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    Orson Welles: War of the worlds

    31.10.2010

    "We interrupt this programm!"

    Diesen Oktober jährte sich Orson Welles Todestag zum 25. Mal. MIRJAM STUTZMANN hat sich zu diesem Anlass den Hörspiel-Klassiker War of the Worlds vorgenommen. Ob diese frühe Form von Dokufiction auch heute noch funktionieren würde?

     

    New York, vor genau 72 Jahren, am Abend des 30. Oktober 1938: Tausende Bürger laufen verstört auf die Straßen, alarmieren die Polizei und es kommt zu regelrechten Tumulten. Eine Massenpanik bricht aus. Der Grund: Außerirdische wollen die Welt erobern!

     

    Dass die Ursache für derlei Aufregung lediglich ein Live-Hörspiel war, das so realitätsnah umgesetzt wurde, dass sich Millionen von Menschen davon aufs Glatteis führen ließen, war ein Meilenstein in der Geschichte des Radios, ein absolutes Novum in dem noch völlig ungewohnten Massenmedium. Schätzungsweise sechs Millionen Menschen hörten zu, als über die angebliche Invasion der Marsianer berichtet wurde - und an die zwei Millionen Amerikaner sollen die Ereignisse für echt gehalten haben. Was Orson Welles und die Schauspieler um ihn herum mit der Hörspieladaption von H.G. Wells Science Fiction-Roman „War of the Worlds“ losgetreten haben, bildete auch lange nach der Ursendung die Grundlage für weitere Film- und Comicadaptionen und wurde noch jahrzehntelang in den verschiedensten wissenschaftlichen Arbeiten thematisiert. „War of the Worlds“ war nichts weniger als ein Medienhype, wie er bis dato noch nie stattgefunden hatte. Die Macher von damals wurden über Nacht berühmt.

     

    Wer sich die gefakte Livereportage von damals noch einmal zu Gemüte führen will, findet den Klassiker im englischen Originalton beim Hörverlag: H.G. Wells „The War of the Worlds“ in der Hörspielfassung von Howard Koch unter der Regie und Mitwirkung von Orson Welles, der damals gerade 23 Jahre alt war. 57 Minuten lang ist der Live - Mitschnitt, aufgewertet durch ein Booklet mit Hintergrundinformationen.

     

    Ohne große Studiotechnik

    Zunächst klang das, was am 30. Oktober des Jahres 1938 auf der Frequenz des CBS Radio Networks rund um die Gegend von New York und New Jersey ausgestrahlt wurde, wie ein ganz normaler Radioabend. Wie er eben 1938 normal war, als das Radio noch ein neues Medium war und sich erst seinen Platz neben dem Printjournalismus erkämpfen musste. Das musikalische Unterhaltungsprogramm wurde von „Ramon Raquello and his Orchestra“ bestritten, die Evergreens spielten und immer wieder wurde das Programm von Nachrichten und Wettermeldungen unterbrochen. Alles wie gewohnt - bis die Worte fielen: „We interrupt this program“.

     

    Wer etwas später eingeschaltet hatte, verpasste fatalerweise Orson Welles einleitende Worte, in denen er über außerirdische Intelligenzen sprach und das Publikum auf die nachfolgende Sendung vorbereitete.

     

    Alles weitere ist eine perfekte Illusion dessen, wie sich damals ein so unglaubliches Geschehnis im Radio wohl hätte anhören müssen. Grover’s Mill, ein kleiner Ort in der Nähe von New Jersey, wird zum Ground Zero einer Mars-Invasion. Die Berichterstattung erfolgt vor Ort, der Reporter versucht die unglaubwürdigen Dinge, die um ihn herum passieren in Worte zu fassen. Erst wird von einem brennenden Meteor gesprochen, der eingeschlagen haben soll, doch der Meteor entpuppt sich dann als ein weiß-gelbliches Objekt, aus dessen Inneren seltsame Geräusche zu hören sind, eine Art Summen und Atmen.

