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    TITEL kulturmagazin
    Montag, 24. Juli 2017 | 02:38

     

    Veit Heinichen: Tod auf der Warteliste

    25.07.2005

    Treibhaus Triest
    Während eines Staatsbesuchs von Bundeskanzler Schröder in Triest springt ein junger Mann, nur mit Krankenhausschürze bekleidet, vor die Wagenkolonne und wird von einem der Sicherheitsfahrzeuge überrollt. Kurz darauf wird Professor Lestizza, Chirurg in der exklusiven Beauty-Klinik La Salvia, Opfer einer grausigen Gewalttat. Kommissar Laurentis Ermittlungen gestalten sich schwierig, denn die Klinik auf dem Karst ist abgeschirmt wie ein Hochsicherheitstrakt.

     

    Kommissar Proteo Laurenti steht vor der Aufgabe, ein verknotetes Geflecht des Protegierens, Denunzierens, Mordens und Totschlagens zu entwirren, um zum eigentlichen Epizentrum der kriminellen Energie vorzustoßen. Und wer noch nicht genug hat von Sätzen wie: „Glauben Sie bloß nicht, dass Sie damit durchkommen!“, „Der Kreis schließt sich!“, „Aber das ist doch verboten! Meinen Sie wirklich, dass so etwas auch bei uns passiert?“ und „Vielleicht gibt’s da ja einen Zusammenhang?“, der ist mit Veit Heinichens Krimi „Tod auf der Warteliste“ bestens bedient, denn es schippert sich ja durchaus gemütlich im Fahrwasser der Konvention.... Triest - ein bestens gewählter Ort. Dieser intellektuelle Magnet des frühen 20. Jahrhunderts, wo nicht nur ein James Joyce viele kreative Jahre verbracht hat. Die Nahtstelle zwischen italienischem Paradies und balkanischer Hölle machen diesen Adria-Ort zu etwas durchaus Außergewöhnlichem, selbst wenn Heinichen die Zutaten hier zu gutbürgerlicher Hausmannskost verrührt. Den meisten mag sie schmecken...

    Zwischen Charme und Schmarren

    Kommissar Laurenti (gesprochen von einem nicht durchweg überzeugenden Herbert Knaup) verkörpert den Typus des sympathischen Rebellen, der privat einiges durcheinanderbringt und nicht gänzlich vor Sexismus und Herrenreiterei gefeit ist. Hinzu gesellen sich, immer etwas gereizt, Laura seine im Grunde liebenswürdige Frau, gesprochen von Martina Gedeck, Laurentis Geliebte Ziva Ravno, ein laszives Kroatenluder, das den Kommissar mit wichtigen Infos aus Kroatiens Unterwelt versorgt, einem guten Fuder mieser Typen und selbstverständlich einer nicht zu knappen Anzahl Leichen. Umflort wird das ganze Kriminalgewese rund um Transplantation und Menschenhandel von verwilderten Gärten, drohend ragt die Karstküste über die Szenerie und den Ausblick umgrenzt der liebreizende Golf von Triest. Alle Handlungsfäden verknäulen sich schließlich in der Schönheitsklinik am Karst, einem wahren Palast des Grauens.

    So routiniert und spannungsladend ist also das Skript. Unglaubwürdig wird Heinichen jedoch, wenn er ins Zwischenmenschliche gerät. Seine Ehestreitigkeiten geraten in den Dialogen so vorgestanzt, dass sogar Sprecherprofis wie Knaup und Gedeck davon angefallen werden. Ebenso hilflos wie amateurhaft wirken die Monologpassagen, die Ramses, dem Ehemann eines des Opfer der Beauty-Klinik La Salvia, in den Mund gefrachtet werden: „An Mathildes zweitem Todestag schlag ich zu!“ , „Jetzt hab ich dich!“ und dergleichen leider zuviel. Dazu im Kinski-Stil rezitiert. Hier tun sich Regie und Vorlage wirklich keinen Gefallen.

    Als ebenso störend empfindet man die wohlrecherchierte Aura der ganzen Geschichte, wenn da ganze Speisekarten aufgesagt werden wie ein Schulgedicht. Stadtpläne werden ausgewalzt auf eine Art und Weise, die keinesfalls mehr realistisch wirkt, sondern allzu augenfällig das Bedürfnis Heinichens dokumentiert, hier wirklich etwas von der Realie Triest eingefangen zu haben. Einheimische Rebsorten und dergleichen mehr, ins Auge platziertes Insidervokabular, all das führt uns leider nur den tüchtigen Handwerker Heinichen vor. Leider auch das proklamierte Multinationale verkuddelmuddelt sich bei Veit Heinichen immer irgendwo im Bereich des Klischees. Am Ende ist wieder einmal eine Polizistenehe gerettet, man geht mit dem adoptierten Hund spazieren und – ach ja – der böse Bub wandert in den Knast.

    Was bleibt?

    Das Klangszenario und die Musik sind wirklich stimmungsvoll in diesem insgesamt doch gut gemachten Hörspiel. Und wer sich an der Schematik des Plots nicht stört, wem Dialoge wie „Laurenti du bist zum Kotzen!“ - „Das hat man nun davon wenn man einen demokratischen Führungsstil pflegt!“ nicht allzu heftig aufstoßen und wer juxigen Wörtern wie „Tittenklempner“ etwas abgewinnen kann, dem gereicht diese Produktion doch zu einigem Amüsement.

    Christoph Pollmann


    Veit Heinichen: Tod auf der Warteliste
    Hörspiel mit Herbert Knaup, Gerd Wameling, Martina Gedeck u.v.a.
    2CDs, Laufzeit: ca. 110 min.
    ISBN 3-89830-928-2
    Preis: 19,50 ¤
    Produktion: Norddeutscher Rundfunk
    Erschienen bei: Random House Audio

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