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    TITEL kulturmagazin
    Sonntag, 23. Juli 2017 | 04:46

     

    Witi Ihimaera: Whale Rider

    21.07.2005

    Friede, Freude, Walfischspeck

    Inspiriert von einem Wal, der sich im Hudson River verirrt hat, empört über die patriarchalische Struktur seines Volkes verfasste in nur drei Wochen Witi Ihimaera seinen
    Whale Rider, mittlerweile eine Art Nationalepos der Maori, das den mündlich überlieferten Mythos von Paikea aus Hawaiiki in die neue Zeit überführen will.

     

    Eine Herde Wale strandet an der Nordküste Neuseelands. Doch der Stammesführer der Maori, Koro, hat keinen männlichen Nachkommen, der den heiligen Tieren den Weg zurück weisen könnte. Und nur so kann seinem Volk die Ehre zurückgegeben werden. Aber der starrsinnige Häuptling ist blind für die Fähigkeiten seiner Enkelin Kahu, welche es schließlich sein wird, mutig die Prophezeiung ihres Volkes zu erfüllen.

    Sehr geradlinig erzählt Ihimaera seine Geschichte, die Geschichte seines Stammes, Ornamentik scheint ihm völlig fremd. Und doch ist die durchweg realistische Erzählweise stets durchdrungen von der dem Untergang geweihten Mythologie der Maori. Viele kämpfen gegen diesen Verfall an. Zum einen Koro Apirana der Stammesführer der Maori, der sich entschließt, die herumgammelnde, motorradfahrende Jugend in den alten Traditionen zu unterweisen. Zum anderen führt seine Frau Nanny auf unprätentiöse, alltägliche Art die Tradition der mündlichen Überlieferung weiter, wobei ihre Geschichten immer von der Aura eines archaisch kraftvollen Feminismus umgeben sind. Zum dritten wächst unbemerkt inmitten der Gemeinschaft die ungewünschte Enkelin des Häuptlings heran, welche das Weltverständnis der kulturell verwirrten Maori (übrigens ebenso verwirrt wie die allerorten strandenden Wale, ein durchaus gewolltes erzählerisches Pendant) auf reinste Weise verkörpert: Respekt, Verantwortung und Liebe spricht aus allem, was sie schon in jungen Jahren tut. Nur den Respekt gegenüber der Männergesellschaft lässt sie etwas vermissen und nennt ihren Großvater stets Paka, „Lump“. Was aber kein Wunder ist, wird sie doch vornehmlich von Nanny, der aufbegehrenden Frau des Häuptlings, erzogen.

    Mythologischer Kokolores?

    Selbstverständlich wird am Ende alles besser, und man fällt sich tränenreich in die offenen Arme: der Großvater seiner unterschätzten Enkelin, die Großmutter ihrem Paka, von dem sie sich längst schon scheiden lassen wollte. Die Wale sind gerettet, wie die Jugend, die den neuen Stolz der Maori verkörpern. Und tatsächlich, der Einfluss dieses Volksstammes ist in Neuseeland deutlich gewachsen und zwar fernab einer rein folkloristischen Reservatexistenz: Maori ist neben Englisch Landessprache geworden, und das ein Jahr nachdem Witi Ihimaera seinen Whale Rider verfasst hatte. Das Buch ist in mittlerweile 20 Sprachen übersetzt worden, und die Verfilmung war der größte Erfolg, den die neuseeländische Kinogeschichte je zu verzeichnen hatte.

    Das vorliegende Hörspiel, produziert vom WDR, wird den Erfolg dieser Geschichte weiter befördern. Es ist eine sehr stimmige Adaption, die als rundherum gelungen bezeichnet werden kann – eine echte Familienproduktion in gewohnter, schöner DAV-Aufmachung. Natürlich stört den kritischeren Hörer so manche Einfältigkeit und einige werden gar lauthals „Unfassbarer Kitsch!“ brüllen wollen. Doch insgesamt ist und bleibt Whale Rider ein possierliches Stück Literatur, bei welchem der Zyniker hier (ausnahmsweise) sein geblecktes Maul halten wird.

    Christoph Pollmann


    Witi Ihimaera: Whale Rider
    Hörspiel mit Céline Vogt, Monoca Bleibtreu, Regina Lemnitz u.v.a.
    2CDs, Laufzeit: ca. 96 min.
    ISBN 3-89813-395-8
    Preis: 19,95 ¤
    Produktion: Westdeutscher RundfunkErschienen bei: Der Audio Verlag

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