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    TITEL kulturmagazin
    Montag, 24. April 2017 | 01:41

    Daniel Kehlmann: Unter der Sonne

    19.04.2010

    Nicht vordergründig abgründig ...

    ... und auch nicht grundlos fordernd: Kehlmanns Kurzprosasammlung Unter der Sonne überzeugt nicht zuletzt durch eine schnörkellose Sprache und subtil nach oben strebende Spannungsbögen. Das funktioniert auch und gerade als Hörbuch. Von CHRISTIAN NEUBERT

     

    Es ist ja so: Hat man ein Buch richtig lieb gewonnen, gerät man leicht in einen Konflikt mit den vertonten Hörbuch-Fassungen, da einem die Arbeit der Sprecher unangenehm als zu stark akzentuiert und daher irgendwie künstlich, gekünstelt aufstößt. Oder das Gegenteil ist der Fall – man ist versucht, dem Sprecher Fahrlässigkeit im Umgang mit dem Text zu unterstellen, da er bestimmte Passagen oder auch einzelne Worte, die einem wichtig erscheinen, leichtfertig übergeht.

     

    Im Falle von Unter der Sonne werden mit Sicherheit auch Stimmen dieser Art laut werden. Das ist unvermeidlich. Dennoch sei an dieser Stelle gesagt: Die Schauspieler Burghart Klaußner, Ulrich Pleitgen und Matthias Brandt, die als Sprecher für jeweils eine der insgesamt vier Geschichten beauftragt wurden, leisten allesamt sehr gute Arbeit. Der Autor selbst übernimmt die Lesung der letzten auf den beiden CDs versammelten Erzählungen. Auch er macht seinen Job gut. Doch gemessen an der Leistung seines Vortrags wird dem Hörer der Wert einer guten beziehungsweise gut ausgebildeten Erzählstimme deutlich aufgezeigt.

     

    Kehlmanns Prosa in aller Deutlichkeit

    Mit feinem Gespür für Sound und Tempo kitzeln die Sprecher das aus den Texten heraus, was diese zu starken Prosastücken macht: die bei aller Präzision und Markanz im Grunde eher bedächtigen, zurückgenommenen Vorträge entsprechen genau den bodenständigen, fest im Hier und Jetzt verankerten Schilderungen Kehlmanns. Hier benötigt die Spannung keinen Rückhalt im Abstrakten, sie erwächst, zunächst schleichend, aus dem Alltäglichen, furchtbar Gewöhnlichen. Aus dem gleichen Fundus sind die Protagonisten geschöpft, die niemals Allegorie, sondern immer Exempel sind, und denen, obwohl sie oft nicht nur im Detail bizarr erscheinen, nichts augenscheinlich Ungewöhnliches anhaftet.

     

    Ohnmacht ist der rote Faden, der die vier Erzählungen als verbindendes Element zusammenhält. In der ersten Geschichte, von der die Sammlung ihren Titel erhalten hat, erhofft sich ein Literaturwissenschaftler eine späte Genugtuung, indem er sich aufmacht, das Grab eines Schriftstellers, der ihn zeitlebens ignoriert hat, zu besuchen. Im zweiten Text, Kritik, sieht sich ein Schauspieler, der sich im Flugzeug unterwegs zu seinem Auftritt befindet, einem unverfrorenem Kritiker ausgeliefert. Die dritte Erzählung, Töten, beschreibt in nüchterner Annäherung, wie Langeweile und Ausgeliefertsein eines Schuljungen in scheinbar unmotivierter Gewalt gipfeln. Die letzte Geschichte der Sammlung, Schnee, schildert schließlich, wie die Urkraft der Elemente einen Geschäftsmann auf seinem Nachhauseweg in die Knie zwingen.

     

    Es ist müßig, aus den vier Texten einen Favoriten hervorzuheben. Das bleibt jedem selbst überlassen. Jeder einzelne ist auf jeden Fall eine Empfehlung wert. Die Sprecher sind gut für ihre jeweilige Geschichte gewählt. Eine Sache hat Kehlmanns Erzählband in Buchform seiner vertonten Fassung allerdings voraus: Er enthält zwei weitere Stücke, was ein nicht zu unterschätzender Vorteil gegenüber dem Hörbuch ist: Denn Kehlmanns Kurzprosa macht definitiv Lust auf mehr.

     

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