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    TITEL kulturmagazin
    Dienstag, 30. Mai 2017 | 11:07

    Lewis Carroll: Alice im Wunderland / Hörspiel

    29.03.2010

    Ein Wunderland für die Ohren

    Im Zuge der neuen Verfilmung von Tim Burton werden verschiedene Hörspielinszenierungen von Alice im Wunderland auf den Markt geworfen. Aufgewärmtes und Neu-Inszeniertes ist dabei, einen kleinen Überblick verschafft MARTIN BEYER.

     

    Alice im Wunderland als kunterbunter 3D-Blockbuster ist zu Tim Burtons kommerziell erfolgreichstem Kinofilm geworden. Wer allerdings das Kino verließ und enttäuscht war über eine allzu schematische Disney-Emanzipationsgeschichte mit einem hochnotpeinlichen Ende („Tanzeinlage“) – der wird sich fragen, was das alles überhaupt noch mit dem Original von Lewis Carroll zu tun hat. Die einfachste Lösung wäre natürlich, die beiden Bücher Alice im Wunderland und Alice hinter den Spiegeln zu lesen, wer es aber lieber multimedial mag, der wird derzeit von gleich drei Hörbuchverlagen mit Hörspielumsetzungen bedient … nun, wer will es den Programmplanern verdenken.

     

    Am einfachsten hat es sich dabei der Deutsche Audio Verlag (DAV) gemacht, der eine Hörspielinszenierung des SWR von 1958 aus der Archivkiste geholt und als „kindgerechte“ Version auf CD gepresst hat. In gut fünfzig Minuten wird einem die Geschichte erzählt: Übersetzung und Aussprache sind in der Tat old-fashioned, dürften aber dem Original am nächsten kommen. Geräusch- und Musikkulisse wirken, gerade im Vergleich zu den modernen Adaptionen, noch keineswegs antiquiert, einige gute Einfälle und äußerst versierte Sprecher transportieren den Nonsens-Charme der Buchvorlage sehr ordentlich in das andere Medium. Schmerzhaft sind natürlich einige Kürzungen, so fallen Lieder und Gedichte bis auf zwei Ausnahmen unter den Tisch, von der Hummerquadrille etwa fehlt jede Spur. Es ist aber noch immer lohnenswert, sich diese Inszenierung anzuhören, das SWR-Hörspiel wirft zudem einen Schatten auf die modernen Nachfolger – ein Schatten, der zumindest eine der neuen Varianten vollständig überdeckt.

     

    Caroll - Alice im Wunderland DAV

    Alice wundert sich nicht im Wunderland

    Der Münchner Hörverlag legt eine Inszenierung von 1999 vor, die mit über 90 Minuten Spielzeit am umfangreichsten, aber auch schlichtweg am langweiligsten ist. Natürlich steht und fällt die Inszenierung mit dem Erzähler und der Sprecherin von Alice und – was in beiden anderen Inszenierungen gut gelingt – mit dem Zusammenspiel dieser beiden Erzählinstanzen. Das ist hier ziemlich dröge geraten. Sicher, es ist schwer zu sagen, was in einem vorgeht, wenn man sich um ein vielfaches vergrößert oder auf die Größe einer Maus schrumpft, aber DASS etwas in einem vorgeht, ist doch anzunehmen, auch bei einem fantasiebegabten Kind, das so schnell nichts aus der Fassung bringt.

     

    Die Alice in diesem Hörspiel mag sich nun mehrfach wie ein Ausziehfernrohr verkleinern und vergrößern, sie mag den wunderbarsten und wunderlichsten Situationen und Figuren begegnen, alles wird stets mit demselben Gleichmut aufgenommen. So wird aus dem Tränensee eine harmlose kleine Pfütze, jede Kuriosität löst nur ein leises Oh! und Weh! aus. Das kann man einer jungen Sprecherin kaum vorwerfen, aber der Regieführung ist es doch anzukreiden, dass diese Alice einfach zu niedlich und zu regungslos bleibt, um ihr über 90 Minuten gerne zuzuhören. Das gilt auch für den Erzähler, der hier kaum Atmosphäre erzeugen kann, der das Wunderliche und den Witz der Geschehnisse routiniert an seine Hörer weitergibt, aber Routine ist genau das, worum es hier nicht geht. Auch die Musik und die Geräusche bringen, im Vergleich zur Fassung von 1958, kaum neue Einfälle, irgendwie ist diese Alice in vielerlei Hinsicht zu biederbrav geraten.

     

    Lewis Carroll spielt gerne mit Logik

    Viel besser gelungen ist das alles bei der Adaption des Labels Titania Medien im Vertrieb von Lübbe Audio. Hier handelt es sich gewissermaßen um den Testsieger dieser kleinen Rundschau. Regisseur Marc Gruppe ist gewiss am freiesten und am spielerischsten mit der Textvorlage umgegangen: Das dürfte Puristen stören, das sorgt unter dem Strich aber für viele gute Einfälle und Dynamik. Gerade das witzige Zusammenspiel von Erzähler und Alice mit zahlreichen Verfremdungseffekten ist in dieser Form originell und gibt dem Ganzen das nötige Tempo. Diese Alice lebt, leidet und wundert sich in diesem merkwürdigen Land, sie schnauft, lacht und weint, und der Erzähler ist nie um einen launigen Kommentar oder eine neckische Aufforderung verlegen.

     

    Die anderen Figuren werden von bekannten Synchronsprechern wie Norbert Langer oder Regina Lemnitz gesprochen (was für ein wunderbares „Kopf ab!“), die ihre Sache sehr gut machen. So wird etwa die Märzhasen-Hutmacherszene zu einem echten Höhepunkt und man spürt den freundlichen Wahnsinn, der in dem Text von Lewis Carroll steckt. Das launig-philosophische Spiel mit Grundsätzen der Logik kommt ebenfalls gut heraus, auch hier ist es allerdings schade, dass Lieder und Gedichte fast vollständig fehlen. Die akustischen Elemente sind wenig aufdringlich und passend, aber ohne verblüffende Einfälle. Für Kinder dürfte diese Inszenierung am spannendsten sein, Erwachsene, die sich des Klassikers erinnern, werden durchaus auch mit der SWR-Inszenierung aus den späten Fünfzigern ihre Freude haben.

     

    Also: Titania Medien auf Position 1, die Inszenierung des SWR hat seinen Charme bewahrt und die Adaption des Hörverlags kann beiden nicht ganz das Tränenwasser reichen.

     

    Ein Hinweis noch am Rande: Lewis Carroll war Mathematiker und hat eine wunderbare Einführung in die Gesetze der Logik geschrieben. Das ist für den Genuss von Alice im Wunderland nicht maßgeblich, aber es ist spannend zu sehen, wie dieser Text mit der einen oder anderen logischen Trickserei spielt. Oder wüssten Sie, ob Sie gerade sehen, was Sie essen, oder doch eher essen, was Sie sehen? Das Spiel der Logik von Lewis Carroll ist im Tropen-Verlag erschienen.

     

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