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Dienstag, 28. März 2017 | 12:10

Thomas Meinecke & Move D: WORK

22.02.2010

Wenn aus Arbeit Freude wird

Das für den Bayerischen Rundfunk produzierte Hörspiel collagiert nachgesprochene Zitate aus dem US-amerikanischen House-Underground mit eigens eingespielten Tracks und beleuchtet die unterschiedlichen Bedeutungen des Wortes work. Von TOM ASAM

 

Es ist nicht das erste Mal, dass Thomas Meinecke (Suhrkamp-Autor, Texter und Sänger von F.S.K.) und Move D alias David Moufang (Musiker, Produzent, DJ, Labelgründer) gemeinsam – und erfolgreich – für den Bayerischen Rundfunk tätig werden. Ihr Werk übersetzungen/translations wurde 2007 mit dem Karl-Sczuka-Preis für Radiokunst ausgezeichnet.

 

Im Zentrum der neuen Hörspielarbeit von Meinecke und Moufang steht das Wort work und seine unterschiedlichen Konnotationen in der US-amerikanischen Subkultur. Bereits in den 1920er-Jahren benutzte man die Bezeichnung working girls für junge, berufstätige Frauen, die die männliche Vormachtstellung nicht nur in den Bürogebäuden unterminierten. Sie nahmen es sich auch heraus, zum Glimmstängel zu greifen und in die sexuelle Selbstbestimmung aufzubrechen. Der Begriff working girl wurde zeitgleich auch für die Bezeichnung von Prostituierten benutzt. In der Folge wurde work immer häufiger zum Slang-Ausdruck für selbstbestimmte, nicht selten sexuell abweichende Aktivitäten. Die Underground „Househeads“ aus New York, Chicago oder Detroit verwenden die Vokabel bis heute als sexuelle Metapher, „die hier aber, zumal oft sehr dialektisch bipolar kodiert, nicht dem (handels-)üblichen Sexismus dient, sondern (im Dreieck der Diffamierungen race, class und gender) kritisches Potential entfaltet“, wie es arg akademisch im Pressetext heißt.

 

Für Thomas Meinecke, seit Jahren äußerst interessiert an Techno und Gender-Diskursen, ein gefundenes Fressen. Zusammen mit Move D, der mit seinem Label Source Club- und Chill-Out-Musik fusioniert(e), entstanden mit Hilfe unzähliger Samples Move-D-typische Tracks. Diese werden versetzt mit Berichten von Zeitzeugen aus der legendären New Yorker „Paradise Garage“, gesprochen von einem der dienstältesten DJs der deutschen House-Szene, dem gebürtigen Kalifornier Eric D. Clark – und wiederholt von Meinecke.

 

Techno-Musik und Gender-Diskurse

„Paradise Garage was the only place where I could be myself“, heißt es, um die Faszination von Mode, Sexualität und musikalischem Ausdruck im Paradise Garage, einer von 1977 bis 1987 in New York existenten (Gay-)Disco, zu beschreiben. Dient Meineckes Nachsprechen von Clarks (seinerseits bereits zitierten) Texten einem besseren Verständnis? Spiegelt es die Übertragung und Übernahme von subkulturellen Codes in einen großflächigen Mainstream-Markt wider? Oder handelt es sich gerade um einen Verweis auf die Unmöglichkeit, Authentizität zu übertragen? Man kann sich solche Fragen stellen; oder auch: Was hat diese trockene House-Music letztlich mit dem New York von 1979 zu tun oder damit, was man später in Anlehnung an das Paradise in den UK Garage nannte – und später in Dubstep, Grime und weiß der Tanzteufel was ausfranste? Es gibt nur eine Möglichkeit, es herauszufinden: Work it out! And move!

 

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