Lektionen in Demütigung
Zumindest im Genre der Pseudo-Dokumentation à la Stromberg oder Der Wald vor lauter Bäumen ist man die konstante Demütigung erbärmlicher Filmfiguren ja inzwischen gewohnt. Aber in der authentischen Welt der Dokumentation? Von Daniel Bickermann
Lasset uns lachen!
Da Deutschland sich selbst als Comedy-Nation sieht und deren schreckliche Ausläufer sich ernüchternder Beliebtheit erfreuen, ist Atze in Großformat eine logische Konsequenz.
Von Jakob Stählin
Altmannsche Verbaldrogen
Endlich: Nach Afrika, Amerika und Asien hat nun auch Australien seinen Altmann. „Im Land der Regenbogenschlange“ heißt das elfte Buch des Reporters und Reiseschriftstellers Andreas Altmann, das gerade bei DuMont erschienen ist.
Von Annette Christine Hoch
Kein Waterloo für Mehdorn in Sicht
Kürzlich hat “Bahnchef” Mehdorn - wie manche kleine Männer verständlicherweise größenwahnsinnig - in einem Interview erklärt, dass ihm Napoleon “imponiert”, weil dieser (man beachte die Ironie) “Bahnbrechendes im Recht- und im Gesundheitswesen geleistet hat”, so dass seine mehdornsche Reinkarnation “sicher sei”, auch der Korse “wäre ein hervorragender Bahnchef”, also ein Mehdorn ante rem, gewesen.
Von Wolfram Schütte
Rothschilds DVD-Tipp
Langhoffs Bernhard
Gerade die Mimik von Gert Voss wird durch das nicht unproblematische Medium in einer Weise sichtbar, wie man sie selbst in der ersten Reihe des Theaters nicht wahrnehmen kann.
Gier nach Glück
»So ’ne kleine Frau / und so ’ne große Lust…«. Als Hanna diese ersten Zeilen bei einem Rockkonzert hört, erkennt sie sich sofort im Songtext wieder, und es dauert nicht lange, bis sie ekstatisch mit der Musik mitgeht.
Von Marieke Steinhoff
Ein moralisches Angebot
In seinem Buch „Mediapolis“ versucht der 2006 verstorbene englische Medienwissenschaftler Roger Silverstone eine ökologische Philosophie der „zivilen Weltöffentlichkeit“ zu entwickeln, der es jedoch an einer politischen Dimension mangelt.
Von Jörg Auberg
Der große Stille
Am 14. Juni 2008 ist der Star der europäischen Jazzszene, der schwedische Pianist Esbjörn Svensson, bei einem Tauchunfall ums Leben gekommen. Der 44jährige hinterlässt ein unvollendet vollendetes Werk.
Von Sebastian Karnatz
Vom Zungenküssen & Wangenreiben
Seit dem Ende der Achtziger Jahre ist ein staatsmännisches Besuchs-Ritual von der öffentlichen Bildfläche verschwunden, das (man fragt sich: seit wann?) zur Ikonographie des Besuchsritus im “sozialistischen Lager” gehörte: Umarmung und Kuss-Austausch der sich auf Flughäfen begegnenden Staatsmänner. Denn Frauen gab´s da ja nicht.
Von Wolfram Schütte
Aus Schrauben, Draht und Zahnrädchen…
Es können Kleinigkeiten sein, die das Leben verändern. Zum Beispiel ein Griff in den Kleiderschrank, der versehentlich statt einer grauen Krawatte eine gelbe zu Tage fördert. Abwarten, was dann passiert…
Inselspiele
Zwölf junge Leute aus Deutschland zwischen 16 und 19 Jahren sind von Starregisseur Quint Tempelhoff für sein neuestes Filmprojekt ausgesucht worden. Drei Wochen sollen sie, mit allem Notwendigen versorgt, auf einer kleinen Insel vor der brasilianischen Küste miteinander leben und dabei von versteckten Kameras beobachtet werden. Nur das spannende Experiment eines ehrgeizigen Künstlers?
