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    Dienstag, 30. Mai 2017 | 11:09

    Silberfuchs: Preis der Deutschen Schallplattenkritik

    16.10.2008

    Klingende Kulturgeschichte mit Prädikat

    Der Silberfuchs-Verlag erhält den Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik 2008 für die Hörbuchreihe „Länder hören“ – eine überaus erfreuliche Nachricht in Zeiten oftmals irritierender Auszeichnungs-Entscheidungen. Von SEBASTIAN KKARNATZ

     

    Seit gut drei Jahren bereichern Corinna Hesse und Antje Hinz den deutschen Hörbuch-Markt mit hochgradig musikalischen Hörbüchern und kompakten Kulturgeschichten. Das Wagnis, jeweils ein Land mit einem Hörbuch vorzustellen, sind die beiden Verlegerinnen und Journalistinnen wagemutig eingegangen – und haben zumeist auf ganzer Linie gewonnen. Auch „Titel“ hat bereits Hörbücher aus dieser Reihe vorgestellt und sich überaus angetan gezeigt: „Eine visuell ansprechende Ausstattung mit einer farbintensiven Covergestaltung und informativem Booklet trifft auf höchste Hör- und Informationsqualität. Die steilen Klippen des aufdringlich didaktischen Bildungsfunks umschiffen die Macher wieder einmal sehr geschickt.“ (19. Juni 2008)

    „Länder hören“ zeigt uns in trüben Zeiten der Gewinnmaximierung, dass gerade das Medium „Hörbuch“ sehr viel mehr sein kann als das gelangweilte Vorlesen sattsam bekannter oder gut verkaufter Texte – und natürlich auch mehr als die klamottenhafte Hörspielaufbereitung des neuesten, zumeist schwedischen Krimiverkaufsschlagers. Die CDs dieser Reihe sind kleine Gesamtkunstwerke: Liebevoll verpackt und stets hervorragend eingelesen bieten sie einen Überblick über Kunst und Kultur eines Landes.

    Die Mischung aus Literaturexzerpten, Kulturgeschichte und Musik wirkt stets flott collagiert und lässt trotz hoher Informationsdichte selten Langeweile aufkommen. Wer also zur Vor- und Nachbereitung der Buchmesse das Gastland Türkei mit seiner multikulturellen Mischung aus verschiedensten Einflüssen noch einmal hörend bereisen will, der kommt an „Türkei hören“, das am kommenden Sonntag dem Publikum noch einmal vorgestellt wird, eigentlich nicht vorbei.

    Die Bildungscollagen aus dem Hause Silberfuchs machen dem Hörer klar, dass die Geschichte eines Landes zuallererst aus Geschichten besteht – und gerade das macht den Unterhaltungswert dieser Reihe aus. Mit dem Blick des Eigenen bereist der Hörer die Fremde, unter anderem die Türkei, Japan und China, gewinnt einen Eindruck der kulturellen Vielfalt des jeweiligen Landes und merkt dabei doch, wie nahe sich unsere Kulturen eigentlich stehen.

    Deutschland hören?

    Die neueste Veröffentlichung aus dem Hause Silberfuchs stellt dieses bewährte Konzept jedoch auf eine durchaus schwierige Probe. Was kann der deutsche Hörer von einem Deutschland-Hörbuch erwarten? Und wie wird die Autorin Corinna Hesse hier die ohnehin stets schwierige Gewichtung einzelner Epochen vornehmen? Kann das alles funktionieren? Es kann, wenn auch mit Abstrichen.

    Selbstverständlich bietet „Deutschland hören“ die gewohnt hohe Sprecherqualität: Rolf Becker liest souverän, trifft den Ton der wiedergegebenen Dichtung und bleibt dort sachlich, wo Sachlichkeit geboten ist. Die ausgewählten Musikbeispiele von einem Antiphon über „Eine feste Burg ist unser Gott“ bis hin zu Hindemith und Eisler sind wie immer vorzüglich. Selbstverständlich fehlen auch Größen wie Beethoven und Wagner hier nicht. Literarisch sind Walther von der Vogelweide, Sebastian Brant, Lessing, Goethe und unzählige weitere Dichter und Denker vertreten. An der Auswahl gibt es nur wenig zu kritteln.

    Trotz allem bleiben leichte Bauchschmerzen. War es nicht gerade das Fremde, das sich durch den kritischen Blick der Autoren dem Eigenen annähern konnte? War es nicht die Sehnsucht nach dem Unbekannten, die diese wunderbaren klingenden Kulturgeschichten so herrlich stillten? „Deutschland hören“ kann uns zwar nicht für 80 Minuten in den fernen Hörurlaub schicken – es kann aber helfen, den Blick auf die historische Vielfalt des eigenen Landes zu schärfen. Denn wie auch alle anderen Hörkulturgeschichten zeigt diese CD vor allem eines: Der Mythos der Nation ist ein reines Phantasieprodukt. Wer Lehren aus der deutschen Geschichte gezogen hat, kann keine konstruierte gemeinsame Identität anbeten, sondern muss an einer toleranten Einheit in der Vielfalt arbeiten. Das von Frank-Walter Steinmeier im Vorwort des neuen Hörbuchs ganz zu Recht als deutsches Leitmotto ausgegebene „Streben nach Einheit“ bedarf einer entscheidenden Modifizierung: Eine Einheit, die regionale Unterschiede beiseite schiebt, kann aus historischer Sicht nur ein misslungenes Konstrukt sein. Dies haben uns gerade die dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte gelehrt. Deutschtümelei und blinder Rassenstolz sollten hier nie wieder eine Chance haben.
    Dies kann uns das neueste Hörbuch des Silberfuchs-Verlages lehren. Und das ist beileibe nicht wenig. So überzeugt das Deutschland-Hörbuch auch ohne den Bonus der Exotik. Es bleibt nur zu hoffen, dass noch weitere Kulturgeschichte aus dem Hause Silberfuchs folgen. Chapeau!

     

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