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Freitag, 24. März 2017 | 11:15

 

Elfriede Jelinek: Bambiland

16.02.2006

Chor der Gewalt
Wie spaßig der Umgang mit Menschen anderer Rassen und Religionen sein kann, wie das Weltpolizistenspiel den Realitätssinn vernebeln kann: das beschreibt Elfried Jelinek in „Bambiland“. Nichts bleibt unausgesprochen – die Vererbung nahöstlicher Kriegsgelüste vom Vater auf den Sohn, die verquickten Verstrickungen des US-amerikanischen Verteidigungsministers Cheney mit der Rüstungsfirma Halliburton.

 

Denn mittlerweile kommt der demokratie- und menschenrechtsgestählte Europäer vor Lachen, das so tief im Halse steckt, nicht mehr in den Schlaf. Ein Schlaf, in den die Geschundenen von Abu-Ghoreib gerne gefallen wären. Doch die spezielle Foltermethode ließ das einfach nicht zu. Dort, im Nahen Osten, bei den Gotteskriegern und islamischen Terroristen, macht man sich die Welt zu eigen, wie man sie selbst gerne hätte. Und wer nicht folgen will, bekommt die harte amerikanische Hand zu spüren.
"Die Energie, die ein Geschoss enthält, bezieht es aus Geschwindigkeit und Masse. Es kann ja keinen Marsriegel essen, nicht wahr. Es kann ja keinen Müsliriegel essen und keine Kindermilchschnitte, um verbrauchte Energie zurückzugewinnen und Energie, die es nicht hat, das Geschoss, zu bekommen."Elfriede Jelinek schaut den Amerikanern mit gnadenloser Offenheit und Fabulierlust auf die Hände, die man in Unschuld zu waschen versucht. Vom Zwiespalt, den andererseits Ereignisse wie die des 11. September 2001 in den Köpfen westlicher Gesellschaften erzeugen, gibt der Text nichts her. Wörter wie Terror, Terroristen, September kommen bei ihr nicht vor. Sie beschäftigt sich mit den Folgen, die dieser Anschlag auslöste. Besonders der zweite Irak-Krieg und die schäbigen Ereignisse im Bagdader Foltergefängnissen nennt sie ungeschminkt beim Namen.

Ist Jelineks gedruckter Text noch als Monolog konzipiert, so entsteht in der Hörspielbearbeitung aus der sprachgewaltigen Eruption eine dialogisierte, vielstimmige Fassung. Unter der Regie von Karl Bruckmaier sprechen Elfriede Jelinek, Marion Breckwoldt, Lukas Resitarits, Ilja Richter und Helmut Stange den bitter-galligen Text, der punktgenau an den wackeligen Interpretationsversuchen „zeitgemäßer“ Menschenrechte kitzelt und kratzt."Bambiland" mit der Musik von F.S.K., einer 1980 in München gegründeten Band aus dem Art-School-Umfeld, stand im Januar 2006 auf der Hörfunkbestenliste des Hessischen Rundfunks.

Klaus Hübner


Elfriede Jelinek: Bambiland
Hörspiel
3 CDs, Laufzeit: 164 min.
Erschienen bei: Intermedium rec.
ISBN 3-934847-56-01
Preis: 24,90 ¤

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