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Gustave Flaubert: Salambo

31.10.2005

„Du wirst fallen, Karthago!“

Nicht nur prophetisches Futur - wie in diesem Satz - beherrscht Flauberts nordafrikanisches Epos, alles hier ist aufgeladen, blutbesudelt, ereignisschwanger. Und symbolisch sowieso. Die Hörspieladaption begeht dabei leider den Fehler, diesem großgearteten Vorhaben nachzueifern, ja es gar übertreffen zu wollen.

 

Das Söldnerheer Karthagos kehrt siegreich vom Eryx zurück. Doch Karthago verweigert den Sold. Unweigerlich wird aus einem höllengleichen Gelage der Unzufriedenen nun trunkene Aufsässigkeit. Alle Kontrolle ist verloren und die Barbarenarmee der Söldner marschiert nun gegen Karthago. Rebellenführer Matho und Salambo, die Priseterin der Karthager und Hüterin des heiligen Schleiers der Göttin Tanit, haben sich allerdings ineinander verliebt. Sehr zum Missfallen Narr´Havas, des Prinzen der Numibier. Um die Macht Karthagos und Salambos zu brechen, beschließen Matho und Spendius, sein treuer Freund, Diener und Bundesgenosse, durch den Aquädukt in die Stadt zu dringen, um den heiligen Schleier, den kein Sterblicher berühren darf, zu stehlen. Der Raub gelingt und Karthago droht an diesem Verlust zu zerbrechen. Nach ersten militärischen Niederlagen und zunehmender Bedrohung durch die Söldnertruppen rufen die Karthager nach Hamilkar, dem in Ungnade gefallenen Militärgenie und Vater der Salambo. Hamilkar sieht den Untergang Karthagos voraus und - was wesentlich schlimmer ist - dass seine Tochter den Feind liebt, Matho. Der will nun seinerseits Hamilkars Kopf. Es kommt zur Schlacht, aus der Hamilkar als Sieger hervorgeht. Er befiehlt Salambo, sich in Mathos Zelt zu schleichen, um den Schleier der Tanit zurückholen. Diesen Machtkampf der Liebe gewinnt Salambo für sich - zum Preis ihrer Jungfräulichkeit. Der Überläufer und Schönling Narr´Havas soll nun zu Hamilkars Schwiegersohn werden. Matho verliert damit seinen wichtigsten Verbündeten und heimlichen Gegner. Der Untergang Mathos naht...

Gesamtschwül und ultrabrutal

Der Roman drängt - nach dem Plan Flauberts - episch-breit in vielerlei sich verzweigende und wieder zusammenfindende Ereignisstränge und Erzählstränge. Das gehört zur flaubertschen Ästhetik, zu einer unruhigen Rhythmik, in der sich das unstete Wesen der Geschichte selbst darstellen soll. Allerdings galt diese ästhetische Programmatik schon bei Erscheinen des Romans, 1863, als höchst umstritten, ja als Irrweg des historischen Romans. Sieben Jahre nach Madame Bovary hatte man von Flaubert einen weiteren Roman aus der realistischen Schule erhofft und kein nordafrikanisches Riesenpanorama im Blutrausch, martialisch-bestialische Kriegsszenen, Worte die wie Waffen, roh, laut, flitzend das ganze Buch durchscheppern, eine Atmosphäre, die duster alles durchwabert, einen Exotismus der allerdunkelsten Art voll Höllengelächter und trompetenden Elefanten.All dies versucht Regisseur Uwe Schareck mit seinem Team nachzuzeichnen. Hierbei wird der Bogen streckenweise jedoch bis zum Bersten überspannt. Allein musikalisch wird man von Zimbeln, Flötentönen, Fanfaren und Harfen derart dauerbelullt, dass man sich in schwülstige Historiendramen amerikanischer oder italienischer Filme zurückversetzt fühlt. Wir sprechen wohlgemerkt von den 60er Jahren und seinen Sandalenfilmen, die wir ja heute einigermaßen ironisch beäugen.Darüber hinaus leidet die Hörbarkeit der Produktion durch allzu ruppige Schnitte, die sich mit ausgedehnten narrativen Zusammenfassungen abwechseln, um allein dem Volumen der flaubertschen Vorlage Herr zu werden. Das passt aber kaum zusammen, und darüber kann auch nicht der superbe Söldnertrupp an Profi-Sprechern, den der Westdeutsche Rundfunk hier angeheuert hat, hinwegtäuschen. Anna Thalbach mag so verklärt und verführerisch sprechen wie sie mag – appetitlicher macht sie uns die Produktion im Ganzen damit leider nicht. Denn es bleibt in seiner überbordenden Üppigkeit geradezu ein Monumentalhörspiel, das mit dem berühmten „Weniger“, so viel weiter gekommen wäre.Allen Freunden von Perlengehängen, süßlichem Sadismus Monumentalsymbolik und zauberhafter Wüstenmelodie sei dieses Werk allerdings heißestens ans Herz gelegt.

Christoph Pollmann


Gustave Flaubert: Salambo
Hörspiel mit Anna Thalbach, Hans Peter Hallwachs, Felix von Manteuffel u.v.a.
2 CDs, Laufzeit ca. 158 min.
Produktion: Westdeutscher Rundfunk
Erschienen bei: Der Audio Verlag
ISBN 3-89813-380-X
Preis: 9,95 ¤

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