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    TITEL kulturmagazin
    Montag, 24. Juli 2017 | 02:38

     

    Höllenspiel: Über die Kunst und den Zweck der Verführung

    09.03.2006

    Die große Umschmachtung
    Prag 1787, Mozart ist komplett im Stress: Sein Don Giovanni hat endlich fertig zu werden! Dummerweise wurde er von da Ponte, seinem Hauslibrettisten, sitzen gelassen. Da bietet ihm unvermittelt Casanova höchstpersönlich seine Dienste an. Zwei Genies, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, treffen aufeinander. Am Ende steht zwar eine komplette Oper - aber auch ein Haufen Benutzter und Betrogener.

     

    Mozart ist ein Geck, der seine Geliebte Catarina dauernd knuddelt und kneift. Diese lässt sich das sogar gefallen - solange für sie eine Rolle herausspringt. Als dann Casanova auf den Plan tritt, geht es allerdings ans Eingemachte. Mozart bemerkt, dass die Verführung von Frauen eine Kunst ist, die in ihrer Virtuosität dem Komponieren in kaum etwas nachsteht, ja sie vielleicht sogar übertrifft. Casanova, eigentlich schon mit seinen Memoiren beschäftigt, spielt noch ein letztes Mal den Verführer, der einer jungen Frau von den olympischen Höhen und den höllischen tiefen der Liebe erzählt, wobei man nie genau weiß, ist es kalkulierter Teil der Verführung oder nur die Beichte eines eigentlich Zerknirschten, der dazu verdammt ist, eine innere Leere zu füllen und Mozart beneidet, welcher aus einer unendlichen Fülle zu schöpfen scheint. Der aber ist zunächst dazu verdammt, voyeuristischer Regisseur einer Liebesgeschichte zu sein, die ihm natürlich völlig aus dem Ruder läuft...

    Zu große Vorbilder?

    So weit, so akzeptabel, so spannend vielleicht. Wären da nicht Text und Regie von Kerstin Tomiak. An den Sprechern jedenfalls liegt es nicht, die tun einem zwischendurch sogar leid. Denn obwohl es Alexander Weise schafft, in seiner genialischen Hibbeligkeit, mit hals- und zungenbrecherischer Rede seinem Mozart amüsante Passagen zu bescheren, so ist doch die Milos-Forman-Filmvorlage allzu gegenwärtig, ja so beherrschend, dass Tomiak ihren Sprecher überkandidelt bis in die Stimmlage agieren lässt. „Verzicht ist immer ein regressiver Akt!“ sagt Casanova. Was so viel bedeutet wie: „Verzicht ist immer Verzicht!“ Ach, hätte Mamsell Tomiak, die große Tautologische, dies doch beim Verfassen ihres kleinsinnigen Dramoletts beherzigt. Beleg gefällig? Catarina: „Ihr blöden Idioten!“, Mozart: „Mann, bist du blöd, Mädchen!“ Catarina wieder: „Ich scheiß auf die Oper!“ Wobei - das hat schon fast wieder jelineksche Größe.

    Liebe, Leid und Lifestyle

    Der Untertitel „Über die Kunst und den Zweck der Verführung“ trügt allerdings: Denn von Kunst ist hier wenig zu merken. Und über den Zweck müssen wir erst gar nicht sprechen. Das ganze heraufbeschworene „Höllenspiel“ ist auch längst nicht so tragisch wie sein Titel etwa vermuten ließe. Denn was hier an Leidenschaft abgeflammt wird, ist von der dramatischen Größe eines Tischfeuerwerks. Am scheußlichsten sind hier die Eifersuchtsszenen, die jeder Soap zu seifigsten Ehren gereichen würden. Und selbst das Ensemble 1800 mit historischem Instrumentarium und Auszügen aus der Mozart-Oper hilft aus dieser Riesenpatsche nicht mehr heraus. Der Eindruck bleibt: Hier hat jemand versucht, sich noch in letzter Minute auf den längst überladenen Jubiläumsgaul 2006 zu schwingen.

    Christoph Pollmann


    Höllenspiel
    Mit Markus Hoffmann, Alexander Weise und Eva Herzig
    2 CDs, Laufzeit: 105 min.
    Erschienen bei: steinbach sprechende bücher
    ISBN 3-88698-819-8
    Preis: 17,90 ¤

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