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    TITEL kulturmagazin
    Montag, 24. Juli 2017 | 22:35

    Kristof Magnusson: Das war ich nicht

    13.09.2010

    Screwball ohne Schnickschnack

    Erst der Porno, dann die Pleite betitelte Henryk M. Broder seine Rezension des Romans von Kristof Magnusson. MIRJAM STUTZMANN hat jetzt die Hörbuchversion des Bestsellers unter die Lupe genommen. Dabei hat sie sich gut amüsiert und festgestellt, dass die Hörfassung manches sogar besser kann.

     

    Man könnte Kristof Magnusson durchaus visionäre Fähigkeiten zusprechen. Hat er doch zu einer Zeit über den Crash des globalen Finanzmarkts geschrieben, als bei uns nur Insider wussten, wer die Lehman Brothers sind. Erfreulicherweise wird in Das war ich nicht aber nicht das erwartbare triste Bild vom gestressten Börsenspekulanten strapaziert. Magnusson überrascht durch eine tiefgründigere und amüsante Sicht auf diese zumindest Außenseitern doch ziemlich verborgene Welt, eingebettet in eine Geschichte, die aus drei Perspektiven erzählt wird. Die drei Schauspieler Fritzi Haberlandt, Dietmar Mues und Jens Harzer bringen etwas Ordnung in das wirre Hund-Katze-Maus-Spiel, das in Chicago und an der nordfriesischen Waterkant seine Pirouetten dreht. Die Hörbuchfassung macht die ohnehin gelungene Romanvorlage noch bekömmlicher.

     

    Tief in den Schlammassel manövriert

    Ein alternder Schriftsteller in Chicago, ein Möchtegern-Börsenspezialist und eine Übersetzerin aus Norddeutschland - drei Menschen, drei Leben wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten:

     

    Der Schriftsteller Henry LaMarck lebt in Chicago und sollte schon längst seinen neuen Jahrhundertroman abgegeben haben. Seine Schreibblockade verhindert aber jeden kreativen Prozess in seinem Kopf. Dietmar Mues spricht den alternden Schriftsteller mit großer Lässigkeit, mit einer manchmal arroganten amerikanischen Überheblichkeit und manchmal mit kleinlauten Tönen. Denn LaMarck hat auch Momente des Selbstzweifels und sein Egoismus verhindert jede zwischenmenschliche Nähe. Diese emotionale Breite vermag Dietmar Mues mit großer Leichtigkeit abzubilden.

     

    Meike Urbanski ist Mitte 30, sitzt in ihrem renovierungsbedürftigen Haus in Nordfriesland und wartet auf das neue Werk von LaMarck um es für die deutschen Leser zu übersetzen. Fritzi Haberlandt, selbst so alt wie Meike, mischt zu norddeutscher Schnodderigkeit die Naivität einer Frau, die noch nicht ganz im Erwachsenenalter ankommen will und gibt als  Literaturübersetzerin ein sehr stimmiges Bild ab. Meike hängt sowohl finanziell als auch in ihrem großen Lebensplan noch irgendwo in der Warteschleife fest. Sie sucht sich selbst, den Sinn des Lebens und vor allem den Autor Henry LaMarck. Trifft dann aber nur auf Jasper, den Banker. Der hat sich selbst auf die Karrierespur im Big Bank Business gesetzt und dabei vergessen, sein Leben heute zu leben. Als Jasper bereits einige krumme Börsengeschäfte getätigt hat und sich dadurch schon tief ins nicht mehr abwendbare Schlamassel hineinmanövriert hat, wird er von Henry LaMarck verfolgt, der in ihm seine Muse und zukünftigen Anlageberater sieht. Schließlich findet Jasper Meike ...

     

    Hörprobe DAS WAR ICH NICHT

    Zum Tanzen bringen

    Der vor allem als Theaterschauspieler bekannte Jens Harzer spricht die Rolle des Bankers unglaublich gut. Sein Jasper ist analytisch, die Stimme monoton und manchmal sogar dem Wahnsinn nahe. Dann gibt es aber Passagen, da klingt er erstaunlich souverän, selbstsicher und sogar lebenserfahren. Seine stimmliche Bandbreite wirkt an sich sehr limitiert und reduziert, aber genau diesen schmalen Raum nutzt er voll aus, um den undurchsichtigen Charakter des Börsenhändlers Jasper darzustellen.

     

    Bis man als Hörer die Verbindungslinien der drei verstanden hat, dauert es eine Weile. Dabei hat das Hörbuch dem Roman gegenüber einen großen Vorteil: Die drei Perspektiven werden durch die Sprecherstimmen unterscheidbar, was die ständigen Wechsel zwischen den drei Ich-Erzählern leichter nachvollziehbar macht. Die Handlung kommt zwar zeitweise nur schleppend in Fahrt, weil eine Begebenheit manchmal aus drei unterschiedlichen Blickwinkeln wiedergegeben wird, aber genau diese weitschweifigen inneren Monologe lassen einem auch die Figuren näher kommen. Man kann beinahe Empathie für diese Charaktere empfinden, die sich, jeder für sich, in einer anderen ausweglosen Situation befinden, die von Handlungen anderer abhängen und aus eigener Kraft nicht mehr in die Normalität zurückfinden.

     

    Das Hörbuch Das war ich nicht ist eine unaufwändige, minimalistische Produktion, die ohne Musik und Untermalung auskommt – durch drei Sprecher, die es schaffen, diese kleine Screwball-Komödie zum Tanzen zu bringen.

     

     

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