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    Dienstag, 30. Mai 2017 | 11:10

    Karin Mölling erzählt: Das Leben der Viren

    18.03.2010

    Die Viren und wir

    Umfangreiches und für den Laien verständliches Basiswissen aus dem Leben der Viren kann man sich seit Neuestem bequem über den Kopfhörer aneignen – dank Karin Mölling und dem Hörbuchverlag supposé. Von CHRISTIAN NEUBERT

     

    Karin Mölling ist Leiterin des Instituts für Medizinische Virologie an der Universität von Zürich und eine Koryphäe auf dem Gebiet der AIDS-Forschung. Einen mit Sicherheit bescheidenen, für den ungeschulten Hörer jedoch erhellenden Teil ihres geballten Wissens aus 40 Jahren Forschungsarbeit macht sie nun, komprimiert auf zwei Audio-CDs mit einer Spieldauer von insgesamt 135 Minuten, einer Hörerschaft abseits der Fachwelt zugänglich.

     

    Eher Hörsaal als Hörbuch

    Das Leben der Viren dabei als Hörbuch zu deklarieren, ist zunächst einmal unzureichend. Schließlich gibt es keine Buchvorlage, die man einfach hätte vertonen können. Es ist vielmehr ein eigens für die Produktion der CDs festgehaltener Vortrag der Professorin. Karin Mölling liest hier nicht vor – sie hält eine Vorlesung. Freilich wird sie sich an ein Skript gehalten haben, doch was den Virenvortrag so angenehm zu hören macht, ist Möllings freie Rede. Das dabei einige Versprecher und grammatikalische Fehler nicht vermieden werden können, dürfte klar sein – und tut der Sache keinen Abbruch. Im Gegenteil: Der Referat-Charakter des Vortrags ist ausschließlich als Gewinn zu betrachten, da er den Hörer persönlich in Beschlag nimmt und dem nüchternen, wissenschaftlichen Umgang mit der Thematik die Sterilität raubt.

     

    Neuer Ansatz zur Bekämpfung von HIV

    Die erste der beiden CDs befasst sich, grob gesprochen, mit dem Virus im Allgemeinen; Geschichte und Methoden der Virenforschung werden von Mölling erschöpfend erläutert. Sie distanziert sich hier von der üblichen Antihaltung und dem Kampfvokabular, mit dem jene Grenzgänger zwischen lebender und toter Materie von uns bedacht werden, da ihnen ein pauschales Abstempeln als Krankheitserreger nicht gerecht wird. Zum Ende der CD wird schließlich das HI-Virus als zentrales Thema eingeführt, das auf der zweiten CD dann ausführlich behandelt wird. Hier breitet die Züricher Professorin einen von ihr aktuell erforschten, neuartigen Ansatz zur Bekämpfung von HIV aus. Bei diesem soll das Pferd von hinten aufgesattelt werden – anstatt nach einem Medikament zu forschen, das die Ausbreitung des Virus im Körper hemmen soll, forscht sie nach einer Methode, durch die das Virus dazu gebracht werden soll, den Schritt zu seiner Vermehrung zu früh durchzuführen. Auf diese Weise wird es eventuell möglich sein, HI-Viren in den Selbstmord zu treiben, bevor sie eine Zelle befallen können.

     

    Der für sein Gesamtprogramm mit dem Deutschen Hörbuchpreis und dem Kurt-Wolff-Preis für besondere Projekte ausgezeichnete Verlag supposé tat, wie eingangs bereits angedeutet, gut daran, auf eine Transkription von Möllings freier Rede und den Einsatz eines professionellen Sprechers zu verzichten, da die Unmittelbarkeit des Vortrags ansonsten verlorengegangen wäre. Man kann Möllings lebendiger Erzählung insgesamt gut folgen, nur zum Ende hin verlangt sie dem Hörer einiges an Konzentration ab, damit dieser nicht den Faden verliert. Dies liegt daran, dass nach und nach immer mehr Fachbegriffe etabliert und entsprechend öfter verwendet werden. Die Ursache dafür man kennt das ja ist sicher auch darin zu finden, dass zum Ende der Vorlesung die Aufmerksamkeit, die dem Dozenten geschenkt wird, schlicht und ergreifend nachlässt.

     

    Mölling hat es verstanden, ihren Fachbereich für den Laien in interessante und aufschlussreiche Worte zu verpacken. Der Verlag wiederum hat die beiden CDs in einer schönen Papphülle verpackt, inklusive elektromikroskopischer Aufnahmen von HI-Viren und ein von Mölling liebevoll handgeschriebenes und -gezeichnetes, 20-seitiges Booklet, das während ihrem Vortrag den klassischen Einsatz von Flipcharts ersetzt. Die Frage, warum auf dem Cover neben der Professorin ausgerechnet ein Fußball zu sehen ist, wird dann beim Anhören beantwortet – von einer, die sich auskennt.

     

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