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    TITEL kulturmagazin
    Freitag, 26. Mai 2017 | 07:32

    Diverse: Wiesngschichten

    18.09.2010

    Rummelbummel im Trachtenfummel

    Am 18. September braust durch München, den beschaulichen Moloch an der Isar, ein Ruf wie Donnerhall: O´zapft is! Das große Besäufnis, das sich „Wies´n“ nennt, wird satte 200 Jahre alt. Für die Münchner heißt es dann: Flüchten, Meckern oder - Mitmachen. MIRJAM STUTZMANN hat vorab eine Jubiläumspublikation untersucht. Kam dabei Festzeltlaune auf?

     

    Der obligatorische Karl Valentin, Gerhard Polt, die Biermösl Blosn, der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude, die Otto Schwarzfischer Kapelle – sie alle finden sich auf der CD, die pünktlich zum 200jährigen Jubiläum der Wies´n vom Hörverlag herausgegeben wird. Inspiriert wirkt die Zusammenstellung aber nicht, eher bemüht.

     

    Die „Oktoberfestliche Moritat“ von Eugen Roth, dem  Münchner Lyriker, der dieses Jahr 115 Jahre alt geworden wäre, macht den Anfang. Der Versuch, sich historisch an das Thema anzupirschen, gerät jedoch insgesamt etwas langatmig. Und auch wenn sich einige Verse zeitloser Aktualität erfreuen, so wirken andere, wie zum Beispiel die Anspielung auf erschwingliche Bierpreise von damals, längst veraltet:

     

    „Wo man mit Fasching, Maibock, Dulten

    und and`ren fröhlich-feuchten Kulten

    des Jahres trägen Ablauf kürzt

    und preiswert sich den Alltag würzt.“

     

    Hörprobe

    Breite Einstimmung

    Mag sein, dass die Lyrik von Eugen Roth in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts noch für Schenkelklopfer gesorgt hat, heute lockt sie kaum einen (Sau-)Hund mehr hinterm Ofen vor. Und selbst wenn danach noch der „Bayerische Defiliermarsch“ von der Oktoberfestkapelle Otto Schwarzfischer ertönen darf, mag im Bierzelt noch fleißig dazu geschunkelt werden, zuhause im Wohnzimmer aber kommt keine Laune auf.

     

    Die beiden Stücke der Biermösl Blosn allerdings, die sich nicht scheuen, auch Themen wie „Fremdenfeindlichkeit auf der Wies´n“ anzusprechen, sind hingegen absolut hörenswert. Das Lied „Welcome to Bavaria“ ohrwurmt sich musikalisch zwar harmlos dahin, ist inhaltlich jedoch ein geradezu brodelnder Kelch satirischer Säuren:

     

    „Welcome to Bavaria, welcome to jodeling area

    through mountain, lakes, nice countrysides

    and bavarian Gemütlichkeit.

    We are we and we write us us,

    it’s bavarian liberalitas.

    We are the Jesus mountain chetnicks

    fighting for the Kruzifix!”

     

    Positiv überraschen kann auf der CD sogar Christian Ude. Den amüsanten Plaudereien über sein Oberbürgermeisteramt hört man einfach gerne zu und erfährt so nebenbei, dass er nachts keine Schafe, sondern die 800 Millionen Chinesen zählt, die ihm beim Anstich des ersten Bierfasses am Eröffnungstag der Wies´n zusehen.

     

    Insgesamt bieten die Wiesngeschichten eine breite (sic!) Einstimmung auf die bevorstehenden drei Wochen Münchner Wahnsinn. Die Erwartbarkeit der Zusammenstellung zeitigt dann halt ein entsprechend konturloses Ergebnis für den Massengebrauch.

     

    Wenn dann aber Karl Valentin und Liesl Karlstadt nach ein paar Maß und einem Karussellbesuch noch in Hut und Handtascherl reihern dürfen, dann scheint er doch noch gelungen, der große Bogen vom historischen zum modernen Oktoberfest.


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