Reiner Horror
Unterägypten vor 15.000 Jahren: eine Kreatur wartet. Zu hören sind die Trommeln eines Festes. Und das Schlagen eines Herzen. New York, 2. Juli 2007. Für Sid wird sich alles ändern.
Beeindruckende Familiensaga
Eine in epischer Breite angelegte Familiensaga hat die amerikanische Bestsellerautorin Joyce Carol Oates vorgelegt. Sie verknüpft das Schicksal einer Familie gekonnt mit dem Sog der weltberühmten Niagara-Fälle, die hier als Schauplatz und Zentralmetapher fungieren, und die sogar eine eigene Stimme haben.
Leise Entzündungen
Es sind Näherungsbewegungen, Erkundungsgänge soweit man den Worten traut, zu denen uns Matthias Kehle in seinem neuen Gedichtband Drahtamseln einlädt. Ein schweigendes DU scheint immer anwesend – und sei es der Leser...
Rothschild's CD-Tipp:
Kleine Stücke
Bollanis Klavierspiel ist weder meditativ, noch introvertiert. Eher neigt es zur spaßigen Aphoristik, und bei aller Verknappung erweist es sich als vital wie das Spiel von Kindern.
Groteskes Ende einer Habermas-Treibjagd
Eine Kolumne von Hans Durrer
Annäherungen
Mona Lisa lächelt. Geheimnisvoll und rätselhaft. Seit über 500 Jahren zerbrechen sich die Menschen den Kopf über das bekannteste Bild der Welt und darüber, wie Leonardo da Vinci das unvergleichliche Lächeln auf das Gesicht von Lisa del Gioconda zauberte.
Waren wir nicht schon weiter?
Die Inszenierung eines Skandals a la manière de Schirrmacher
Von Wolfram Schütte
Auslandsösterreicher wider Willen
Schmerzensgeld oder Schadenersatz als “Esra“-Folgekosten
Von Wolfram Schütte
Öffentliche Traueranzeigen von Privaten
Von Wolfram Schütte
Wie mich die Stadt Stuttgart beschummelt hat
Rundum falsche Verwandtschaften
Von Wolfram Schütte
Kollektive Führung
Von Wolfram Schütte
Geheimwaffe
Peter Hacks, der wohl erfolgreichste Dramatiker der DDR in den 1960er und 1970er Jahren, hat sich über besondere Waffen seine eigenen Gedanken gemacht. Ein bekanntes Zitat entstammt dem 1971 erschienenen Essay Kunst und Revolution: "Eingestandenermaßen ist die Kunst eine Waffe. Eingestandenermaßen ist ein Holzhammer eine Waffe. Nach Aristoteles folgt hieraus nicht, daß die Kunst ein Holzhammer sein müsse. Es folgt eher, daß die Kunst eine um so bessere Waffe sei, je bessere Kunst sie ist." Dem jungen Prosper gibt er im Kampf gegen Tante Fiebig eine wirkungsvolle Waffe in die Hand.
Wie die “Frankfurter Rundschau” auf “Weltniveau” kommen soll
Von Wolfram Schütte
Und trinken Wein
Von Thomas Rothschild
Mit hochgezogener Augenbraue
Von Wolfram Schütte
Journalistische Arbeit hat auch etwas mit Berufsehre zu tun, die man aber nicht durch die Lektüre eines ‚Medienkodex’ erwirbt. Auch daran könnte man ja heute hin und wieder in der journalistischen Ausbildung erinnern.
Geht man durch das schmucke Städtchen Schwäbisch Hall, ist man an allen Ecken und Enden mit Kunst im öffentlichen Raum konfrontiert. Die stammt vom Schraubenfabrikanten Prof. Dr. h.c. Reinhold Würth. Würth hat in Schwäbisch Hall auch eine eindrucksvolle Kunsthalle errichtet, die das ältere Würth-Museum in Künzelsau ergänzt. Auf großen Stellwänden huldigt sich der Unternehmer selbst. Diese moderne Hagiographie zeugt von beachtlichem Selbstbewusstsein, und dafür gibt es auch jeden Anlass. Politik und Medien überschlagen sich in Dankbarkeit und Demut vor dem edlen Spender.
