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Ian Rankin: So soll er sterben

15.12.2005

Kein Gassenfeger!

Traditionell wird in der fiktionalen Literatur gerne Bezug auf gesellschaftliche Strömungen genommen. Ian Rankin versucht dem in seinem neuesten Werk Rechnung zu tragen und thematisiert Fremdenhass, Menschenschmuggel und die Machtlosigkeit des Establishments gegenüber einer verfehlten Immigrationspolitik.

 

Aber natürlich bleibt er ein Kriminalschriftsteller und so spielen Mord, Sadismus, Vergewaltigung, Prostitution, mysteriöse Leichenfunde, Neonazis, sensationslüsterne Boulevardpresse und korrupte Beamte weiterhin eine Rolle in „So soll er sterben“. Gelingt Rankin die Synthese aus Krimi und Gesellschaftsroman jedoch? Um die Antwort gleich vorweg zu nehmen: Nein!

Vergleichsweise harmlos beginnt der Fall: die Leiche eines illegalen Einwanderers wird in einer Trabantenstadt, einem sozialen Brennpunkt Edinburghs, aufgefunden. Kommissar Rebus übernimmt die Ermittlungen. Gleichzeitig wenden sich die Eltern eines verschwundenen Mädchens an die Polizei. Besonders brisant dabei: Bereits einmal war diese Familie Opfer eines grausamen Verbrechens. Noch bevor die Frage geklärt werden kann, ob sich die Tragödie wiederholt, wird der Hörer schon vom nächsten Ereignis eingeholt: Ein mysteriöser Skelettfund gibt Rätsel auf. Doch bevor sich der Hörer mit diesem neuen Fall anfreunden kann, erfährt er, dass der ehemalige Peiniger der obengenannten Familie just aus dem Gefängnis entlassen wurde. Will man sich gerade von diesem Schock erholen erfolgt die nächste Adrenalinspritze: skrupellose Menschenhändler haben ihre dreckigen Hände im Spiel. Das Zentrum dieser Machenschaften befindet sich im „Schamdreieck“, dem berüchtigten Rotlichtdistrikt.

Klingt doch alles sehr spannend, nicht wahr? Ist es aber nicht! Zu viele Figuren, zu häufig wechseln die Schauplätze, zu flach sind die Dialoge, zu nervig das ständige Gejammer des Kommissars Rebus, zu groß das Herz seiner Assistentin und vor allem - viel zu viele Handlungsstränge. Den Zweck eines mobilen Unterhaltungsmediums erfüllt dieses Hörbuch nur unzureichend. Dies liegt teilweise an den fremdartigen Nachnamen der Protagonisten, die im Laufe des Vortrages auch noch verschieden ausgesprochen werden. Hier wäre eine kurze Namens- und Ortsliste als Zugabe zum Hörbuch ideal gewesen. Zum Zweiten verliert man durch die anfangs häufigen Orts- und Personenwechsel den roten Faden, besonders wenn der Geräuschpegel der Umwelt die Dialoge übertönt.Fazit: Weniger wäre mehr. Ein misslungener Versuch, eine bestenfalls durchschnittliche Story durch Aufpfropfen sozialkritischer Elemente zu einem Gassenfeger zu machen. Auch der eher unsympathische Kommissar macht den Roman vollends zu einer Sache nur für echte „Rebus-Fans“.

Wolfgang Haan


Ian Rankin: So soll er sterben
Gekürzte Lesung mit Udo Wachtveitl
Übersetzt von Claus Varrelmann und Heike Steffen
6 CDs, Laufzeit: ca. 450 min
Erschienen bei: Random House Audio
ISBN: 3-86604-003-2
Preis: 29,50 ¤

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