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    TITEL kulturmagazin
    Sonntag, 23. Juli 2017 | 04:40

     

    Sandor Marai: Die Gräfin von Parma

    11.04.2005

    Casanova, altes Haus!

    „Eine unwiderstehliche Kombination“, meint die Cosmopolitan. „Gesättigt mit Raffinesse, Sinnesreichtum und Esprit“, die Frankfurter Allgemeine. Dabei geht es in Sandor Marais „Gräfin von Parma“ gerade um Entsagung und mitnichten um die ewige Unwiderstehlichkeit des venezianischen Amors, es geht um die Auflösung von Esprit zugunsten einer ungeahnten, neuen emotionalen Tiefe, einer Dimension jenseits des Raffinierten und fernab erotischer Sinnlichkeit...

     

    Die venezianische Inquisition auf den Fersen, erscheint Giacomo Casanova in Bozen, völlig abgerissen und nur mehr im Besitz einiger nur wenig wertvoller Ringe. Bozen ist auch die Heimat seiner einzig wahren Liebe, die Gräfin von Parma. Bald schon kommt es zum lang erwarteten Treffen der sehnsuchtsvoll Liebenden. Doch die Frage nach der Erfüllung eines leidenschaftlichen Gefühls bleibt heillos offen... Übrigens eine frei erfundene Episode aus dem Leben des berühmten Abenteurers. „Zu meiner Rechtfertigung sei bemerkt“, schreibt Marai, daß mich an der Lebensgeschichte meines Helden nicht das romanhafte Geschehen interessierte, sondern der romanhafte Charakter.“ Marai wird den Großmeister der Verführung aber auch von einer anderen Seite zeigen, man könnte auch sagen: vorführen, nämlich als Bemitleidenswerten, als den wahrhaft Verlassenen und ewig Unerfüllten.

    Sehnland und Sprachsucht

    Der Souverän der Liebe auf der Flucht? Die heimliche Sehnsucht, im Alter ein großer Schriftsteller zu werden? Die Muttersprache als Vaterland? Es lassen sich sicher Motivationen und Motive anführen, die Marai und Casanova einander näher rücken lassen. Doch auch das Gegenteil ist stets der Fall. Marai der Treue, der sich das Leben nahm, als Frau und Sohn kurz hintereinander verstarben – das ist so wenig casanovisch... Doch das Freiheitsbedürfnis des Venezianers treibt zeitlebens auch Sandor Marai in Europa und Amerika umher. Teils erzwungen, teils gewollt – heimatverbunden bleibt er dabei stets.„Ein Herr aus Venedig“ hieß die erste deutsche Übersetzung, was den Frauenhelden ins Zentrum des Geschehens rückte. Die Hörspielproduktion des WDR erscheint dagegen unter dem Titel: „Die Gräfin von Parma“. Einzig die zweite Übersetzung – sie erschienen 1950 - scheint beiden Seiten gerecht zu werden und lautet: „Begegnung in Bolzano“. Dieser Titel kommt dem Original wohl am nächsten, wobei allen eine starke Sachlichkeit anhaftet, die einen literarischer Bericht vermuten lässt. Marai liefert viel mehr: Casanova vom Leben gezeichnet. Noch immer wirkt sein Charme, doch es mehren sich die Zweifel in ihm und in den Frauen um ihn her. Eine junge Geliebte verweigert ihm das willige Gefolge, eine betrogne Ehefrau empfindet Mitleid für den Verführer und die Gräfin von Parma übt große Rache an ihm. Ja, es läuft nicht gerade gut in Bozen... Dabei will Giacomo noch was erleben, bevor er ganz und gar zum alternden Memoirenschreiber verkommt. Die Gräfin hat die unumkehrbare Wende eingeleitet...

    Der fahle Glanz des Endes

    Beeindruckend ist Sylvester Groth in der Rolle des Giacomo. Er vermag es der Figur glaubhafte Größe wie auch Zerbrechlichkeit zu verleihen, eine Seite Casanovas, die in der Literatur völlig unterentwickelt war. Überstrahlt wird alle Sprechkunst jedoch vom Auftritt des Grafen von Parma. Karl Michael Vogler spricht den tragischen Monolog – mit Abstand auch die stärkste Passage des Textes – vollendet. Hin- und hergeworfen zwischen allen Gefühlswelten, getrieben von Hass, von Liebe - von Neid? Es bleibt in wunderbarster Weise nicht zu entscheiden... Rufus Beck als Erzähler verschwindet fast gänzlich hinter den großen Einzelleistungen der Produktion. Und der eigentliche Höhepunkt, das ersehnte Zusammentreffen von Casanova und der Gräfin, ist dann auch gar keiner mehr. Es wirkt beinahe prosaisch. Pathos schimmert zwar kurz noch einmal auf, doch er ist längst stumpf, von den Ereignissen regelrecht kraftlos geworden. Dennoch: Lena Stolzes Leistung als Gräfin bleibt ja gerade das gekonnte Absingen dieser ganz großen Liebe. Der Nachhall, fast unaufhörlich...

    Christoph Pollmann


    Sandor Marai: Die Gräfin von Parma
    Hörspiel mit Rufus Beck, Rudolf Kowalski u.v.a.
    1 CD, Laufzeit: 75 min.
    Produktion: WDR
    Erschienen bei: DAV
    ISBN 3-89813-394-X
    Preis: 14,95 ¤

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