Die Wellen, die von den Muhammad-Karikaturen geschlagen wurden, sind zu einer Springflut angeschwollen. Die Kollision von Bildverbot und Pressefreiheit sind aber kein Kampf der Kulturen, sondern die Nachwehen unserer eigenen säkularen Entbindung aus dem Sakralen.
Auch in Zeiten, in denen wir mit Bildern systematisch zugeschüttet werden, gibt es immer wieder Fotos, die einem bleiben, einem nicht mehr aus dem Sinn gehen. Warum dem so ist, weshalb einem also dieses und nicht jenes Foto im Gedächtnis bleibt, ist schwer zu sagen und wie so viele Dinge eine Frage der Interpretation, ja der Spekulation.
Zu einem viel zitierten Satz von Max Horkheimer
Seit dem 20. Januar 1983 habe ich mir eine Seite aus der “Süddeutschen Zeitung“ aufbewahrt, weil ich dachte, darin die Urform eines Films von Roman Polanski oder Claude Chabrol oder eines Romans vor Augen zu haben, der seinen Autor, zweifellos nicht nur in der Nachfolge von Vladimir Nabokov sondern auch von Georges Simenon, bestimmt finden würde. Hat er aber nicht - weder auf der Leinwand, noch auf dem Papier; vielleicht deshalb, weil die “Geschichte, die das Leben schrieb”, in dem novellistischen Summary einer dpa-Meldung schon ebenso endgültig verfasst wie für eine emphatische Phantasie im Kopfkino visualisiert war.
Schröders Freundesdienste
Von Wolfram Schütte
Lebe Deinen Traum
Natürlich verwendet der Film alle Klischees, die man sich nur denken kann, aber die (relativ unbekannten) Darsteller gleichen das mit ihrer Spielfreude mehr als aus.
Rothschild's CD-Tipp:
Das korsische Wunder
Wäre Qualität das entscheidende Kriterium für Modererscheinungen, so wüsste man über ein paar Liebhaberzirkel hinaus, dass die Darbietungen der korsischen Vokal- und Instrumentalgruppe zum Besten gehören, was es im Bereich der populären Musik zur Zeit gibt.
Über Beruf und Berufung des Politikers und die Fähigkeit zu entscheiden
Von Joachim Allgaier
Same Player shoots again
Von Wolfram Schütte
Vom Sinn und Unsinn dramatisierter Romane
Von Thomas Rothschild
Lance Armstrongs Helden-Mythos von der Urologie zu Fall gebracht
Von Wolfram Schütte
Über Abstrusitäten und Glanzleistungen der deutschen Filmbetitelung
Rothschild's CD-Tipp:
Sänger
Empfehlenswert ist diese Kompilation, weil sie einige der besten Sänger aus dem Umkreis von Rock, Jazz, Country und Show vereint, in älteren, ganz alten und auch neueren Aufnahmen.
Autoren, die darüber schreiben, wie schwierig es ist zu schreiben, sind milde ausgedrückt Langweiler.
Rothschild's CD-Tipp:
pläne-Jubiläum
Vielleicht gibt es ja doch noch ein verborgenes Potenzial für eine Alternative zur herrschenden Kultur - für eine Gegenkultur eben.
Claus Koch läßt seinen „Neuen Phosphoros“ wieder leuchten
Gibt es ein altmodischeres Wort als “Treue”? Sie ist in Verruf geraten, mit ihr möchte sich jenseits vom ritualisierten Versprechen bei der Hochzeit niemand mehr brüsten. Hierzulande denkt man, wenn man sie nennt, gleich “Nibelungen” mit, will heißen: bedingungslos, ohne Reflexion und Kritik.
Joschka Fischer hat die politische Verantwortung für die Visa-Affäre übernommen. Das verkündete er jedenfalls mit großem Ernst und staatsmännischer Miene, mit einem
Gesicht, wie man es als Politiker halt macht, wenn man mal wieder in aller Öffentlichkeit einen rhetorischen Pups fahren lässt.
