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    TITEL kulturmagazin
    Donnerstag, 29. Juni 2017 | 04:14

     

    Schmickler: Zum Dritten!

    29.03.2007


    Die gute Axt im kranken Wald

    Endlich einer, der uns die bundesdeutschen Hosen mal so richtig strammzieht. So stramm, dass es oft schmerzhaft im Schritt kneift...

     

    Okay, singen tut er wie ein heiserer Bernhardiner, aber sind seine Texte nicht Kunst genug?

    Für den Schnee, da gibt es Kanonen und für die Sonne, da gibt es ne Bank. Der Strom, der kommt aus der Dose und für die Dose, da gibt es jetzt Pfand...

    Der 1954 in Leverkusen geborene Wilfried Schmickler erhielt den Prix Pantheon 2007. In der Begründung der Jury zur Preisverleihung hieß es:

    "Wenn er auf der Bühne ausklinkt, trifft er blitzschnell, gnadenlos, genau. Er ist der Scharfrichter unter den deutschen Kabarettisten. Seine Programme sind Trommelwirbel zum jüngsten Gericht auf Erden. Seine Opfer sind immer Täter. Allemal die Großen in Wirtschaft und Politik, Kirche und Medien. Auch die Kleinen, vor allem die Kleinen im Geiste. Niemals die Machtlosen. Wilfried Schmickler schaut mit dem Brennglas hin. Atemberaubend zerfetzt er den müßigen Gang der Dinge, den Wahnsinn des Normalen, das scheinbar Unvermeidliche. Er ist ironisch und provokant, mal spitzfindig, mal direkt, derb und witzig, rotzfrech und poetisch. Er kann wütend und liebevoll sein, schreien und schmeicheln, singen und säuseln. Er will anecken und umarmen, ist reif und bekloppt!"

    Schmicklers Spezialität ist wahrhaft die Riesenschimpfonade. Wenn er einmal dazu anhebt, dann donnert das tatsächlich wie eine Sintflut heran! Das ist nicht mehr Katharsis, das ist Tiefenreinigung – aristotelisches Clerasil... Dazu in einem Tempo vorgetragen, dass man mit offenem Mund, Augen und Ohren in staunende Starre verfällt. Der große Zurechtrücker ist Schmickler, ein ewig Gerechtigkeitssuchender, ein Moralist von mosaischer Gnade, der sich vor einer Derbheit so wenig scheut, wie vor feinster geistiger Drechselarbeit. Oft wie ein moderner Martin Luther von der Kanzel herab, oft mit Schaum vor dem Maul, im Geifer-Eifer, ohne Scheu vor Beleidigungen. (NPD = Nieten, Penner, Doofköppe) lüftet er unsere „gute“ (Geistes-)Stube, in der sich unbemerkt doch so allerhand eingenistet hat...

    Er nimmt sogar wie ein wildgewordener Don Quichotte den vergeblichen Windmühlenkampf gegen das Wort GEIL auf.

    Affengeil, okay. Aber hammergeil? Dann doch lieber presslufthammergeil! Denn: Wer seine Sprache auf den Hund kommen lässt, liegt selbst bald vor dem Fressnapf.

    Und wie er uns 54,74, 90, 2006 plötzlich als 14, 18, 33... in die kollektive Verdrängung zurückhämmert! Ja, er ist wohl die schärfste Wortaxt der Republik, der Gillette-Fusion-Rasierer der Rhetorik: der ganze Komfort für eine gründliche Rasur alter Zöpfe und gleichzeitig der Präzisionstrimmer für den geistigen Nischen-Wildwuchs.

    Ist so einer überhaupt erträglich? Ja. Denn eindimensional bleibt er nie. Und manchmal – wirklich ganz selten, doch dann umso schöner – bekommt seine Rede sogar einen Anklang von edler Oskar Pastior-Spielkunst...

    Christoph Pollmann


    Schmickler: Zum Dritten!
    1 CD, Laufzeit: 70 min.
    Erschienen bei: WortArt
    ISBN 978-3-86604-539-2
    Preis: 14,95 ¤

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