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J. Konecny: In Karin / P. Lenz: wott nüt geseit ha

11.07.2005

Schweizer Sein und Werden
Der kleine Verlag der gesunde Menschenversand aus Bern/Luzern, 1998 aus der Taufe gehoben, ist einer der Verlage, bei denen sich noch etwas bewegt und bewegen lässt. Matthias Burki und Yves Thomi sind das Duo artificiosus vom Vierwaldstätter See, welches dahinter steht – oder sollte man doch sagen: steckt? Die Publikationen des Verlags lesen sich zwar äußerst übersichtlich, sie werden aber gepflegt. Zwei CDs aus dem Sortiment wollen hier vorgestellt sein.

 

Zum einen der in der Slam-Szene weitgehend bekannt-gerühmte Jaromir Konecny. Er gewann all seine Slam-Preise durch die Schierheit böhmischer Liebenswürde und - wollte man böse züngeln - durch reinste Harmlosigkeit. Auch In Karin thematisiert zigmaligst den Geschlechterkampf, auf einer Ebene, die ordentlich kaminert und manchmal sogar heralindelt. Und das, obschon Konecny inzwischen fünfzig ist. Wird er sich noch ein neues Themenfeld erobern? Will er, kann er das überhaupt? Jaromir Konecny spricht von sich selbst als eine Art Kleinschriftsteller. Und die Lesungen wirken in ihrer Launigkeit auch wie brave Kränzchen mit Bienensticheleien und Kaffeekleckskatastrophen, selbst wenn Konecny, bemüht ist, sich durch viel Unten-rum-Vokabular dieser Aura zu entledigen. Aber es hilft nicht. Und was schlimmer ist: Nach spätestens fünfzehn Minuten zerren Duktus und Intonation des Vortrags dann auch kräftig am Nervengerüst. Ein kurzer Konecny-Slam, bitte sehr! Aber eine ganze Konecny-CD? Einfach zuviel.

Indiräkt sprichwörtlech blitzgschyd

Bei Pedro Lenz verhält sich die Sache gänzlich anders, obwohl man seiner Mundartkunst ebenso nur fünfzehn Minuten Aufmerksamkeit zuzusprechen vermag. Zunächst wie gebannt von den klanglichen Möglichkeiten, die einem das Schweizerdeutsche da anbietet, vermeint man einem Sprachkunstwerk jenseits aller Semantik und Syntax Geheimnis um Geheimnis abzulauschen. Doch das täuscht. Es werden handfeste Geschichten erzählt, denen inhaltlich zu folgen uns deutschen Niederländern jedoch untersagt bleibt. Es ist und bleibt uns diese Welt ähnlich weit wie der schamanische Buddhismus Nepals. Und als ob im Verlag um diese Schwäche gewusst wäre, mengen sich einige gefällige Lieder von den Zorros in jenes schwyzer Sprachgewitter hinein. Bügelhilfe? Verdauungsschnäpschen? Die Songs kranken an hübscher Gefälligkeit und wirken deplaziert, was leider auf den Schriftsteller zurückfällt, der durchaus vorgibt, den größeren Komplex zu suchen. Wozu dekoriert er sich also mit dererlei Epigonalgeklimper die strotze Brust?

Trotz alledem wollen wir Verlage wie den Menschenversand nicht missen müssen, zu wichtig sind sie für das Wenden und Lüften des literarischen Komposts und für das Hineinmengen von Ungewohntem, auch wenn es wie hier nicht gerade aufwühlend ist.

Christoph Pollmann


Jaromir Konecny: In Karin / Pedro Lenz: I wott nüt gseit ha
Lesung
CD, Laufzeit: ca. 75 min. bzw. 60 min.
Erschienen bei: Verlag der gesunde Menschenversand
ISBN 3-9521517-9-3 bzw. -8-5
Preis: je 16,50 ¤

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