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    TITEL kulturmagazin
    Donnerstag, 27. April 2017 | 09:07

     

    Dieter Forte: Martin Luther und Thomas Münzer

    14.03.2004

     

    Luther der Beschissene und Fugger der Bescheißer

    Dieter Fortes Theatererfolg in Hörspielform unterwirft die Geistesgeschichte der Allmacht der Ökonomie, bringt aber kaum Licht ins Dunkel des Zeitenumbruchs – und spärliche Hörfreude.


     

    Allein der Untertitel schreckt. Die Einführung der Buchhaltung. Es war 1970, als Fortes Stück erschien, wohl die Zeit für derlei Nüchternheiten, gesellschaftliche Inventurkunst, schmerzhaft klares Analysieren. Und der Ansatz gab dem Ganzen ja durchaus Recht: 40 Inszenierungen in zehn Ländern – ein wahrer Welterfolg!

    Exakt 500 Jahre nach Luthers Geburt geht Forte dann an eine Hörspielfassung, 20 Jahre später liegt sie nun – vom SWR produziert – vor. Zurückgeworfen auf das Wort, die Bildsprache des Theaters entbehrend wird sich dieser Erfolg nun aber nicht mehr wiederholen. Vorweg: Ein steifes Dialogisieren bricht sich da Bahn, angetrieben von einem zwar vernunftbegabten Motor, dem jedoch allzu früh der scharfe Brennstoff ausgeht.

    Steifes Dialogisieren

    Die entscheidenden Jahre Luthers –Thesenanschlag, Reichsnacht, Wartburg, Bibelübersetzung – werden von Forte zu einem Schattenspiel der Macht degradiert. Nichts von alledem entsprang der Autonomie eines Subjekts, allesamt waren es Zwangshandlungen, schiere Reflexe auf obskure Marktgeschehnisse. Soweit auch zur Idee und Apologie des Untertitels. Forte selbst: „Vieles, was so schockierend scheint, ist der Wissenschaft längst bekannt. Daß wir trotzdem nur das wissen, was in ein bestimmtes Raster passt, iss dieses Stück, das sich an Tatsachen hält (sic!), unser Gesellschaftsbild so auf den Kopf stellt, sollte uns isstrauisch machen. Was ist uns da bisher erzählt worden?“ Selbstverständlich ist das von Interesse, nur werden durch die Hörspielfassung die Schwächen des Textes jetzt augenscheinlich.

    Hier steht es nun, er kann nicht anders!

    Die Rahmenhandlung hält gar keine von den 200 Minuten Dialog zusammen und die stelzbeinige Regie von Hartmut Kirste trägt ein übriges Übel dazu bei. Ein Beispiel: Fast die gesamte dritte CD ist durchtönt von einer zermürbenden Dauerpauke, womöglich noch in der Einfalt, Spannung zu erzeugen. Das völlig schematische strophenweise Einflechten eines Liedes raubt einem schließlich den letzten Aufmerksamkeitsfunken, da hilft auch keine noch so anständig gemachte erste Stunde. Diesem Trauerspiel eines l´art sans l´art fallen dabei – Gott sei´s geklagt! – echte Sprecherlegenden wie Christian Brückner und Charles Wirths zum Opfer. Dabei wimmelt das Szenario doch von stimulierenden Geschöpfen: Friedrich von Sachsen, Kaiser Maximilian samt seinem Enkel Karl, der Papst. In dieses Bermudadreieck der Macht, in dessen Zentrum Fugger aufragt, gerät Doktor Luther. Seine 95 Thesen – eigentlich nur dazu gedacht, gelehrte Dispute anzuheizen – werden alsbald zu politischen Zwecken missbraucht. Damit wird Luther mal zum Joker, mal zum Schwarzen Peter im Moneten-, Macht- und Monotheismusgerangel. Und als ob das nicht schon schlimm genug, Luther nicht schon hart genug ins Gras geschlagen worden wäre, steht er die letzten 60 Minuten mit aller Ausschließlichkeit als beinharter Hüter einer gnadenlosen Weltordnung da, in der jedes Verbrechen gegen die Obrigkeit mehr wiegt als hundert Verbrechen der Obrigkeit am Volk. Hier wird die Gegnerschaft zu Thomas Münzer zugespitzt, die dem Stück noch einmal Schwung, Atem unter die lahmen Flügel husten soll. Doch nichts. Statik. Mechanik. Mit dem Appeal einer blanken Bilanz. Das war´s.

    Christoph Pollmann


    Dieter Forte: Martin Luther und Thomas Münzer oder Die Einführung der Buchhaltung. Hörspiel mit Tilo Prückner, Peter Lieck, Christian Brückner u.v.a. 3 CDs mit Booklet. Der Audio Verlag 2003. 199 Minuten. 22,95 Euro.

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