenverachtung

Eins der groteskesten Werke der Opernliteratur ist Platée von Jean-Philippe Rameau. Es geht um die liebeshungrige Nymphe Platée, der Jupiter, unter der Regie von Momus, dem Gott des Spotts, Liebe vortäuscht und zum Schein die Ehe verspricht, um Juno von ihrer krankhaften Eifersucht zu heilen. Das ist komisch, weil Platée in ihrer Verblendung nicht bemerkt, was tatsächlich um sie herum geschieht. Wollte sich sich zunächst noch mit dem Menschen Citheron zufrieden geben, der sie gar nicht beachtete, so zweifelt sie nur in schwachen Momenten daran, dass Jupiter selbst sie lieben könnte. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Il ne regrette rien

Jean-François Richets souveräne Inszenierung adelt Public Enemy No. 1 zu gelungenem Genrekino; für die französische Antwort auf Klassiker wie Scarface, fehlt dann allerdings ein dichteres Skript. Von Nils Bothmann

 

Divo & Diavolo

Paolo Sorrentinos filmsatirische Andreotti-Phantasmagorie, betrachtet von Wolfram Schütte

 

Das Leben, die Literatur und der Film

Er lässt die entscheidenden Jahre einer außergewöhnlichen Lebens- und Liebesgeschichte anschaulich und lebendig werden und damit verstehen und nachempfinden, unter welchen Umständen eine Karriere ihren Anfang genommen hat, die in ihrer Ausprägung tatsächlich einmalig ist. Von Petra Kammann

 

Die Ruhe nach dem Sturm

Wie eine perfekt geplante Hochzeitsfeier letztlich niemals exakt so ist, wie sie ursprünglich geplant war, platzt Rachels Hochzeit vor Spontaneität der Darsteller und Macher. Von Jakob Stählin

 

Zu heroisch, um wahr zu sein

In seinem beim Deutschen Filmpreis für sieben „Lolas“ nominierten Kriegsdrama John Rabe erzählt Florian Gallenberger die unbekannte, wahre Geschichte des „Oskar Schindlers Chinas“ mit den bekannten Mitteln Steven Spielbergs, die er aber nur unzureichend beherrscht. Von Stefan Volk

 

Die milden 13

Typisch deutsch: Selbst, Staat und Befindlichkeit reflektieren. Insofern ist Deutschland 09 mit dem hochtrabenden Untertitel »13 kurze Filme zur Lage der Nation« ein symptomatischer Heimatfilm. Von Kyra Scheurer

 

Das ganze Leben ist ein Quiz

Slumdog Millionär ist ein von Grund auf sympathischer und sehr kurzweiliger Film geworden, der sich durch eine inspirierte erzählerische Handschrift und großen inszenatorischen Einfallsreichtum auszeichnet. Von Werner Busch

 

Schlecht singen kann sie gut

Hilde ist ein »Biopic« – und dennoch deutlich besser gelungen, als zu erwarten gewesen wäre. Das erstaunt umso mehr, als Hildes Leben, also das der vor ein paar Jahren verstorbenen Frau Knef, gar nicht mal besonders interessant war.

 

Altes Eisen

Clint Eastwood ist ein Markenzeichen der amerikanischen Filmlandschaft. Sowohl sein Schauspiel, das durch minimalistische und doch so ausdrucksstarke Mimik funktioniert, als auch seine Regieleistungen bürgen fast stets für Qualität. Von Nils Bothmann

 

Der Untergeher

Thomas Bernhard entwirft in »Der Untergeher« Figuren, deren Untergang lange vorauszusehen ist. Demnach gibt es Menschen, die aus ihrem Gemüt, ihrer Biographie und ihren Überzeugungen heraus dazu veranlagt sind, immer und ununterbrochen unterzugehen: »Unser Untergeher ist ein fanatischer Mensch, er stirbt beinahe ununterbrochen an Selbstmitleid.« Von Martin Thomson

 

Auf dem Boden der Tatsachen

Wie cool kann es sein, jede Bombe, die im Hintergrund explodiert, ohne ein Blinzeln hinzunehmen, jeder Kugel, die einem um die Ohren fliegt, mit viel Geschick auszuweichen? Wie cool kann es aber auch sein, als psychisch labiler Held durch eine Geschichte zu stolpern, die mit Rückschlagen nicht geizt und nie im Guten zu enden scheint? Von Susan Noll

 

Der Naturbursche

Auf der Fahrt in das abgelegene Tiroler Bergdorf ihrer verstorbenen Schwiegermutter blickt Eva Winter auf die tief verschneite Berglandschaft um sie herum und konstatiert: »Ich hasse die Natur.« Von Tamara Danicic

 

