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    TITEL kulturmagazin
    Montag, 26. Juni 2017 | 10:51

     

    Slam Poetry Projekte

    19.02.2004


    Zwischen Eintauchen und Wegzappen


    Boris Kerenski stellt Slam Poetry Projekte vor



     

    Bei einem Poetry Slam steht das gesprochen Wort in einer "Performance" im Mittelpunkt. Diese poetische Ausdrucksform ist nach Mark Smith, dem Begründer der Slam-Bewegung, "as important as the art of forming words into poems o­n the printed page". Deshalb erscheint es zunächst widersinnig, Texte dieser Gattung in Einzelpublikationen oder Anthologien auf Papier zu veröffentlichen. Doch laut Slam-Pionier Alan Kaufman "halten die meisten (...) an dem strikten Standard fest, dass ein Gedicht schließlich auf dem Papier genausogut wirken sollte wie in der Performance".

     

    Ob nach dem Hörerlebnis die Texte bei der Lektüre funktionieren oder anders herum, kann man mit der CD Die sprechende Droge von Till Müller-Klug überprüfen, die in das gleichnamige Buch eingelegt ist. Müller-Klug, der im Februar 2000 mit Daniel Haaksman und Alexa Henning von Lange den Tagebuchroman Mai 3D bei Quadriga veröffentlichte und zu den Shooting-Stars der Slam Szene gezählt werden kann, liefert nun auf der vorliegenden CD eine Auswahl seiner Poetry-Texte, die man bisher auf den "lauten Bühnen" kreuz und quer in der Republik zu hören bekam. Er echauffiert sich über den roten Ampelmann ("Die sadomasochistische Ampel"), der den Wartenden morgens um vier an einer gottverlassenen Ampel in die "Knie zwingt", beklagt den Fluch, eine Million Hobbys, aber keinen Beruf zu haben ("Multitalentlose") und erzählt das kürzeste Roadmovie der Filmgeschichte. Ein Viersekunden Streifen, der vor dem inneren Auge abläuft und unvermeidlich an einem Baum endet: "Das war alles nur ein Film, ein Film, nach dem Du dich lebendig fühlst, lebendig ohne Ende ... für das Dein Auto ein faires Eintrittsgeld war".

     

    Die Texte liegen sowohl als Live- als auch als Studioaufnahmen vor. Zwischendurch werden sie mit Sound von DJ Daniel Haaksman unterlegt, auf dessen Beats man aber getrost verzichten könnte, da sie als Illustrationen höchst überflüssig sind. Vielmehr lenkt die Musik von Müller-Klugs faszinierender Stimme ab. Man kann sich glücklich schätzen, dass die Texte auch in gedruckter Form vorliegen.

     

    Etwas ärmlicher geht es da bei Don't mess around with Harald Juhnke von Jan Off zu - und das fast zum identischen Preis. Keine Texte im Booklet zum Nachlesen, auch fehlen Bio-Bibliographische Angaben zum Autor. Den Höhepunkt dieser Zusammenstellung stellen die nahezu unbekannten Gedichte von Off dar: Perlen, die etwa "Schlechtes Timing" oder "Langweiler mit Hang zum Zeitloch" heissen. Ganz im Gegensatz dazu wirken die Stories oft mühsam konstruiert. Ein vermeintlicher Gag jagt den nächsten, krampfhaft bemüht der Autor witzige Situationen und Pointen, doch sein Vorgehen kann man nur mit Schlägen, und zwar direkt auf den Kopf, vergleichen: wenn es richtig weh tut, entfährt einem vielleicht ein verzweifelter Lacher.

     

    Vom "Outfit" nach kommt die Kompilation Wortsalat trendy daher. Von der Hülle, über Booklet und CD bis zum Coverbild ist alles durchdesigned: ein perfekt ausgeleuchteter, grüner Kopfsalat ziert die CD. Bei den einzelnen Tracks handelt es sich zum Teil um Poetry-Slam-Live-Mitschnitte aus dem Kölner Studio 672, um Studioaufnahmen wie den Beitrag von Hadayatullah Hübsch oder um ältere Aufnahmen von anderen Locations, wie der Bongo Bar in München. Am Anfang, am Ende und dazwischen liefert DJ Eric D. Clark ein paar Sounds ab, die wie die Werbeblöcke im Fernsehen nicht nur nerven, sondern auch komplett überflüssig sind, so dass man mehrmals zur Fernbedienung greift, die man nicht weglegen sollte, zeugen doch manche Texte von so einer öden Talentlosigkeit, dass man sie nur wegzappen kann. Hervorragendes dagegen bieten Bastian Böttcher mit seinem "Coolen Wintertag" oder der Wortakrobat Michael Lenz - das Versinken im Wortstrudel ist garantiert. Ausgezeichnet auch Altmeister Marc Smith oder das Hamburger Städteteam, das Kurt Schwitters, Marinetti mit Wittgenstein und Thomas Gottschalk in einem Fünf-Personen-Vortrag vereint. Das sind Stücke, die man sich auf der Hülle markiert und an diesen Stellen kommt die Reset-Taste zum Einsatz. Und den Rest? Den hört man sich auch mal an, aber nur am Anfang und dann nie wieder, denn Kopfsalat hat das Problem sehr schnell zu welken und das gilt nun mal auch für Wortsalat.

     

    Boris Kerenski



    Till Müller-Klug: Die sprechende Droge. Slam Poetry. (Musik von Daniel Haaksman). Verlag Der gesunde Menschenversand, Bern 2000, CD + Buch, ca. 12 ¤.


    Jan Off: Don’t mess around with Harald Juhnke. SUBH, Hildesheim 1999, CD, 10 ¤.


    Teddy Hoersch/ Torsten Feuerstein (Hg.): Wortsalat. Poetry Slam. Jack Gonski, Köln 1999, CD, ca. 15 ¤.

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