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    TITEL kulturmagazin
    Sonntag, 23. Juli 2017 | 04:33

     

    Claus von Wagner: Im Feld

    25.04.2007

    Die Krise als Gala

    Claus von Wagner ist ein hochdekorierter Jungkabarettist und seine zweite CD ein echter Wurf - denn nicht viele schaffen es, politisches Kabarett und einen großen Theatermonolog so leichthändig zusammenzukitten...

     

    Ein ungeborenes Kind ist Auslöser der Krise, die sich zu einer existentiellen ausweitet. Was sich dann in diesem kleinen Welttheater abspielt, ist die Bewusstwerdung der eigenen Unzulänglichkeit und der jahrelangen Selbsttäuschung - schmerzhaft wie eine Geburt und grausam komisch.Der Held, der mehr und mehr zu einem Anti-Helden gerät, ist ein Kind seiner Stadt (München) und seiner Zeit. Man gaukelt sich ewiges Jungsein vor und betrügt damit zu einem gut Teil sich selbst. Dabei ist er doch ein gut erzogener Junge, ist kreativ, ein bisschen selbstverliebt vielleicht und auch ein wenig zukunftsblind – aber das ist eigentlich schon alles, was man ihm vorwerfen kann. Jetzt wird er Vater, doch in der öffentlichen Wahrnehmung – ein Radiosender berichtet über seinen Sitzstreik unter dem Fenster der Angebeteten namens Penthesilea Müller – wächst er sich zu einem gefährlichen Terroristen aus. Das ist komisch. Sehr sogar. Repräsentiert durch diesen Protagonisten wuchert der ganze verquaste Mittelstand, der hauptsächlich mit der Beschau des eigenen Bauchnabels beschäftigt ist, ins Bedrohliche. Denn ihm wird schlagartig die Ideologielosigkeit der herrschenden Pop-Kultur bewusst und er resümiert: „Ironie – mehr haben wir nicht mehr.“ Was für ein Fazit für eine Zeit, in der man sich Freiheit in Form von Damenbinden kauft!Höhepunkt dieser Galavorstellung von der leisen Egozertrümmerung sind die Dialoge mit dem ungeborenen Leben. Sie offenbaren zur Gänze die Haltlosigkeit des Protagonisten, die Weigerung der Annahme von Verantwortung. Das Gespräch mit der Mutter gelingt nicht. Doch am Ende steht zumindest das Telefonat mit der Über-Mutter, Angela Merkel, der er sein ganzes Leid klagen kann.

    Die neue Generation

    Das Erstaunliche an Claus von Wagners Kunst: Das alles geht locker hin und her, morbide heiter, tapsig tiefsinnig. Ja, es ist schon eine besondere Kunst, das Existentielle so heiter und leichtfüßig zu verkaufen wie es hier geschieht und das Politische mit dem persönlichen Geschick zu verschmelzen. Und selbst wenn es arg pathetisch wird, kriegt von Wagner noch die komische Kurve. Überdies ist er ein großer Performer und seiner Figur nah, ohne sich gänzlich mit ihr zu verbünden. Auch Timing und Situationsgefühl stimmen hier. Da spürt man die gelungene Regiearbeit von Florian Hoffmann ("TBC") heraus. Im Ganzen also eine überaus runde und erquickende Geschichte, zu der man einfach gratulieren muss! Von diesem Kabarettisten und seinen Mitstreitern von "Mach 3" (Mathias Tretter und Philipp Weber) darf noch sehr viel erwartet werden. Sie stellen eine neue Generation dar, die bald die etwas schmierig gewordenen Wischblätter von „Scheibenwischer“ austauschen wird. Garantiert!

    Christoph Pollmann


    Claus von Wagner: Im Feld
    1 CD, Laufzeit: 70 min.
    ISBN 978-3-86604-489-5
    Preis: 14,95 ¤
    Erschienen bei: WortArt

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