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Freitag, 31. März 2017 | 00:38

 

Johann Wolfgang von Goethe: Novelle

25.04.2007

Rothschild's CD-Tipp:

Ein Meilenstein


Dass die „Novelle“ auch mehr als fünfzig Jahre nach ihrer Aufnahme fasziniert, hat zunächst mit der Bearbeitung zu tun, dann aber auch mit der Sprechkultur von Schauspielern, deren Namen zu Recht unvergessen sind.

 

Die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit in Deutschland hat spät begonnen. Sie blieb zögerlich und unvollständig. Einer der größten Filmregisseure Deutschlands, der in Saarbrücken geborene Max Ophüls, bekam bis zu seinem Tod im Jahre 1957 - also immerhin zwölf Jahre nach Kriegsende - keine Gelegenheit, in seiner Heimat einen Film zu drehen, während Künstler geringeren Talents, die sich mit den Nazis arrangiert hatten, fleißig weiterproduzieren durften. Man kann nur ahnen, wie die (west-)deutsche (und österreichische) Film- und Theatergeschichte der fünfziger Jahre ausgesehen hätte, wenn man sich die Mühe gemacht und den politischen Willen gehabt hätte, die ins Exil Gejagten zurückzuholen und ihnen würdige Arbeitsmöglichkeiten anzubieten. Immerhin fand sich ein mutiger Rundfunkintendant, Friedrich Bischoff vom Südwestfunk Baden-Baden, der Ophüls einlud, Hörspiele zu inszenieren. Das Genie hat auch für diese Gattung zwei Meisterwerke geschaffen, die zu den Meilensteinen der frühen Hörspielgeschichte gehören, Bearbeitungen erzählender Literatur alle beide: „Frau Berta Garlan“ nach Arthur Schnitzler, mit dessen „Liebelei“ Ophüls seinen Ruhm als Filmregisseur begründet hatte, und Goethes „Novelle“.

Dass die „Novelle“ auch mehr als fünfzig Jahre nach ihrer Aufnahme fasziniert, hat zunächst mit der Bearbeitung zu tun, mit der Art, wie Ophüls erzählende Passagen und Dialog überblendet, wie er Musik von Schubert und ein einfaches Flötenspiel äußerst sparsam einsetzt, dann aber auch mit der Sprechkultur von Schauspielern, deren Namen zu Recht unvergessen sind: Oskar Werner als Erzähler, Therese Giehse als die Mutter der Schaustellerfamilie, Käthe Gold als Fürstin, Otto Colin als Fürst, Willy Birgel als Oheim.

Die CD, auf der diese Hörspielfassung der „Novelle“ jetzt erhältlich ist, spendiert noch einen weiteren Hörgenuss: einen Kommentar von Max Ophüls zur Entstehung der Inszenierung, der selbst literarische Qualität hat. Bleibt nur der Wunsch, dass „Frau Berta Garlan“, mit der Ophüls sogar sein Goethe-Hörspiel übertroffen hat, bald in vergleichbarer Edition auf den Markt kommt.

Thomas Rothschild


Johann Wolfgang von Goethe: Novelle. Hörspiel. der hörverlag,
ISBN: 978-3-899-40910-9. 14,95 Euro.
Reinhören beim hörverlag

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