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    TITEL kulturmagazin
    Montag, 24. April 2017 | 22:51

     

    Weihnachtliche Geschenkempfehlungen

    22.12.2008

    Ein Fest für die Ohren

    Heiligabend und immer noch keine Weihnachtsgeschenke? Dabei sollte doch eigentlich klar sein: Seinen Lieben schenkt man ein Buch – und den ganz Lieben ein Hörbuch. Mit den folgenden sieben Hörtipps macht man garantiert nichts falsch. Von SEBATIAN KARNATZ

     

    Schopenhauer goes Kabarett

    Wieder einmal peinlich berührt von der vorweihnachtlichen Stimmung? Wieder einmal in einem Meer von Kitsch fast ertrunken? Wieder einmal so weit gewesen, dass man am liebsten den ewigen Glühwein durch eine stinknormale Pulle Bier ausgetauscht hätte? Dann liebe Leserinnen und Leser, kann diese CD helfen, der friedvollen Weihnachtsstimmung endgültig den Garaus zu machen. Alfred Dorfers wunderbares Programm „Fremd“ bietet Kabarettunterhaltung vom Allerfeinsten: sarkastisch, zynisch und fast ein bißchen menschenverachtend. 18 kleine Giftpfeile von geradewegs bedrohlicher Schärfe schießt Dorfer auf das staunende Hörpublikum ab – und das alles auf einem schwindelerregenden intellektuellen Niveau, gänzlich ohne Ausfälle. Selbst der Weihnachtsmann dürfte bei diesem griesgrämigen Schopenhauer unter den österreichischen Kabarettisten kurz einmal seine gute Laune vergessen. Sagenhaft!

    Alfred Dorfer: Fremd. 1 CD, Laufzeit: 70 Minuten. WortArt 2008. Preis: ca. 15,95 Euro.


    1000 Nackte Frauen

    Lustig ist auch Horst Evers neues Programm. Doch selbstverständlich geht es hier etwas preußisch-gesitteter zu. In kleinen Berliner Alltagsszenen zeichnet Evers ein feines Portrait der deutschen Gesellschaft anno 2008 und macht dabei gleich am Liebsten sich selbst zum Objekt der Lacher. „Schwitzen ist, wenn Muskeln weinen“ ist ein durchgängig fein gewobenes Kabarettprogramm mit etlichen schönen Running Gags, das man allen Freunden gepflegten Humors abseits der Comedy-Trampelpfade bedenkenlos schenken kann. Besonders empfehlenswert: der herrliche Abschlusssong „1000 nackte Frauen“.

    Horst Evers: Schwitzen ist, wenn Muskeln weinen. 1 CD, Laufzeit: 70 Minuten. WortArt 2008. Preis: ca. 15,95 Euro.



    Der König der Vorleser

    Wer seine Verwandten mit einer der wunderbaren Dürrenmatt-Interpretationen Hans Kortes beglückt, wird immer zufriedene Gesichter ernten. Es findet sich in der deutschsprachigen Hörbuch-Landschaft wohl kaum ein besserer Sprecher für die lakonischen literarischen Krimis des großen Schweizers. Dies gilt selbstverständlich ebenso für den „Verdacht“. Auch wenn dieser zweite Bärlach-Krimi nach „Der Richter und sein Henker“ mit seiner moralisch-diskursiven Grundstruktur nicht ganz die abgrundtiefe Wucht von „Das Versprechen“ erreicht, ist auch diese Bearbeitung ein wahres Hörfest.

    Friedrich Dürrenmatt: Der Verdacht. Gelesen von Hans Korte. 4 CDs, Laufzeit: 263 Minuten. Diogenes 2008. Preis: ca. 24,90 Euro.