     

    Wie zum Beweis hält der Reporter das Mikrofon in die Nähe des unbekannten Objekts, um dem Hörer einen Eindruck zu geben. Schließlich steigen grausige Monster aus dem Objekt heraus – die Marsianer sind gelandet. Der Hörer wird mit auf Entdeckungsreise genommen und Zeuge von unglaublichen Szenen, die sich vermeintlich in Grover’s Mill abspielen. Die Verbindung reißt immer wieder ab, dem Reporter ist seine Nervosität und sein Erstaunen deutlich anzumerken, wissenschaftliche Experten von der renommierten Universität Princeton werden zu Rate gezogen, aber auch sie können sich nicht erklären, was sie sehen und hören. Schreiende Menschen und eine diffuse Geräuschkulisse runden die perfekte Inszenierung ab. Die kurzen Sendeunterbrechungen und die Verwirrung der sonst so souveränen Radiosprecher verdeutlichen umso mehr, dass etwas ganz außergewöhnliches stattfindet.

     

    Dabei kam man damals ohne große Studiotechnik aus: Die Theatergruppe des Mercury Theatre agierte live im Studio, schraubte an Gläsern und trommelte auf Bleche, werkelte und schwitzte und bekam die Aufregung um das „radio drama“ während der Sendung kaum mit.

     

    Orson Welles sagte später dazu: „Zwanzig Minuten nach Sendebeginn hatten wir lauter verstörte Polizisten im Regieraum. Sie wussten nicht, wen sie – und warum – festnehmen sollten, aber sie gaben dem Rest der Sendung das gewisse Etwas. Uns dämmerte allmählich – während wir uns mit der Zerstörung New Jerseys weiter abplagten, dass wir die Zahl der Spinner in Amerika unterschätzt hatten“.

     

    Now it´s fiction!

    Die Originalaufnahmen des Hörspiels wurden zwar für die Veröffentlichung auf CD noch nachgebessert - aber die Klangqualität ist natürlich nicht das, was unsere verwöhnten Ohren heute gewöhnt sind. Der Hörer von heute hat nicht nur mit der englischen Sprache zu kämpfen, sondern muss sich schon ziemlich konzentrieren um dem unglaublichen Geschehen folgen zu können. Für Hörspielfans, Nostalgiker und Medienkritiker sollte das aber kein Hindernis sein, denn dieses einzigartige Tondokument ist ein Medienmuseumsstück von höchster dramaturgischer Qualität. Hilfreich für Einordnung und das Verständnis der Hintergründe ist das beigefügte Booklet, in dem der Hörverlag für diese Edition Historisches, Zitate und Zahlen zusammengestellt hat.

     

    Der junge Orson Welles legte mit dieser Aufführung den Grundstein seiner Berühmtheit und wurde in den folgenden Jahren einer der Großen in Hollywood. Der Autor, Regisseur und Schauspieler schrieb schon drei Jahre später mit dem Film „Citizen Kane“ erneut Mediengeschichte - obwohl die Lebensgeschichte eines Medienmagnaten an der Kasse zunächst floppte. Trotz seiner Erfolge beim Film blieb Orson Welles in erster Linie ein Radiomann, der Amerika und der Welt vor Augen führte, wie manipulierbar die Massen sind. Auch wenn das gar nicht seine erklärte Absicht war. Eine Debatte über die Medien hat er in jedem Fall ausgelöst und es musste damals versprochen werden, dass die Worte „we interrupt this program“ nicht mehr für dramaturgische Zwecke missbraucht werden dürften. Heute ist die  Diskussion über die weit verbreitete „Inszenierung der Wirklichkeit“ aktueller denn je.  Massenweise Dokufictions zielen auf eine Aufweichung der Grenze zwischen Fiktion und Dokumentation ab und verletzen damit, im Gegensatz zu Welles, mutwillig journalistische Grundsätze. Da sagt dann aber niemand: "We interrupt this program - now it`s fiction".


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