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    TITEL kulturmagazin
    Sonntag, 23. Juli 2017 | 04:32

     

    Walter E. Richartz und Urs Widmer. Shakespeares Geschichten. Komödien und Roman

    12.02.2004



    Von Königen, Narren und Liebschaften


    Walter E. Richartz' Nacherzählungen von Shakespeares "Komödien und Romanzen. Teil 1"



     

    Bereits Anfang der 80er Jahre haben Walter E. Richartz und Urs Widmer gemeinsam bei Diogenes zwei Bände mit "Shakespeares Geschichten" veröffentlicht. Hinter diesem Titel verbergen sich wunderbare literarische Nacherzählungen, in denen die Autoren den Inhalt in Umkehrung des alten Übersetzer-Mottos so nah als nötig, so frei als möglich wiedergeben und mit ihrer eigenen, im wahrsten Sinne phantastischen Erzählkunst ausschmücken. Nun bringt der Zürcher Kein & Aber Verlag seit Frühjahr 2002 diese Geschichten nach Gattungen getrennt etappenweise auf CD heraus, gelesen von Widmer selbst, von Bernd Rauschenbach, Otto Sanders und Elke Heidenreich.

    In der zweiten Folge der Reihe nimmt sich Walter E. Richartz der Komödien und Romanzen an. Zumindest erstere finden sich regelmäßig auf den Spielplänen unserer Schauspielhäuser sowie in den Kino- und Fernsehprogrammen. Die Romanzen hingegen haben bis auf den "Sturm" und das "Wintermärchen" schon weit weniger Frequenz. Sobald man allerdings nach den Verstrickungen in Liebes- und intriganten Beziehungen genauer nachfragt, stolpern selbst profunde Shakespeare-Kenner über die verwirrend große Zahl des Bühnenpersonals. So kommt es recht gelegen, dass diejenigen, die vom Bildungshunger angestachelt sind oder Theaterblut geleckt haben, neben dem sachlichen Schauspielführer auch auf die gesprochenen Nacherzählungen von Widmer und Richartz zurückgreifen können.

    Ein Drama nachzuerzählen ist freilich ein schwieriges Unterfangen, eigentlich ist es ein Ding der Unmöglichkeit, die reizvolle Spannung zwischen Schauspielern und Zuschauern, mit der Meister Shakespeare so virtuos spielt, gekonnt in eine andere Verpackung zu stecken. So geht die situative Komik, die sich auf der Bühne herrlich ausspielen lässt, in den Erzählungen von Richartz leider vielfach verloren. Drum muss der Sprecher schon mal einen Witz entschuldigen, der ohne die entsprechende Bühnensituation überhaupt nicht zu funken vermag: "Im Altertum haben die Leute für ihr Leben gern Kalauer gerissen." Und auch viel von der wahrlich zauberhaften Atmosphäre, die für Shakespeares Komödien und Romanzen charakteristisch ist, kann in den Nacherzählungen nicht vermittelt werden. Darum muss der Sprecher, wenn etwas geschieht "durch einen jener Zufälle, die im Altertum viel häufiger vorkamen als heutzutage", die gesprengte Illusion der Shakespeareschen Märchenwelt mit einer Entschuldigung kitten: "In Wirklichkeit kann ja auch keiner zaubern."

    Doch die Nacherzählungen gewinnen durch ihre Form teilweise auch an Witz dazu. So macht Bernd Rauschenbach beim Vorlesen einiges der verlorengegangenen Bühnenkomik wieder wett, indem er die abstrusesten Handlungen, Charakterisierungen und Kommentare passagenweise im Ton der staubtrockenen Sachlichkeit eines Nachrichtensprechers vorträgt: "Ach, lieber Leser, stell es Dir vor: Welch eine ungläubige, tränenreiche, vielfache Wiedererkennungsszene!" Kurz, man kann die bewusste Entzauberung der Komödien und Romanzen hier ebenso gut zum Programm erklären. Und ähnlich, wie auf der Bühne das "Theater im Theater" eine ungemeine Ironie stiften kann, klingt es sehr gerissen, wenn der Erzähler über die Form des Theaters reflektiert und mit dem Topos "Sein und Schein" jongliert, während er sich selbst mit der Prosa quasi auf der sicheren Seite weiß. Als Beispiel sei der rapportierte Fluch des Orlando angeführt, dem die lyrische Sprache für seine Angebetete nicht über die Lippen zu kommen vermag: "Ach diese Dichterei! Genügt es denn nicht, es auf normale Art zu sagen?"

    Was die typische Atmosphäre der Shakespeareschen Komödienwelt anbelangt: Wir bekommen sie von Richartz in destillierter Form präsentiert, zum Beispiel, wenn er die kompliziertesten "Verwirrungen und fehlgeleiteten Neigungen" polemisch in einen Nebensatz verbannt, oder wenn Hermia aus dem Sommernachtstraum ihre Umgebung in einem Brief beschreibt: "Da hängt immer ein feiner Tröpfchendunst zwischen den Stämmen, aromatische Öle, die von den Blättern abgeschieden werden; man hat sofort, wenn man sich niederlegt, die buntesten Träume, und die Grenze zwischen ihnen und der Wirklichkeit verfließt." Und: "Ich träumte, es sei durch unseren Streit die ganze Natur in Unordnung geraten. […] Solche Träume träumt man hier, Großfürst zu sein, und die natürliche Welt würde mit einem leiden, alles im Übermaß." Die Figurencharakterisierungen hören sich geballt fast noch lustiger an als sukzessive beim Stückelesen: Da gibt es einen "Richter, der wie ein besoffenes Gesetzbuch sprach; einen Pfarrer, dem man seine Herkunft aus seinem nordwalisischen Bergdorf so deutlich anhörte, dass seine gottesfürchtigen Worte allen Windsorern völlig unverständlich blieben, und einen Arzt, der vor 30 Jahren aus der Bretagne eingewandert war und der noch immer kein Bein auf den Boden der englischen Sprache bekommen hatte".

    Und wenn schließlich das Tohuwabohu der Handlungen seinen Höhepunkt erreicht, ist es dem Zuhörer völlig wurscht, ob er es mit Prosa oder Drama zu tun hat: Wenn sich ein vermeintlich unbeflecktes Paar abseits der lüsternen Eltern im Gebüsch vom Pfarrer nottrauen lässt oder eine Dame vor lauter Verkleidung und Liebeswirrnis schon gar nicht mehr weiß, ob sie Männlein oder Weiblein sei, dann wird gelacht. Eine Sammlung von Nacherzählungen sowohl für Shakespeare-Laien als auch für Kenner. Einzig das Bühnenspektakel kann das Hörbuch nicht ersetzen.

    Inhalt: Der Sturm, Die beiden Veroneser, Maß für Maß, Die Komödie der Irrungen, Viel Lärm um nichts, Die lustigen Weiber von Windsor, Ein Sommernachtstraum.

    Von Julia Charlotte Brauch


    Walter E. Richartz und Urs Widmer. "Shakespeares Geschichten. Komödien und Romanzen Teil 1."
    3 CDs. 25 Euro.
    Zürich: Kein & Aber, 2002.
    ISBN: 3-0369-1122-7.

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