    Kritik der Disziplin

    Was kommt heraus, wenn zwei gefeierte Jungschriftsteller und Blogger – eine davon immerhin Trägerin des Ingeborg-Bachmann-Preises – einen Lifestyle-Ratgeber schreiben? Die wohl bestmögliche Parodie auf dieses Genre und gleichzeitig ein durchaus erstzunehmender Beitrag zur Wie-schaffe-ich-es-mein-Leben-anständig-zu-leben-Debatte. Passig und Lobo haben das Phänomen der Prokrastination, des ständigen Aufschiebens wichtiger Tätigkeiten, als Leitmotiv des modernen Lebens ausgemacht. Nicht in diesem Aufschieben jedoch, sondern im daraus resultierenden schlechten Gewissen liegt ihrer Meinung nach das Hauptproblem der zeitgenössischen Lebensführung. „Dinge geregelt kriegen“ ist ein humorvoller, faktenreicher Lebensratgeber, der weit klügere Einsichten in die Welt des Alltags vermittelt als alle Feng-Shui-Literatur miteinander. Und weil wir das Lesen auch immer gerne aufschieben, sollte man sich diesen Ratgeber am Besten von Florian Lukas vorlesen lassen.

    Kathrin Passig und Sascha Lobo: Dinge geregelt kriegen ohne einen Funken Selbstdisziplin. Gelesen von Florian Lukas. 3 CDs, Laufzeit: ca. 230 Minuten. Der Hörverlag 2008. Preis: ca. 19.95 Euro.



    Die Musikalität der Sprache

    Große Literatur zu Weihnachten? Es ist also wieder einmal an der Zeit, Versäumtes nachzuholen, Bildungslücken zu schließen und Altbekanntes neu zu entdecken. Dass Joseph Roth immer eine Entdeckungsreise in das Reich der hehren Kunst wert ist, versteht sich von selbst. Diese von Peter Mati? kompetent gelesene Interpretation des Roman-Klassikers „Hiob“ kann da ein Anfang sein. Hier lohnt es sich auf Stefan Zweig zu hören: „An Geschlossenheit des Aufbaus, an Tiefe der Empfindungen, an Reinheit, an Musikalität der Sprache kaum zu übertreffen.“

    Joseph Roth: Hiob. Roman eines einfachen Mannes. Gelesen von Peter Mati?. 5 CDs, Laufzeit: 372 Minuten. Diogenes 2008. Preis: ca. 29,90 Euro.



    Die Leiden des Alltags

    Wiederzuentdecken ist auch der große stille Amerikaner Richard Yates. Seine subtil verkürzten Prosastücke lassen Tief in den Bauch der amerikanischen Gesellschaft blicken. Sie sind Ausdruck des Scheiterns auch der kleinsten zwischenmenschlichen Beziehungen – süße Tristesse mit Sätzen wie in Stein gemeißelt. In diesem Live-Mitschnitt von der lit-COLOGNE erwecken Maria Schrader und Joachim Król Yates Texte zum Leben, während Roger Willemsen klug und gewitzt in Yates’ Werk einführt. Alltagsprosa, die es schafft, den Alltag etwas erträglicher zu machen.

    Dem Vergessen entrissen. Eine Hommage an Richard Yates. Von Joachim Król, Maria Schrader und Roger Willemsen. 1 CD, Laufzeit: ca. 70 Minuten. Random House 2008. Preis: ca. 14,95 Euro.



    Der deutsche Lou Reed?

    Ein Kuriosum zum Schluss: Udo Lindenberg spricht seine eigenen Songtexte zu einem wabernden Soundcocktail des Elektronikduos LEBENdIGITAL. Nach ihrem ersten Projekt, der preisgekrönten Vertonung von Gedichten Jörg Fausers, nun also Udo Lindenberg. Sind seine Texte plötzlich zu Gedichten geworden? Nein, sicherlich nicht. „Mädchen aus Ostberlin“ bleibt ein Song. Gesprochen oder gesungen – egal. Trotzdem entwickelt das Projekt einen derart charmanten Reiz, dass man geradewegs gezwungen ist, dem Chansonier Lindenberg auf diese seltsame Reise durch sein Oeuvre zu folgen. Und was Lou Reed kann, das kann Lindenberg schon lange: Rhythmisch sprechen.

    Udo Lindenberg & LEBENdIGITAL: Lindenbergtracks. 1 CD, Laufzeit: 49 Minuten. Random House 2008. Preis: ca. 14,95 Euro.

     

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