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    TITEL kulturmagazin
    Freitag, 26. Mai 2017 | 22:47

     

    Jules Verne: Von der Erde zum Mond

    03.02.2005

    Platonische Artillerie – aktuell raketisch

    Fast alles hat er vorausgeahnt, der Nostradamus der Belletristik – Jules Verne. Das Hörspiel aus dem Jahr 1967 bietet eine erfrischend ironische Interpretation dieses bis heute so erfolgreichen ersten Science-Fiction Romans „Von der Erde zum Mond“.

     

    Natürlich wird es ein wagemutiger Franzose sein, der als erster Mensch den Mond betritt. Jules Verne wusste, dass seine Landmänner zu jener Zeit in Amerika einen wahren Hasenfußruf genossen, woran auch sein Zeitgenosse Mark Twain nicht ganz schuldlos war. „Von der Erde zum Mond“ ist, wenn man so will, ein sehr früher Tom Clancy: alles strotzt vor Technikvernarrtheit, multinationaler Vision und soldatischem Draufgängertum. „Direktflug in 97 Stunden 20 Minuten“ lautet der Untertitel des 1865 erschienenen Romans dann auch. Allerdings – wir wollen auch das Ironische bei Jules Verne nicht völlig übersehen: das Mondfahrzeug ist ein technischer Bastard zwischen Hohlgranate, plüschgepolstertem Eisenbahnwaggon und Arche Noah, die vom öden Frieden gelangweilten Mitglieder des Gun-Clubs sind stolz auf ihre Prothesen und ihre Opfer, überall streut Verne zwar sehr klischierte doch durchaus amüsante Seitenhiebe auf Deutsche, Italiener, Russen und Amerikaner ein.

    Willkommen im Phantasialand!

    Aber auch an Prophetie mangelt es dem Roman keineswegs. Wer startete in Florida, um den Weltraum zu erobern, umkreiste den Mond und landete schließlich im Pazifik? Genau, Jules Vernes Phantasie! Und erst 100 Jahre später die NASA. Und die Idee, die zerstrittene Weltgemeinschaft mit technischem Gigantismus zu einen, erscheint besonders aktuell dadurch, dass alle Nationen für die Realisierung des großen Mondplanes großzügig spenden. Hier kommt einem sofort das ISS-Programm in den Sinn, und wir sind wieder einmal erstaunt, welch politische Weitsicht in so einem alten französischen Schriftsteller doch steckt. Allerdings zieht Verne in seinem Roman ein wahres Zirkuszelt an Fakten über seinem Leser auf und lässt - als hätte er geahnt, dass es einem doch manchmal recht langweilig wird beim Lesen - kurzerhand die gesamte Menschheit zu gelehrigen Schülern der Raumfahrt werden, da übernahm wohl der Wunsch die Vaterschaft!
    Deutlich wird überdies, dass hier kein reiner Unterhaltungsroman geplant war. Infotainment sagt man heute, was bedeutet, dass eine unübersehbare Flut an Fakten auf ein bekömmliches Tässchen reduziert wird, und wenn dies ausgetrunken ist, man sich ganz wissenschaftlich dünkt. Opfer dieser doch sehr maskulinen Ausrichtung des Romans werden die Charaktere – ja man kann kaum mehr von solchen sprechen, viel zu typisiert geraten sie dem Schriftsteller und verlieren sich einesteils in wissenschaftlichen Disputen, die ihren Ausgangspunkt stets in der Unwissenheit des französischen Raumpioniers Ardan haben, oder sie zerlaufen zu nationalem Klischee-Geplänkel.

    Raumschiff Ardan

    Das Hörspiel tröstet da mit einer knappen Stunde 60er-Charme. Der Umgang mit dem verquasten Militarismus Vernes gerät erstaunlich leicht, elegant werden ermüdende Wissensüberdosen beiseite gelassen, dazu trällert Jazz in Raumschiff-Orion-Manier und ein dokumentarischer Rahmen umspannt das Romangeschehen - alles Dinge, die diese Produktion durchaus noch modern erscheinen lassen. Und in der sehr günstigen Pocket-Reihe von D>A
    Christoph Pollmann


    Jules Verne: Von der Erde zum Mond
    Hörspiel mit Ursula Langrock, Kurt Liek u.a.
    1 CD, Laufzeit: 59 min.
    Erschienen bei: D>AProduktion: WDR
    Preis: 7,95 EUR
    ISBN 3-89813-344-3

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