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    TITEL kulturmagazin
    Mittwoch, 24. Mai 2017 | 02:30

     

    Rainald Grebe & die Kapelle der Versöhnung

    07.06.2006

    Der allerletzte Apache
    Ist Rainald Grebe auf dem Cover seiner Debüt-CD Das Abschiedskonzert noch fröhlich herumgesprungen mit wunderbar untrainiertem Schlabberbauch und Indianerkrone - der Insignie unvergänglichen Konfirmandentums - so schaut er auf seinem zweiten Werk nun misslaunig zwischen grauen Nadelstreifen hervor. Das macht uns Angst, entfremdet uns von ihm, dabei hatten wir doch so viel Hoffnung in ihn gesetzt. Aber auch seine neue Kappelle, bestehend aus Martin Brauer und Marcus Baumgart, kann uns leider nicht wieder mit ihm versöhnen...

     

    Aus Thüringen wird Brandenburg, aus dem Blinddarm der Gesellschaft wird das Steißbein der Stadt, aus Wortkarger Wolfram Mittelmäßiger Klaus. Soweit die Abziehbilder. Die Kompositionen waren nie groß, immer die gleichen Tonarten, dieselben Attitüden und Wendungen. Aber zusammen mit seinen Texten und der unvergleichlichen Präsenz war es ein bislang ungehörtes freudenspendendes Gemisch.

    Dann kamen der Roman Global Fish und die zweite CD heraus. Spätestens jetzt wurde uns klar, was wir nicht glauben wollten. Grebes Repertoire ist beschränkter als wir je dachten. Weiterentwicklung? Keine Spur. Bis in die Syntax hinein Wiederholungen, musikalische Effekte die immer gleichen. Man befürchtet eine schrecklich unkreative „Greb-o-matik“. Versuchen wir einmal selbst, den Grebe zu geben: Man nehme ein, zwei Namen, z.B.: Tasmanien und Paris Hilton. Dann eine Menge Alltag: Stracciatellaeis, Mensch, Gartenzwerg etc. Und ganz wichtig - ein irgendwie exotisch seltenes Wort, z.B. Demut.

    Das ergibt mit ein paar Bindewörtern - vorzugsweise solche wie träumen, denken, fühlen - nach ein paar Minuten Bastelarbeit, ein bisschen Wortspielerei und nicht zu vielen Reimen dann folgenden Text:
    Tasmanien liegt so südlich,
    es hat den Norden glatt vergessen.
    Drum fährst du mit Hallo dorthin
    Als Botschafter von Hessen.
    Du suchst nach Straccialtella-Eis
    In Hobart und Queenstown
    Denn was zuhaus kaum einer weiß -
    Du bist hier so häufig down.
    Und ziemlich oft auch under
    Doch das nimmt ja kaum Wunder.
    Am Strand von Bell Bay
    Liegt die Hilton Paris
    Und du denkst nur: Hey,
    Träumt die von der Antarktis?
    Da träum ich mit!
    Oh Tasmania, Zeit für Demut
    Hier fühlst du niemals Wehmut
    Weder nach den Kassler Bergen,
    noch nach Bergen Kassler
    Das Leben ist nur ein großes JA
    Obladi-obladort-oblada.
    usw.

    Bundesrepublikanische Befindlichkeitspoesie mit Ironie – das latscht sich ganz schön aus. Wobei Grebes Abschiedskonzert für alle Zeiten ein Monolith des komischen Komponierens bleiben wird, heilig, als könne man auf seiner Spitze die zehn Gebote wahren Lustigseins empfangen. Doch zurück zur Kapelle der Versöhnung: Der Song Ich-AG ist eine wirkliche ästhetische Neuerung, eine, die geradezu hymnischen Spaß macht. Guido Knopp ist dann allerdings der absolute Tiefpunkt der CD, sowohl in musikalisch als auch textlicher Hinsicht. Unerträglich die Collage historischer Politikerreden. Das ist nicht komisch - kann es auch kaum sein -, das ist nur schlecht gemacht. Ach, und nicht vergessen: Es gibt zwei hidden tracks. Sechsunddreißig Sekunden pure Anarchie und wirklich besser als der ganze Rest der Scheibe.
    "Zauberhafter Expressionist" nennt Thomas Hermanns Rainald Grebe. Ob ihm dieser Titel gefällt? "Sentimentalist mit Senf am Hemd" würde vielleicht eher passen.

    Christoph Pollmann


    Rainald Grebe und die Kapelle der Versöhnung
    Erschienen bei: WortArt
    ISBN 3-9311780-84-8
    Preis: 14,95 ¤

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