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    TITEL kulturmagazin
    Montag, 24. Juli 2017 | 02:44

     

    Fjodor Dostojewski: Der Doppelgänger

    24.01.2005

     
    Ringkampf ums Ich

    Dostojewskis zweiter Roman in minimalistischer Hörspielfassung bietet insbesondere mit Ignaz Kirchner als ein dem Irrsinn verfallender Beamte allerhöchste Sprechkunst.

     

    „Der Doppelgänger“ war eine Enttäuschung für den jungen Dichter, vermeinte er doch selbst, er sei „über alle Maßen gelungen.“ Die Kritik seiner Zeit sah dies jedoch anders. Einmütig lautete damals das Urteil: langweilig, fad, ausgewalzt. Dostojewski machte sich fünfzehn Jahre später an eine Überarbeitung und verpasste dem Werk einen neuen Untertitel: „Ein Petersburger Poem.“ Vielleicht hoffte er damit die Grundstimmung des Buches besser zu treffen als mit dem vormals eher lakonischen Untertitel: „Die Abenteuer des Herrn Goljadkin.“ Wie auch immer, zweierlei beginnt mit diesem ungewöhnlichen Roman – ungewöhnlich deshalb, da er sehr stark auf den inneren Monolog setzt, einer Technik, die für damalige, an Gogol geschulte Leser, ungewöhnlich, ja unbekannt war – zweierlei also: ein innerer Kummer, der Dostojewski wohl nie mehr ganz losließ, und der Anbeginn eines Ringens um das Ich, den wir in seinen nachfolgenden Werken wiederentdecken können.

    Wahnhafte Wirklichkeit, wirklicher Wahn?

    Es ist eine trübselige Petersburger Novembernacht, in welcher der Titularrat Goljadkin auf seinen Doppelgänger trifft. Etwa zutiefst Beschämendes ist ihm zuvor wiederfahren, so beschämend, dass ihm plötzlich ein Gegenüber erscheint, der das Leben besser zu meistern weiß als er. Im anderen Goljadkin - er stammt aus dem selben Ort und hat auch denselben Beruf - versammeln sich all die Eigenschaften, die dem alten stets so sehr gefehlt haben: Einfallsreichtum, Wendigkeit, Auffassungsgabe. Obschon beide zunächst einen trunkenen Abend verbringen und der alte Goljadkin gar auf eine neue Freundschaft hofft, beginnt am nächsten Morgen schon der bizarre Kampf um die Identität des Titularrates, die der Alte bald verliert.

    Ein rasendes Sprecherpaar

    Minimalistisch wie gesagt ist dieses Hörspiel, konzentriert und dicht. So dicht übrigens, dass der Weg in den Irrsinn unvermeidbar scheint. Innerer Monolog, wörtliche Rede, Gedankenfetzen trudeln verteilt auf den Erzähler Ulrich Matthes und Ignaz Kirchner als fallender Staatsbeamte virtuos durcheinander. Angenehm hierbei ist, dass Matthes mit seiner sehr klaren, mittellagigen Stimme nur sehr selten ins Exzentrische, Auffahrende steigt und diesen Part eher Ignaz Kirchner überlässt. Es bildet sich solcherart im Laufe der Zeit eine wunderbare Symbiose, ein Abbild des inneren Risses des Goldjakin heraus. Und hieran scheint der Doppelgänger dann auch schon gar nicht mehr beteiligt. Der Wahnsinn ist längst eingefleischt und verhilft dem Alten sogar eigenhändig in die psychiatrische Klinik. Die Deformation einer Seele kündigt sich dabei in syntaktischen Aussetzern des Protagonisten und leisen Antizipationen des Doppelgängertums schon früh an. Und nicht zuletzt eine enttäuschte Liebe war es ja auch, die ihn in diesen schizoiden Abgrund stieß.Vitalität erlangt das Hörspiel vor allem durch den Stimmkünstler Kirchner. Er versteht sich auf eine geradezu unüberblickbare Vielzahl von Tonlagen, und es ist ein Vergnügen ihn in dieser verzweifelten Rolle agieren zu hören. Nie überzieht er den Ton ins Schrille, oft lässt er ihn im Angesicht existenziellster Not auch einfach schweben und hält ihn dieserart in irrster Alltäglichkeit. - Groß.

    Christoph Pollmann


    Fjodor Dostojewski: Der Doppelgänger
    Hörspiel mit Ignaz Kirchner, Ulrich Matthes und Werner Wölbern
    2 CDs, Laufzeit: 82 Minuten
    Produktion: Deutschlandfunk/Österreichischer Rundfunk
    Erschienen bei: DER>AUDIO VERLAG

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