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    TITEL kulturmagazin
    Montag, 24. April 2017 | 01:38

    Alice Schwarzer: Romy Schneider - Mythos und Leben

    08.12.2008

    Der Filmstar und die Feministin

    Am 23.09.2008 wäre Romy Schneider 70 Jahre alt geworden. Zu ihrem Geburtstag ist das von Alice Schwarzer verfasste Porträt „Romy Schneider – Mythos und Leben“ in überarbeiteter Fassung als Hörbuch erschienen. Von INGEBORG JAISER

     

    Dass die Journalistin Alice Schwarzer 1977 in der ersten EMMA-Nummer ausgerechnet die Schauspielerin Romy Schneider porträtierte, trug ihr herbe Kritik ein. Wieso gibt sich eine engagierte Feministin auch mit der lieblichen Sissi-Darstellerin ab, anstatt Fließbandarbeiterinnen zu interviewen?

    „Ne me trahie pas“ (verrate mich nicht) soll Romys erster Satz gewesen sein, als sich die beiden Frauen an einem kalten Dezemberabend in Köln treffen. Sie sprechen kurioserweise Französisch miteinander, obwohl es doch für beide nicht die Muttersprache ist. Während sich Alice Schwarzer darüber freut – drei Jahren nach ihrem Weggang aus Paris, wo sie erst ein Sprachenstudium absolviert und dann als Korrespondentin gearbeitet hat –, ist es für Romy Schneider, die seit langem im Ausland lebt, eine bittere Notwendigkeit. Erst im Laufe des Interviews zeigt sich, dass sie vor allem über früh erlittene Traumata nur auf Französisch sprechen kann, so als ob sich damit der Schrecken auf Distanz halten ließe.

    Die beiden meist beschimpften Frauen Deutschlands

    Doch die Liebe zu Frankreich ist nicht die einzige Gemeinsamkeit. „Wir sind die beiden meist beschimpften Frauen Deutschlands“, stellt Romy Schneider während des Interviews fest. Hier die kämpferische Feministin, dort das vermeintlich süße Filmsternchen, das als Abtrünnige gilt, seit sie Deutschland den Rücken gekehrt hat. Auch aus dieser insgeheimen Verbundenheit resultiert Schwarzers Empathie und Sympathie, ihr tiefes Einfühlungsvermögen für eine tragische, zerrissene, ein Leben lang einsame Frau – ein Schicksal, das doch stets vor einem zeitgeschichtlichen, gesellschaftskritischen und sozialen Hintergrund gestellt und gedeutet wird.

    Denn Rosemarie Magdalena Albach, später Romy genannt, 1938 als Tochter eines Schauspielehepaares in Wien geboren, aufgewachsen bei den Großeltern und in einem Klosterinternat, leidet zeitlebens nicht nur unter einem tiefen Verlassenheitsgefühl, sondern auch unter der Verlogenheit und Verdrängung im Nachkriegsdeutschland (Romys Mutter hatte engen Kontakt zu Nazibonzen gepflegt) und der Unterdrückung durch besitzergreifende, egomanische Männer. Was Romy schon in jungen Jahren an Verachtung und Ausbeutung durch ihren geschäftstüchtigen, kaltschnäuzigen Stiefvater „Daddy“ Blatzheim erfährt, scheint sich als variierendes Muster fortzusetzen: im ungestümen, waffenvernarrten, alkoholsüchtigen Verlobten Alain Delon, im selbstherrlichen Regisseur Luchino Visconti, im tablettenabhängigen ersten Ehemann Harry Meyen. Romy Schneider ist bereits Millionärin (obwohl das Vermögen von ihrem zwielichtigen Stiefvater Blatzheim fast komplett in den Sand gesetzt wird), als sie endlich wagt, sich von Konventionen und Erwartungen zu lösen. Doch ihre Flucht nach Frankreich – ursprünglich der Liebe zu Alain Delon wegen - verleiht ihr den Ruf einer „Vaterlandsverräterin“, wie einst schon Hildegrad Knef und Marlene Dietrich. Hartnäckig kämpft Romy gegen das klebrige „Sissi“-Image an, gegen den – wie sie es selbst nennt – „Kaiserschmarrn“, dreht erfolgreich mit Regisseuren wie Sautet, Visconti, Welles, Chabrol und erhält zahlreiche hochrangige Auszeichnungen.

    Tod an gebrochenem Herzen

    Romy Schneider ist 1982 viel zu früh im Alter von 43 Jahren an Herzversagen gestorben – von den Medien gern als Tod an „gebrochenem Herzen“ hochstilisiert. Tatsächlich ist sie zu diesem Zeitpunkt längst ein psychisches und physisches Wrack, eine zerstörte Frau, durch jahrelange Diäten, Alkohol- und Tablettensucht geschwächt, untröstlich über den Unfalltod ihres erst 13-jährigen Sohnes David. Ihre persönliche Lebens- und Schaffensbilanz ist keine glückliche: Nach eigenem Bekunden hielt sie von den 59 Filmen, in denen sie mitgespielt hatte, gerade mal zehn für gut.

    Das nun erschienene Hörbuch vereint gekonnt den Inhalt von Interviews und Gesprächen, Brief- und Tagebuchzitaten mit den kritischen Recherchen und Anmerkungen Alice Schwarzers. Dabei verleiht Hannelore Elsner der Figur Romy Schneiders eine mal naiv schwärmerische, mal aufbrausend echauffierte, mal depressiv verzagte Stimme – und spielt somit bewegend die ganze Palette innerer Zerrissenheit und ambivalenter Gefühle durch. Alles in allem ein lebendiges, vielschichtiges, faszinierendes Porträt – und ein spannendes Stück Zeitgeschichte.

     

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