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    TITEL kulturmagazin
    Montag, 26. Juni 2017 | 10:51

     

    Claes Neuefeind (Hrsg.): Pressplay

    01.02.2007


    Kunstvolle Desorientierung


    Hier wird für wirklich wenig Geld, viel gutes Material geboten. "Hörspielhörer, erweitert euren auditiven Horizont!"

     

    Der Mairisch Verlag hat nur ein kleines Programm, umso mehr Herzblut jedoch hängt an jeder einzelnen Produktion. Ein gutes Beispiel dafür ist die 20 Hörstücke umfassende Anthologie pressplay. Herausgeber Claes Neuefeind liefert damit nicht nur einen Überblick über die überaus aktive Szene, ihm gelingt auch das Kunststück einen Gesamtbezug herzustellen: die entfremdete Zwischenmenschlichkeit. Junge Autoren und Produzenten stellen sich hier vor - mit Pathologischem, mit Komik, Absurdität, mit Beziehungsdramen und Experimenten verstörender Skurrilität. pressplay ist nicht das nette Hörbuch mit den aus Funk und Fernsehen bekannten Sprechern, der Thriller, das Märchen, eine Geschichte, die nur das wohlige Knistern des Kamins zu verlängern sucht. Die Palette ist so viel größer – und so viel interessanter.

    Die heimlichen Höhepunkte der Anthologie bilden wohl zwei dokumentarische Produktionen: Linda im Kopf ist der Versuch einer Annäherung an einen Menschen, der all seinen Mitmenschen seine Gebrochenheit anhand von Plakaten offenbart. Er vermisst seine Linda, die ihn scheinbar ohne Erklärung verlassen hat. Wunderbar, was sich nun in den Köpfen der Anwohner beim Anblick der teils brutalen, teils kindlich-romantischen Plakate entzündet: Wird er sie umbringen?, lautet eine Frage beispielsweise. Dieses kleine Hörspiel leistet ganz nebenbei etwas Großes: Es schließt die klaffende Lücke zwischen Vermutung, Klatsch und der realen Begegnung mit dem Verursacher, der seinen Nachbarn inzwischen mächtig auf die Nerven geht mit seinen seelenexhibitionistischen Zurschaustellungen. Was sich in den Interviews mit den Anwohnern an Beziehungslosigkeit enthüllt ist wirklich verängstigend. Soll man sich um diesen Mann kümmern? Soll man sich an höherer Stelle beschweren? Eine komplett beziehungskranke Gesellschaft stellt sich plötzlich dar, mit all seinen wohlbekannten und ewigen Protagonisten: kluge Theoretiker, geile Voyeure, verschwurbelte Romantiker und gnadenlose Richter, aber weit und breit kein Mensch.

    "Linda fickt mit Roland! Aua."

    Natürlich stellt sich bei all dem auch die Frage nach der „Gesundheit“ von Lindas Ex. Warum gesteht er seine zerstörerische Liebe gerade auf diese Art und Weise. Ist er schizophren? Ist alles nur eine große Verarschung? Eine Gefahr? Oder eventuell doch Konzeptkunst? Alle – auch der Hörer – suchen zu deuten, zu verstehen und wissen letztendlich nicht, was sie tun sollen. Was bleibt ist Interpretation, was fehlt ist Tat - das scheint das Mal unserer Gesellschaft zu sein. Und so werden Linda und der „Lindamann“ schließlich zur vollkommenen Chiffre unseres Unvermögens. Das Übereinandersprechen und das Voneinanderahnen zum Brandmal entkernten Zusammenlebens. Nachricht aus Bastia funktioniert ähnlich, verfolgt aber ein anderes Ziel. Es ist eine Anti-Moby-Dick-Geschichte. Statt Abenteuer und wilder Archaik der Jagd gibt es aber nur noch krude Vermutung und Hilflosigkeit. Eine großartige Manifestation des Halbwissens und der Sehnsucht nach Metaphysik angesichts der Monumentalität eines gestrandeten Wals.
    Lustig bis bedenklich ist das, denn: Wie kindisch sind die heutigen Erwachsenen eigentlich in ihrer vorgeblichen Vernünftigkeit? Auch alle anderen Produktionen zeichnen sich durch Cleverness, Kunstfertigkeit und äußerst professionelle Machart aus. Und als wenn das alles nicht genügen würde, wird hier für wirklich wenig Geld, viel gutes Material geboten. "Hörspielhörer, erweitert euren auditiven Horizont!"

    Christoph Pollmann


    Claes Neuefeind (Hrsg.): pressplay
    Die Anthologie der freien Hörspielszene
    Erschienen bei: Mairisch Verlag
    Preis: 14,90 ¤
    ISBN 3-938539-04-61
    Mp3-CD,
    Laufzeit: 274 min.

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