Was vom Tage übrig blieb

Streng genommen erschöpft sich der Stellenwert der medialen Berichterstattung nicht in ihrem faktischen Gehalt, sondern vielmehr in einer kontextlosen Konklusion, einem Abriß und einem großen Knall. Von Jakob Stählin

 

Die leichtverträgliche Zeitlichkeit des Seins

Daisy ist alt, sehr alt. Während sich um sie herum das Schicksal zu einem Hurrikan zusammenballt, verabschiedet sie sich vom Leben. An ihrem Sterbebett sitzt Tochter Caroline und liest auf ihre Bitte hin aus dem Tagebuch eines gewissen Benjamin Button vor. Von Eleonóra Szemerey

 

Keine Rauchzeichen

Von den 44. Solothurner Filmtagen berichtet Thomas Rothschild

 

Spätzünder

"Guten Tag, der Schalter ist kaputt. Können Sie einen neuen besorgen? Wie lange dauert das?" - Daß sich das auch mal ein paar Tage hinziehen kann, ist nicht nur in Tel Aviv gut möglich. Von Christian Lailach

 

Automavisionäres Kino

So grau, regional und unansehnlich The Boss of It All auch sein mag, dieser neue Film aus dem Hause von Trier ist im Grunde nichts anderes als ein Luxusartikel. Von Esther Buss

 

Harte Währung Liebe

Nach Gespenster, nach dem rätselhaften Zwischenreich von Yella, ist Jerichow in der äußeren, der äußersten Wirklichkeit aufgeschlagen. Die Prignitz ist hier nichts für Spaziergänger… Von Thomas Warnecke

 

Der Spiegel

Eine neue Ernsthaftigkeit spüren wir, neue Erkenntnisse und Einsichten schlummern nun im Kopf eines der begnadetsten deutschen Künstler. Dinge, die fernab vom schon vergessenen lauten und schrillen Fernsehkrawall früherer Tage sind. Von Werner Busch

 

Liebe und Untod

Seit Philip Ridleys Meisterwerk Schrei in der Stille ist dies der erste Vampirfilm, der die Bedeutung des zugrundeliegenden Topos richtig erkennt und es in eine feinfühlig erzählte Coming-of-Age-Geschichte implementieren kann. Von Werner Busch

 

Dead Coed Society

Ein Mädcheninternat – verklemmte Bücherwürmer mit dicken Brillen und Schul-uniformen: libidostimulierender wird es nicht. Doch das tut hier nichts zur Sache.
Von Jakob Stählin

 

Ambivalenz als Strategie

Die Amerikaner wählten kürzlich Barack Obama zum ersten afro-amerikanischen US-Präsidenten, Cem Özdemir ist Bundesvorsitzender der Grünen und Mehmet Kurtulus erster Tatortkommissar mit Migrationshintergrund: Ungeachtet politischer oder schauspielerischer Qualitäten ist diese integrative Entwicklung natürlich erfreulich. Von Sascha Ormanns

 

Auf den Kontext kommt es an

Wenn es, statistisch betrachtet, eine quantifizierbare Eigenschaft gibt, die den Festivalfilm vom gängigen Mainstreamkino unterscheidet, dann ist es wohl eine Vorliebe für die lange Einstellung. Man könnte auch sagen: die Bevorzugung des intensiven Schauens gegenüber der sensorischen Überrumpelung. Ein Festivalbericht von Thomas Rothschild

 

Nach Barcelona, der Liebe wegen

Barcelona! Nun ist Woody Allen auf seiner Schauplatztour durch Europa nach mehreren Aufenthalten in London also in Spanien angekommen, genauer gesagt in Katalonien. Mitgenommen hat er wieder seine neue Muse Scarlett Johansson. Von Daniel Albers

 

Im Namen des Hasses

Das Schlimmste an diesem Film ist nicht seine Sinnfreiheit oder seine Unoriginalität, das Schlimmste ist seine schamlose Verlogenheit. Von Daniel Bickermann

... bis sie dann gestorben sind.

Wenn Comics sich klassischen Märchenmotiven widmen, dann tun sie das meist in Form einer eher überzogenen Parodie. Selbst wenn sich dahinter so viel Sophistication verbirgt wie hinter ...

Petraeus und sein Stab

Die menschliche Existenz ist voll von Paradoxa. Krieg etwa gehört zu den schlimmsten Dingen, die Menschen einander antun können; die Ausführenden des Kriegs allerdings, das ...

Musik in Schwarz-Weiß

Noch ein paar Tipps für die Tage in denen Stimmung und Landschaft sich den Grau-Tönen nähern und die richtige Musik dabei hilft, ruhige Momente zu ...

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Der Spielplatz macht zu

Nach drei Ausgaben wird das Games-iPad-Magazin Spielplatz wieder eingestellt. Was dahinter steckt, wollte RUDOLF INDERST im Gespräch mit den beiden Machern Henning Ohlsen und Mark ...

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