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Sandor Marai: Die Fremde

15.12.2005

Sinn-Suche auf hohem Niveau
Viktor Askenasi, Professor für orientalische Sprachen und verheiratet, lernt eines Tages die Tänzerin Eliz kennen. In ihm keimt die Hoffnung auf, endlich das lang gesuchte Glück gefunden zu haben. Doch schon bald zerbricht diese Illusion und er gerät in einen Strudel aus Obsession und Wahnsinn. Voller Hass auf sich selbst und die gesellschaftlichen Konventionen reist er nach Ragusa zur Erholung. Doch seine Gedanken kreisen immer mehr um gesellschaftliche Regeln, die ihn wie klebrige Fäden eines Spinnennetzes gefangen halten. Da kommt es zu einer unerhörten Tat.

 

Statt in abgelegenen Feriendomizilen fremde Länder in ihrer Ursprünglichkeit kennen zu lernen und das reale Leben zu erkunden, vergräbt sich Askenasi in seine wissenschaftlichen Studien und versteckt sich hinter Buchrücken. Doch nicht nur die Welt, auch seine Frau bleibt ihm fremd, und letztlich vermag er auch Eliz nicht zu ergründen. Seine gefestigte Gefühlswelt, stets eine sichere Bastion vor dem Ungewissen, bricht Stück für Stück auseinander wie das Gemäuer von Jericho. Und immer verschlingender wird die Diskrepanz zwischen seinen Wünschen und den Regeln der Gesellschaft. Statt seine Gefühle seinen Freunden oder seiner Frau gegenüber zu artikulieren, führt er lange innere Monologe, die aber keineswegs zur Erhellung beitragen, sondern nur dazu führen, dass er sich zermürbt und sich sein Geist allmählich umnachtet...

Der Erzähler bleibt hinter dem Protagonisten und seinem Leid verborgen. Nie hat man das Gefühl, dass er Partei ergreift oder seine Figur zu rechtfertigen versucht. Selbst als Askenasi einen Mord begeht, bleibt Marai dieser Erzählhaltung treu und vermeidet, in lästige Gemeinplätze zu verfallen. Weder Schuldzuweisungen, fadenscheinige Entschuldigungen oder Reue werden thematisiert, sondern vielmehr die inneren Kämpfe eines Mannes in mittleren Jahren, der bei der Suche nach seinem persönlichen Glück die Gelegenheit verpasst, die ihn auf einen goldenen Weg geführt hätte.Charles Brauers leichte und sensible Vortragsweise, in die sich gelegentlich ein zweifelnder Unterton mischt, vermag den Hörer über die gesamte Dauer der ungekürzten Lesung zu fesseln. In krassem Gegensatz zur Qualität des Romans und der Lesung steht leider die Ausstattung des Hörbuches, welche de facto bis auf ein Nichtssagendes Booklet nicht vorhanden ist.

Wolfgang Haan


Sándor Márai: Die Fremde
Ungekürzte Lesung von Charles Brauer
5 CDs, Laufzeit: 396 Minuten
ISBN: 3-89903-223-3
Preis: 29,90¤
Erschienen bei: hörbuchhamburg

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