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    TITEL kulturmagazin
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    Kate Mosse: Das verlorene Labyrinth

    15.12.2005

    Nicht neu – aber besser!

    Endlich sind die Zeiten vorbei, in denen Heldinnen an der Seite von Supermann nur als Staffage, Handlanger oder optischer Reiz dienten. Jüngster Beweis sind Dr. Alice Tanner und die 17-jährige Alais, Protagonisten in Kate Mosses Mystery-Thriller „Das verlorene Labyrinth“.

     

    Dr. Alice Tanner, dankenswerterweise mal keine forensische Pathologin, Super-Psychiaterin oder Ex-Staatsanwältin sondern Geisteswissenschaftlerin, nimmt während ihres Jahresurlaubes an einer archäologischen Ausgrabung in Frankreich teil. Als sie ein Artefakt unterhalb eines riesigen Steins ausgräbt, gerät dieser ins Rutschen. Im letzten Moment kann sich Alice zur Seite werfen. Nachdem sie sich von ihrem Schock erholt hat, erblickt sie einen Höhleneingang. Sie tastet sich hinein und findet zwei Skelette, deren eines einen Ring mit einem stilisierten Labyrinth trägt. Neugierig nimmt sie den Ring in die Hand und verliert das Bewusstsein. Als sie wieder erwacht, befindet sie sich im Jahr 1209 in der französischen Stadt Carcassonne.

    Historische Fiktion

    Was nun folgt, ist eine gelungene Kombination aus historischem-, Abenteuer- und Kriminalroman, welche auf zwei Zeitebenen spielt: Die Gegenwart und das dreizehnte Jahrhundert. Dabei werden geschickt die 800 Jahre auseinander liegenden, jedoch eng verbundenen Geschichten der beiden Frauen verknüpft. Auch die historische Akkuratesse lässt keine Wünsche offen und trägt, gemeinsam mit den im Text verstreuten Zitaten in französischer Sprache, viel zur Atmosphäre des Romans bei. Verbindendes Glied der beiden Zeitebenen ist die Jagd nach drei geheimnisvollen Büchern, die sogenannte „Labyrinth-Trilogie“, welche die wahre Geschichte des Heiligen Grals erzählen. Diese Thematik ist keinesfalls neu, und so darf man mit einiger Berechtigung fragen, warum man dieses Buch anderen vorziehen sollte. Die Antwort ist so kurz wie simpel: Weil es besser ist.

    Wo andere Autoren glauben, Staunen und Spannung dadurch zu erzielen, dass sie angebliche historische Fakten mit erstaunlichem Geheimwissen, kruden Verschwörungstheorien, Aberglauben und Gerüchten zusammenpanschen, ja wo sogar in berühmten Gemälden oder auf Geldscheinen geheime Botschaften versteckt sein sollen, kurz: in Zeiten hanebüchenen Unsinns geht Kate Mosse einen völlig anderen Weg. Sie entwickelte das, was sie in einem Interview als „historische Fiktion“ bezeichnete. Diese wissenschaftlich fundierten, faktisch korrekten und historisch beweisbaren Tatsachen werden jedoch in solch ansprechender, gut lesbarer, spannender und kompakter Form präsentiert, dass es dem Hörer zum Genuss gemacht wird, dem Labyrinth der Geschichte zu folgen. Und das über die gesamte Laufzeit von 1379 Minuten. Dass keine Ermüdung eintritt, liegt natürlich auch an der gelungenen Sprecherwahl. Dass es der erfahrenen Schauspielerin Julia Fischer gelingen würde, den weiblichen Protagonisten Leben und unterschiedliche Stimmlagen zu verleihen, war zu erwarten. Überraschend jedoch, wie prägnant sie auch den männlichen Akteuren Vitalität und Leibhaftigkeit verleiht. Dies gelingt ihr nicht nur durch das obligatorische Absenken der Stimme, sondern die Aussprache wird dringlicher, fordernder ja zuweilen brutaler ohne jemals ins Parodistische abzugleiten. Absoluter Höhepunkt der Lesung sind jedoch die Passagen in Okzitanisch und Französisch, die vorgetragen weitaus atmosphärischer klingen als bei der Eigenlektüre.

    Fazit: Nicht neu, aber anders und besser präsentiert Kate Mosse ihre verwobene Geschichte um den Gral und die Erlebnisse zweier starker Frauen in Vergangenheit und Gegenwart und deklassiert damit die aktuellen Werke ihrer männlichen Kollegen. Wer auf Blutorgien, sinnlose Gewaltdarstellungen und hanebüchene Lösungen verzichten kann und stattdessen dichte Atmosphäre, detaillierte aber kurzweilige Beschreibungen und historische Akkuratesse bevorzugt, wird hier bestens bedient. Ein Roman, der nicht nur Frauenherzen höher schlagen lässt.

    Wolfgang Haan


    Kate Mosse: Das verlorene Labyrinth
    Ungekürzte Lesung mit Julia Fischer20 CDs, Laufzeit: 1379 min. Erschienen bei: Argon Verlag ISBN: 3870249765Preis: ¤ 39,90

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