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    TITEL kulturmagazin
    Donnerstag, 27. April 2017 | 09:08

     

    George Lindt: Provinzglück

    09.11.2006


    Zurück in die Herkunft!

    So sollte wirklich jede Neuerscheinung aufgemacht sein! Liebenswürdiges Layout, Extra-DVD, entzückendes Booklet, Christian Ulmen als Sprecher - und das Leben darf wieder schön sein...

     

    Man mag vom Inhalt - ein junger Mann kehrt in seine kleine Heimatstadt zurück, um (eventuell) ein gesichertes Mittelstandsleben zu beginnen - halten, was man will, es hat ja längst sein Publikum gefunden. Und die vorliegende Hörbuchvariante wird den Fankreis nur noch vergrößern... Allerdings sollte man bei einer solch realitätsnahen Geschichte wie Provinzglück nicht allzu viel ästhetischen Kokolores erwarten oder gar literarische Konzeptkunst. Denn es ist eine ziemlich gerade erzählte Geschichte in einem geraden Tonfall gehalten, das darf man Lindt - auch wenn sein Nachname uns zu sehr an Hera und ihre Trockenhaubenprosa erinnert - nicht allzu krumm nehmen. Liest man dann allerdings, dass George (sprich: Dschordsch) sich unter weiblichem Pseudonym bei S. Fischer eingeschlichen hat... Aber bringen wir die defätistischen Stimme des Kritikers zum Schweigen. Mehr Bejahung bitte !

    Die Glückwunschkapelle setzt an...

    Provinzglück
    ist ein Buch, das uns (Mittdreißiger, Generation Praktikum, Minigolf etplakettera), wenn auch nicht völlig trifft, so doch zumindest - betrifft. Lindts Geschichte hat zwar stellenweise etwas von einer intellektualisierten Soap, aber der Blick auf ein Foto des Autors räumt dann die letzte Unsicherheit aus: Er ist einfach ein netter Typ, der nette Bücher schreibt. Poesie? Sozialkritik? Pah! Bei Lindt herrscht Gott Alltag, die große Ungeschminktheit. Die beigefügten Videos (Adam Greene, Tocotronic, Stereo Total u. a.) sind dann auch überaus charmant, die Kurzfilme lebensnah und – Entschuldigung! - ebenso sympathisch wie der Verfasser dieses Romans. Ja, das ist so ein Phänomen: Wir haben einfach eine gutplatziertes und berechtigtes Produkt, das - ´tschuldigung! - sehr liebevoll gemacht wurde. Nicht zum abgöttisch Verehren, aber zum echt Mögen! Was Christian Ulmen am Mikro dann allerdings zusammennuschelt, hört sich oft ein wenig arg gelesen an, auch wenn es eine Ästhetik sein soll, die er im Interview (Kurzfilmmenü!) vehement verteidigt und für Hörbücher sogar einfordert. Ulmen schätzt daran die gewisse - man mag es kaum sagen - Behaglichkeit. Ob man diese Ansicht nun teilt oder nicht, insgesamt erweckt sein Vortragsstil eine abrundende - sorry! - Gefälligkeit. (Warum rechtfertigt sich der Kritiker immerfort, fragt sich der Leser vielleicht. Es ist die andauernde Angst davor, dass der ganze Kladderadatsch plötzlich doch noch den Abhang des Mittdreißigerkitsches hinabschlittern könnte...)

    ... und spielt weiter...

    Zumindest aber hat Lindt mit dem Roman Provinzglück eine wichtige Frage in unser unruhiges Herz gesetzt: Was ist überhaupt „Scheitern“? Ist Ex-Berliner werden wirklich gleichzusetzen mit Versagen? Nein. "Scheitern" ist eine Angst, die manchen von uns so sehr umtreibt, dass darüber ein - verdammt! - total nettes Buch über unsere Sorgen entstehen kann.

    In einigen Filmbeiträgen sieht man George Lindt, wie er von seinen Interviewpartnern mit dem Wort „Spießer“ gequält wird. Und er gesteht dann auch, sich diesen Vorwurf selbst eingebrockt zu haben mit Forderungen nach Eigentumswohnungen auf dem Land und gleichzeitig auf dem Prenzlauer Berg. Aber ist das nicht ehrlich und mutig von ihm? Wollen wir denn nicht alle dekadente Beitragszahler sein, kreative Lebensversicherungsinhaber und völlig durchgeknallte Tagesschaugucker? Hätte ein echter Provinzler dieses Buch geschrieben, über das stille Glück im Eiscafé Venezia etwa, so hätte dem wohl kaum ein Verlag Aufmerksamkeit geschenkt. Aber Lindt ist eben nur ein halber Provinzler, ein Janus, ein lebendes Sowohl-als-auch, einer, der als Interimsberliner auch spotten darf! Und er tut´s, mit einer - der Teufel soll mich holen! - Nettigkeit, die man ihm wirklich nicht vorwerfen sollte.

    ... bis zum Schlusstusch!

    Dann sagt George am Ende plötzlich einen Satz, der so wunderbar leicht daherkommt, aber den man so leicht nicht vergisst: „Das Leben entspricht ja eigentlich nie der Realität. Ist das nicht total ----------- !?

    Christoph Pollmann


    George Lindt: Provinzglück
    Gelesen von Christian Ulmen
    2 CDs (+DVD), Laufzeit: ca. 250 min.
    Erschienen bei: Lieblingslied Records
    ISBN 987-3-938181-08-4
    Preis: 19,90 ¤

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