Rothschild's CD-Tipp:
Südafrika in Mexiko
Botschaften mit süffiger Musik statt mit Leichenbittermiene, und trotzdem keine Unterhaltung um jeden Preis.
Buch, Markt- & letzte oder jüngste Schreie mit Folgen
Von Wolfram Schütte
Die Sozialdemokraten entschuldigen sich
Über (fehlende) Gesten der Solidarität mit der entführten Journalistin Giuliana Sgrena.
Von Carl-Wilhelm Macke
Beim elektronischen Mautsystem bis zur Katastrophe dilettiert. Die Hartz IV-Software voll in den Sand gesetzt. Gäbe es eine PISA-Studie für Programmierer, Deutschland hätte einen weiteren Anlass, seinen Niedergang zu beklagen.
Von Dieter Paul Rudolph
Bayern-Manager Hoeneß will den Gebühren-Zehnten (200 Mio ¤)
Von Wolfram Schütte
Es reicht
Von Wolfram Schütte
Schröder als Avantgardist – im Lichte des „Kommunistischen Manifests“
Von Wolfram Schütte
- oder: Ich mag mich nicht vor einen Castor Transporter werfen
Von Ismael Fischmord
Fritz Pleitgens kulturelle Augenwischerei
Von Wolfram Schütte
“Der Nachteil bei großer Literatur ist, dass jedes Arschloch sich damit identifizieren kann”
(Peter Handke)
Von Ernst-Erwin Buttertube, Großpoet und sehr privater Lehrkörper
Hartz IV oder vom unausgesprochenen Offenbarungseid
Von Wolfram Schütte
Öffentliche Exekution eines Schwarzen Schafes
Warum wurde Simeoni von Lance Armstrong verfolgt?
Von Wolfram Schütte
Enfant perdu
Von Wolfram Schütte
Erinnerung an Otto Krayer
Und war es nicht denkbar, dass es nicht auf sie ankam, sondern auf die einzelnen Menschen, die ja und nein sagen konnten, den Arm automatisch heben oder die Zustimmung verweigern, auf Weisung den ersten Stein werfen oder das Urteil nicht anerkennen.
(Christa Wolf: Was bleibt)
Über Stock und über Stein
Was mag Arno Schmidt durch den Kopf gegangen sein, als er das Tagebuch von Meriwether Lewis und William Clark, das die Eindrücke der beiden während ihrer waghalsigen Expedition in den noch unerforschten amerikanischen Westen festhält, mit dem Ausspruch „ein Buch wie Homer!“ adelte?
oder:
Jedes Land hat den Fußball, den es verdient
Von Anselm Brakhage
Die verblüffend einheitliche Rhetorik der Medien zum neu erwachten Bewusstsein über den 17. Juni gibt doch Anlass zu einigen Fragen, die in der Euphorie des neuen Konsens offenbar niemand stellen mag
Von Thomas Rothschild
Oder: Der ewige Wagner in uns
Von Christoph Pollmann
Laudatio auf den diesjährigen Preisträger GAK
(zur Preisverleihung am 20. Mai 2004)
Von Mike Markart
Wie ich mir im Kopfkino einen Kriminalfilm zurechtinszeniere
Von Wolfram Schütte
Maars „Lolita“-Fund im Lichte von Pabsts „Zauberberg“-Grabungen
Von Wolfram Schütte
Von Thomas Rothschild
In seiner Rede für Wahlauftaktveranstaltungen zur österreichischen Bundespräsidentenwahl am 25. April sagte der sozialdemokratische Kandidat Heinz Fischer mit Blick auf seine konservative Gegenkandidatin und unter direkter Ansprache „seiner Damen“: „Auf die Qualifikation kommt es an.“
Die SPD versteht die Wirtschafts-Welt nicht mehr
Von Wolfram Schütte
Die „Passion Christi“ und ihre willigen Vollstrecker
Von Wolfram Schütte
Diese Passion ist ein Nichts von einem Film (D. Kothenschulte in FR v.17.3.04)
Einige Bemerkungen zur FR-Zukunft
Von Wolfram Schütte