TITEL kulturmagazin
Freitag, 31. März 2017 | 00:36

 

Ernest Tidyman: Shaft beim Kongress der Totengräber

09.05.2005

Oh Brother, diese City!

„Seine Haut war schwarz wie eine Kaffeebohne...“ Der ganze Roman eine einzige Plattitüde. Und dennoch: Man nehme es einfach mit einem Haufen Humor, wenn hier „Beim Kongress der Totengräber“ der Jargon nur so trieft - dann renkt sich der ganze Krimikokolores wieder ein.

 

Als Shaft aus dem Karibik-Urlaub zurückkommt ins frostig, frostige New York mit ein paar Kilos zuviel auf dem Hüftschwung und völlig fertig vom Saufen, Rauchen und Dauerpudern, bittet ihn sogleich Cal Asby, ein alter Vietnamfreund, um Hilfe. Er ist Totengräber und fühlt sich bedroht und verfolgt. Und tatsächlich, kurz bevor Shaft in dem Beerdigungsinstitut ankommt, fliegt der ganze Block in die Luft. Shaft findet bald heraus, dass Asby im illegalen Lotteriegeschäft tätig war und eine Menge Geld unterschlagen hat. Leider wildern in diesem Piranhabecken allzu viele miese Mafiosi herum.

„Die wahrscheinlich beste Retrokomödie des Jahres!“

Nigger, Clubs und Niggerclubs - Engelbert von Nordhausen nimmt seinen Sprecherjob als Shaft so ernst, dass ihm ständig der verdammte Putz Harlems aus dem Mund zu rieseln scheint, Gesten wie geladene Ballermänner, Dialoge wie Duelle. Leider konkurrieren hier allzu viele - selbst der Sprecher Reiner Schöne - um die möglichst abgebrühte Tonlage. Bemüht ums Fies-Sein sind eigentlich alle – außer dem obligatorischen In-die-Hosen-Scheißer, dem man bei der Wahrheitsfindung immer ein wenig brutal nachhelfen muss, um den Fall zu seinem Ende zutreiben. Insgesamt eine putzige Ansammlung von Archetypen, die wir sofort verstehen und dennoch stets ein unerforschbares Geheimnis für uns bergen. Literarische Tischlerkunst vom Grobfeinsten!

Besonders lobenswert ist bei all dem Testosteron-Getue der Soundtrack, der sich harmonisch dem berühmten Isaac-Hayes-Thema unterordnet, es zitiert, anreichert, reduziert, aber stets extremely funky bleibt.

Gekürzt, gewürzt?

Die Romanvorlage ist für diese Produktion auf etwa ein Drittel der Länge herunterschnippelt worden. Darunter leidet naturgemäß - wem sagen wir das - die Komplexität der Geschichte, weswegen wohl auch die einzelnen Akteure so sehr um grelles Kolorit bemüht sind. Dennoch ist das einstündige Hörspiel von Leonard Koppelmann intelligent geschneidert, gut fabriziert, wenn auch manches Mal ein wenig zu abgebrühte Brühe. In diesem Universum kullern die Limousinen geschmeidig durch die Straßen, Frauen sind einfach Kraultiere, Blei spuckt durch die Nachtluft, man hebt sich gegenseitig die Gräber aus, nennt sich Baby, Brother, Mutterbesteiger, die Drinks sind herzhaft, das Geld gebündelt – der ganze Hinterhof unserer gelangweilten Seele eben... Einmal gelacht, zweimal gezuckt, aber dann nicht wieder!

Christoph Pollmann


Ernest Tidyman: SHAFT beim Kongress der Totengräber
Hörspiel mit Engelbert v. Nordhausen, Reiner Schöne, Christian Rode, Peer Augustinski, Rainer Basedow u.a.
1 CD, Laufzeit: ca. 60 min.
Produktion: Südwestrundfunk
Erschienen bei: Random House
ISBN 3-89830-912-6
Preis: 14,50 ¤

... bis sie dann gestorben sind.

Wenn Comics sich klassischen Märchenmotiven widmen, dann tun sie das meist in Form einer eher überzogenen Parodie. Selbst wenn sich dahinter so viel Sophistication verbirgt wie hinter ...

Musik in Schwarz-Weiß

Noch ein paar Tipps für die Tage in denen Stimmung und Landschaft sich den Grau-Tönen nähern und die richtige Musik dabei hilft, ruhige Momente zu ...

Zwischen Karikatur und Avantgarde

Lyonel Feininger ist eine Ikone der Klassischen Avantgarde. Er hat einen festen Platz im Lieblingsmaler-Pantheon. Doch auch solch ein Weltrangmeister ist nicht vom Himmel gefallen. Die Ausstellung ...

Psychothriller mit doppeltem Deutungsboden

Alles beginnt ganz harmlos. Mit einem Schulaufsatz, in dem der französische Oberstufenschüler Claude (Ernst Umhauer) von einem Besuch im Haus seines Klassenkameraden Rapha berichtet. ...

NJ Institut for sundhed og senior services køb cialis online sundhedspleje forsikringsudgifter