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    TITEL kulturmagazin
    Montag, 24. Juli 2017 | 22:37

    Franz Hohler liest Franz Hohler

    05.01.2009

    Zufälle und Unglücksfälle

    Wie aberwitzig, grotesk und tragikomisch der ganz normale Alltag sein kann, eröffnet uns der Schweizer Franz Hohler in seinem neuesten Hörbuch. Von INGEBORG JAISER

     

    Als Kabarettist zog sich der 65jährige Franz Hohler bereits Anfang 2008 von der Bühne zurück, doch als Schriftsteller mag er nicht in den Ruhestand treten. Der Stoff für Literatur wird dem genauen Beobachter und geübtem Zuhörer, dem lustvollen Flaneur und ambitionierten Wanderer wohl niemals ausgehen. Ob er nun Menschen, Tiere oder Pflanzen beschreibt – kein Detail, keine noch so kleine Nuance entgeht seiner Aufmerksamkeit.

    „Das Ende eines ganz normalen Tages“ versammelt 36 alltägliche Texte ganz unterschiedlicher Couleur: Kurz- und Kürzestgeschichten, Erzählungen, Reiseimpressionen, Essays, Dramolette, Anekdoten, Momentaufnahmen. Mal humorvoll und komisch, mal bissig und satirisch, mal nachdenklich und melancholisch – aber immer gerade heraus, mit klarem, unverstelltem Blick und einer guten Portion Sympathie. Vieles davon ist sicherlich nicht als große Literatur angelegt, sondern entstand quasi nebenbei: auf den zahlreichen Reisen zu Auftritten und Lesungen, auf Spaziergängen und Wanderungen, beim Einkaufen oder Fernsehen.

    Literarische Miniaturen

    Ihren einzigartigen Charakter entfalten Hohlers Texte am ehesten dann, wenn sie von ihm selbst gelesen werden. Auch wenn seine ruhige, vom Schweizer Idiom gefärbte Stimme Gleichförmigkeit und Bedächtigkeit vorgaukelt, brodelt es unter der Oberfläche der Worte. Da liegen Komik und Kritik, Witz und Weisheit oft nah beieinander, wenn der Autor vom abstrusen Rabatt-Aktionskauf ökologisch abbaubarer Unterhosen berichtet („Gutscheine“) oder von einer ernüchternden Reise durchs vermeintlich „Gelobte Land“. Dabei verleiht Hohler seinen Geschichten stets eine persönliche Färbung: mal sind es Reflexionen über das Älterwerden, mal biographische Notizen zu seinen Vorfahren, mal die Beschreibung ganz privater Ereignisse im Schatten großer Katastrophen. Hier setzt auch die Titelstory ein, die beschreibt, wie der Autor am 11. September 2001 nichts ahnend mit seiner Schwiegermutter den Kinofilm „Dr. Dolittle 2“ anschaut, während auf einem anderen Kontinent die Twin Towers einstürzen.

    Im Grunde ist Hohlers Doppel-CD „Das Ende eines ganz normalen Tages“ nicht zum durchgängigen Konsum gedacht, eher zum häppchenweise Goutieren und Auf-der-Zunge-zergehen-lassen. Trotz ihrer kurzen Form sind diese literarischen Miniaturen nicht für Fast-Food-Anhänger geeignet - dafür steckt zuviel Hintersinn und Tiefgang in ihnen. Vielleicht sollte man sie wie Kalenderblätter betrachten, von denen man schließlich täglich auch nur eines abreißt.

     

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