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    TITEL kulturmagazin
    Samstag, 27. Mai 2017 | 17:45

     

    Paulo Coelho: Auf dem Jakobsweg/Der Alchimist

    07.07.2006

    Der Weg ist das Ziel ist die Plattitüde
    Der Klang von leisem Akkordeon geht in einen traurigen, fernen Gesang über. Inmitten einer heiteren Caféhausatmosphäre erklingt eine Gitarre, dann gesellt sich eine Geige dazu. Spanien, Santiago - hier erstrahlte ein heller Stern. Daher der Name: Compostela, das Sternenfeld. Ein nicht mehr ganz junger Mann tut einen Schwur, dann eröffnet ein seltsames Losungswort seine Pilgerreise: Man muss den Berg nicht erklimmen, um festzustellen ob er hoch ist. Wir werden sehen... 

     

    Ein Führer gesellt sich zu dem Reisenden, er heißt Petrus und ist ein ganz schöner Schlaumeier. Er unterwirft den Suchenden - Coelho selbst - skurril wirkenden Übungen und Ritualen, damit dieser zur Erkenntnis gelangt. Denn: Der Weg der Weisheit sei für alle offen. Auf diesen etwa 700 Kilometern muss Coelho dann einiges durchmachen: immer wieder die eigene Geburt erleben, sein Gehtempo bis zur Unerträglichkeit drosseln und sich endlich um ein neues Bewusstsein kümmern, um das sensible Gesetz des Ausgleichs zu verstehen - et cetera pipapo.

    Die Umsetzung des Tagebuchs von Jürgen Dluzniewski gibt dem Lehrhaften in Coelhos Reiseroman viel Raum. Wir bekommen krude Erklärungen für Psychosen, und überhaupt ist von Seele ganz schön oft die Rede. Selbstkasteiungen und Schweigegelübde komplettieren das esoterische Gesamtbild, obwohl sich Coelho deutlich gegen Tarotkartenleger und Pendelschwinger ereifert. Letztlich bleibt aber das Gefühl, dass hier nur störende Konkurrenz weggebissen wird, denn der eigentliche Weg nach Compostela ist nur die Illustration eines langen, verquasten Wortbrimboriums.
    Damit aber nicht zu wenig geschieht und alles in einem philosophischen Sumpf absäuft, tauchen bald ein paar angsteinflößende Dämonen auf, die für jede Menge Unordnung sorgen. Gut, es ist nur ein Hund. Aber dafür trägt er den markfressenden Namen - Legion! Jetzt mal ehrlich: Wenn so ein Hape durch Nordspanien kerkelingt kann einem das doch viel lieber sein, oder?

    Wie entsteht ein Bestsellerschriftsteller?

    Psychologisch ist das Ganze auch nicht gerade raffiniert zu nennen. Viel eher scheint hier einer mit der Axt drauflosgeschnitzt zu haben. Warum aber lesen so viele Paulo Coelho, fragt man sich. Das hat nichts mit den Fähigkeiten des Brasilianers zu tun, behaupte ich jetzt mal, sondern beschreibt einzig den geistigen Zustand seiner Leserschaft. Und diese Anspruchslosigkeit macht wirklich Angst.
    Coelho war die Meisterweihe einer katholischen Bruderschaft verweigert worden. Dank dieser Bruderschaft also und einem ausgeschilderten Wanderweg sind wir nun um diesen Schriftsteller reicher.
    Der Sprecher Christian Brückner macht seinen Job ordentlich, fast pflichtbewusst, ohne hier seine große Kunst zeigen zu müssen, ja zu können. Seine Stimme ist wohl einfach zu facettenreich für so ein simples Schwarz-Weiß-Theater. Und auch die ganze Produktion ist von so behäbiger Infantilität wie der Text - da hilft nicht einmal der kurze, augenzwinkernde Gastauftritt der Band Nirvana.

    Kopiertes Erfolgsschema

    Ganz ähnlich verläuft auch die Geschichte Der Alchimist: Wie zufällig heißt der Held Santiago. Ständig führt dieser Selbstgespräche, um endlich herauszufinden, was er will. Diese Monologe, begegneten wir ihnen auf der Straße, würden uns sofort an Freigänger aus der Psychiatrie erinnern. Auch hier wird der hörende Leser abgespeist mit Sätzen wie: Erst die Möglichkeit einen Traum zu verwirklichen, macht unser Leben lebenswert. Oder: Träume sind die Sprache Gottes. Jeder unserer Bekannten hat mehr unbestechliche Weisheit auf Lager als diese rhetorischen Tollpatschigkeiten.

    Eine Zwischengattung, die keine ist

    Das Hörspiel Der Alchimist – wie Auf dem Jakobsweg auch nur Kinderkram, der auf erwachsen tut – hat eine Klangkulisse, die allerdings noch karger ist. Fast schon wie bei einer szenischen Lesung wirken die eingespielten Hintergründe, so angeklebt und angeleimt, dass bald jede Hörspielstimmung dahin ist. Ein bisschen Hall, wenn eine Szene in einer Kirche spielt, ein wenig Vogelpiepsen, wenn im Freien und immer gern ein Hauch Musik über den stocksteifen Dialogen – das ist das allzu routinierte Schema. Dann doch lieber ein guter Sprecher mit einem guten Text. Denn bei diesem „Cocoelhores“ hätte es wirklich auch ein Hörbuch getan!
    Was bleibt: Das Leben ist eine Karawane, der Wind die Freiheit, die Wüste das Leben, der Stern deine Bestimmung und der Kauf dieser CDs ein vermeidbarer Fehler.

    Christoph Pollmann


    Paulo Coelho: Der Alchimist
    Hörspiel mit Berthold Toetzke, Philip Schepmann, Siegrid Schnückel u.v.a.
    Regie und Bearbeitung: Alexander Schumacher, Anne Buchholz
    2 CDs, Laufzeit: 128 min.
    Preis: 18,- ¤
    ISBN 3-88698-425-7
    Erschienen bei: Steinbach Sprechende Bücher

    Paulo Coelho: Auf dem Jakobsweg
    Tagebuch einer Pilgerreise nach Santiago de Compostela
    Hörspiel
    Sprecher: Christian Brückner, Werner Rundshagen, Margarete Salbach, Patrick Blank, Günther Kasch
    Regie und Hörspielbearbeitung Jürgen Dluzniewski
    2 CDs, Laufzeit ca. 110 min.
    ISBN 3-88698-532-6
    Erschienen bei: Steinbach Sprechende Bücher
    Preis: 20,- ¤

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