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    TITEL kulturmagazin
    Donnerstag, 27. April 2017 | 09:11

     

    Sir Arthur Conan Doyle: Sherlock Holmes

    10.02.2005

     
    Ein Unmensch des Gesetzes

    Doppelter Giftmord und der Rachefeldzug eines Gefängnisflüchtlings – Sherlock Holmes, die bekannteste Pfeife der Krimiliteratur, ermittelt in zwei wunderbar in Szene gesetzten Hörspielen.

     

    Die SWR-Produktion bietet mit „Eine Studie in Scharlachrot“, erschienen 1887, und „Das Zeichen der Vier“, erschienen 1890 zwei ganz frühe Abenteuer des Meisterdetektivs. Hier lernt er seinen zukünftigen Begleiter Dr. Watson kennen, der gerade aus dem Afghanistan-Krieg zurückgekehrt ist. Beide bewohnen fortan die Baker Street 221B, da sich sonst keiner fand, der mit dem genialen Außenseiter zusammenziehen wollte. Wir erfahren schon bald von seinem dilettierenden Geigenspiel, seiner Kokain-Sucht und seinem konsequenten Junggesellentum – kurzum: Holmes ist ein drogenabhängiger Stehgeiger, der bei keiner Frau landet! Erstaunlich, dass sich solch ein Charakter zur Legende auswächst... Zu allem Überfluss ist er auch noch ein eitler Fratz.
    All dies vermag die Hörspielproduktion sehr stilsicher, sehr ökonomisch und erfrischend anders als zahlreiche Verfilmungsversuche zu präsentieren. Von einer rührenden Verstaubtheit - und deutlich in der Tradition des Genrebegründers Edgar Allen Poe - ist dann auch die sorgfältige Ausarbeitung des Prinzips der Deduktion, eine Art detektivische Grundverfassung, die Sherlock Holmes längst in Fleisch und Blut übergegangen ist und die heute jedem Polizeiseriengucker bestens vertraut ist. Deduktion ist die wissenschaftlich genaue Einordnung von Tatsachen, ein Positivismus, der - unter Ausschluss der Unmöglichkeiten - gewisse mögliche Schlüsse zulässt – all das was man heute Ermittlung, Spurensicherung und Profiling nennt. Es wird dem Ermittelnden hierdurch möglich, sich in andere Personen hineinzufühlen und deren Gedankengänge nachzuvollziehen, bzw. zu antizipieren. Der minderbegabte Ich-Erzähler Watson, eine Mittlerfigur zwischen Leser und Held, dient Doyle vordringlich dazu, die Geheimnisse des Detektivs hervorzukitzeln – kurz: dumme Fragen zu stellen.

    Die Oberfläche der Tragödien

    Interessant ist vor allem die Komposition beider Abenteuer, die übrigens absolut gattungskonstituierend geworden ist. Dem Detektiv präsentiert sich also zunächst ein Rätsel. Holmes wird zum Tandempartner des Autors, da er die gesamte Szenerie und das Figureninventar bestimmt und uns abschließend in seinem Gefüge präsentiert. An diesem Punkt angelangt - der Mörder ist gefasst, das Setting steht - ist Holmes Arbeit jedoch beendet, der Autor übernimmt nun wieder und beschenkt den Leser mit dem Hintergrund, also den Motivationen der Kriminalgeschichte und der Determinierung der Charaktere. Hier kann das Genie nur noch stumm der Tragik mancher Episode lauschen, denn Anteil nehmen kann Holmes nicht, er besitzt keinerlei emotionellen Fähigkeiten. Da er aber darum weiß, stürzt er sich in den Kokain-Rausch, um die Leere in seinem Inneren zu füllen. Der Preis des vollends verwissenschaftlichten Menschen ist hoch. Er bezahlt mit vollendeter Einsamkeit. Der gnadenlose Positivismus erschafft einen Menschentypus, der uns heute in heutigen Krimi-Massenproduktion zumeist „auf der dunklen Seite“ begegnet. Und Watson sagt einmal selbst, wie gut es doch sei, dass Holmes auf der Seite des Gesetzes steht. Mit seinen Fähigkeiten und seiner Weltsicht, die einem Beinahe-Nihilismus entspricht, hätte er ebenso ein begnadeter Verbrecher werden können.

    Peter Fitz und Walter Renneisen sind als Londoner Gaunerjäger ein sehr überzeugendes Sprecherpaar. Watson gerät nicht so trottelig und Holmes nicht so verbrämt sympathisch wie es uns noch aus manchem Film noch vor Augen flimmert. Doch selbst bis in die kleinste Nebenrolle wurde diese Produktion phantastisch besetzt. Regie, Ton, Schnitt: Hut ab. Die sehr effiziente und dennoch stimmungsvolle Hörspielbearbeitung stammt übrigens von Gisbert Haefs, selbst ein Krimiautor - und in seinem Schaffen ganz den Doylschen Maximen verpflichtet. Der Preis von 29,50 EUR für die vier CDs lässt einen zwar kurz schlucken, man wird aber belohnt mit wahrhaft langer und nie langatmiger Hörlust.

    Christoph Pollmann


    Sir Arthur Conan Doyle: Eine Studie in Scharlachrot / Das Zeichen der Vier
    Zwei Hörspiele mit Walter Renneisen, Peter Fitz, Fritz Lichtenhahn u.v.a.
    4 CDs, Laufzeit: 230 min.
    Erschienen bei: Random House
    Produktion: SWR
    Preis: 29,50 EUR
    ISBN 3-89830-758-1

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