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    TITEL kulturmagazin
    Donnerstag, 27. April 2017 | 09:09

     

    Edgar Allan Poe: Der Bericht des Arthur Gordon Pym

    14.03.2004

     

    1801: Odyssee im Weltmeerraum


    Edgar Allan Poes rätselhafter Bericht des Arthur Gordon Pym in einer Hörspielfassung der AudioKunstgruppe Serotonin.



     

    Wir haben geschummelt, jawohl. Der Titel trägt den Makel der Unrichtigkeit und riecht geradezu nach Bauernfängerei. Verehrer Poes wissen ganz genau, dass die Erkundungsfahrt der "Jane Guy" auf die Jahre 1827/28 zu datieren ist. Wozu also der Kniff in den längst tauben Oberarm?

    Kubrick hat geklaut, wollen wir sagen. Mächtig geklaut. Und nicht etwa "Anleihen genommen", wie es so schön heißen kann. Er hat den Plot, das Setting, alles bei Edgar Allen abgelinst: Setzen, sechs - Stanley! Aber vielen Dank für deinen Film.

    Tatsächlich ist es ein großes Vergnügen, die Parallelen beider Werke aufzuspüren, wollen aber für den Moment davon ablassen und darum bitten, uns ins frühe 19. Jahrhundert zu folgen.

    Der hohle Planet

    1826 erschien die Theorie der konzentrischen Sphären. Sie ging davon aus, dass unser Planet hohl sei und dass es Öffnungen gebe, durch die hindurch man ins Erdinnere gelangen könne. Poe verlegte für sein Prosastück diese Öffnungen nun an die Pole. Auch Jules Verne zehrte in Die Reise zum Mittelpunkt der Erde von dieser Theorie. Bei Poe kommt man im Gegensatz zu Verne allerdings schon ins Grübeln, ob da nicht eine viel tiefere Dimension aufklaffen will, die nur von der hauchdünnen Oberfläche einer Abenteuergeschichte überspannt wird. Und Arthur Gordon Pym klingt nun so stark nach Edgar Allan Poe, dass wir sofort die Finsterhöhlen der Psyche vermuten können.

    Abgrund oder Psychose?

    Das Spiel mit Innenwelt und Außenwelt muss Poe hier schon sehr gereizt haben. Es taucht in abgewandelter Form regelmäßig, beinahe taktgebend auf. Zweimal wird Pym lebendigen Leibes begraben - ein Leitmotiv in Poes gesamtem Schaffen. Zunächst im Schiffsbauch, der durch das Faulen von Fleisch stärkste Züge eines Sarges trägt, später das Verschüttetwerden im Innern eines Berges, eine Vordeutung auf das eigentliche Ziel der Reise.

    Doch auch der Menschenfresserei, zu damaliger Zeit ausschließlich den Wilden vorbehalten, muss der junge Pym sich stellen: ein wahrhaft roher Kampf des Überlebens. Und am Ende gar seinen eigenen Freund - unter den gleißenden Strahlen der Sonne wohlgemerkt - verwesen sehen, dem er beim Über-Bord-werfen ein Bein herausreißt - eine krasse Rückführung auf die an Bord verdorbene Hammelkeule. Gezielt streut Poe die Samen des Wahnsinns aus.

    Rückgriff auf Quellen

    Die Landung der "Jane Guy" auf Zahlan hat starke Anklänge an Captain Cooks Tahitiberichte. Doch Poe musste sich bei seiner Arbeit natürlich auf vielerlei Quellen stützen, wie z. B. die Antarktisberichte des J. N. Reynolds und B. Morells. Zur Beflügelung seiner Vorstellungen griff er vielleicht auch auf die Hirngespinste des Captain J. C. Symmes zurück, der damals behauptete, die Erde sei im Inneren von Weißen besiedelt und die Außenhaut die eigentliche Sphäre der Wilden. Ist dies auch schlicht kaschierter Rassismus, in Poes Poesie fügte es sich recht passgenau.

    Kohlrabenschwarz und Schwanenweiß

    Das Schwarz-Weiß-Spiel wird in Der Bericht des Sir Arthur Gordon Pym recht weit getrieben. So verfärbt sich z. B. das Wasser weiß, bevor es am Pol als Katarakt in dunkle Tiefen stürzt. Die Wilden hingegen sind völlig schwarz und verfallen in totale Agonie, wenn etwas Weißes sie nur berührt. Dazu weiße Vögel als Seelengeleiter und weißes mystisches Getier, das gottgleich verehrt wird, am Abgrund selbst dann eine riesenhafte, strahlend weiße von Nebeln verhüllte Gestalt - ein eindeutig transzendenter Fingerzeig. Den Kehraus bilden dann gar äthiopische und arabische Inschriften, die "Schattigsein" und "Weißwein" bedeuten. Es wird schon arg kariert.

    Die Gruppe Serotonin hat mit ihrer Produktion im Auftrag des hörverlags ein rundweg anständiges Stück Hörspiel vorgelegt. Es hat trotz kompositorischer Ähnlichkeiten nicht die fesselnde Kraft der Jules-Verne-Produktion 20.000 Meilen unter den Meeren (ebenfalls hörverlag), zeichnet sich aber ebenso besonders durch ihre famosen Sprecher aus. Um noch einmal darauf zurückzukommen: Auch bei Kubrick gibt es lebendig begrabene Besatzungsmitglieder, die besagten Farbspiele, wilde Urmenschen und einen in wahnhafter Selbstauflösung befindlichen Computer. Der heißt jedoch HAL und nicht PYM ...

    Christoph Pollmann


    Edgar Allan Poe: Der Bericht des Arthur Gordon Pym. Hörspiel mit Heiner Hensinger, Roland Renner u.v.a. 2 CD, Laufzeit ca. 112 Minuten. Bearbeitung und Regie: Serotonin. Musik: Jens-Uwe Bartholomäus. Preis: 19,95 EUR. ISBN 3-89940-058-5 Erschienen bei: der hörverlag

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