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Freitag, 31. März 2017 | 00:33

 

Bettina von Arnim trifft Ludwig van Beethoven

21.10.2004

 


Schwärmerei für taube Ohren




 

Als sie ihn das erste Mal sah, vergaß sie die ganze Welt. Euphorisch, schwärmerisch und in nahezu verklärter Ansicht schreibt Bettina von Arnim über ihre Begegnung mit Ludwig van Beethoven im Mai 1810 in Wien. Zu dieser Zeit war sie noch nicht mit Achim von Arnim verheiratet (das passierte erst im Jahre 1811), und Beethoven stand mittendrin in der mittleren Schaffensperiode, die ab circa 1803 bis etwa 1814 dauerte. Da entstanden die dritte bis achte Sinfonie und einiges für Klavier, Cello und Violine.

Die Schauspielerin Hannelore Elsner liest aus den Schriften von Bettina von Arnim, in denen diese sich mit Beethoven als Mensch und mit seiner musikalischen Schaffenskraft auseinandersetzt. Die Texte wurden von Wolfgang Knauer zusammengestellt aus Werken wie „Goethes Briefwechsel mit einem Kinde“, „Die Günderode“ oder „Clemens Brentanos Frühlingskranz“. Sebastian Knauer spielt dazwischen drei berühmte Klaviersonaten: „Sonate C Moll op. 10 No. 1“, „Sonate D Moll op. 31 No. 2 ‚Der Sturm’“ und „Sonate Cis Moll op. 27 No. 2 ‚Mondschein’“.

Bettina von Arnim hat ihn wohl verzaubert und seine verschüttete Gefühlsebene wieder etwas emporgehoben, er, Beethoven, der oft schroff wirkte und wegen seiner fortschreitenden Taubheit schlimme Phasen durch machte. Auch seine exzessive Leidenschaft für die Musik machte ihn für Freunde und Liebschaften oft unerträglich.

Diese Begegnung zwischen der enthusiastischen Frau und dem musikalischen Genie reizte zu vielen Spekulationen. Beethoven schickte ihr nach der Abreise viele Briefe, die seine erstaunliche Zuneigung dokumentieren. Sie war ziemlich perplex ob seiner Gefühlsausbrüche, die wohl niemand dem Komponisten in dieser Lebensphase zugetraut hätte: „Beim Abschied drückte er mich wie jemand, den man lange lieb hat, an sein Herz.“

Beethoven verwahrte die kleinen Zettel, auf denen Bettina von Arnim ihre Antworten aufgeschrieben hat, weil der Komponist fast nichts mehr hören konnte. Es ist bewegend, wie sie ihrerseits in Briefen davon berichtet. Aus den Worten ist zu entnehmen, wie sehr die kurze Bekanntschaft mit Ludwig van Beethoven ihr junges Leben veränderte.

Textprobe:
„Wie ein Gruß aus lichten Höhen. Ist es nicht das, was du in deiner Musik erstrebst, großer Beethoven? Musik, sagst du, ist der einzige Eingang in eine höhere Welt des Wissens. Das Samenkorn braucht den warmen, feuchten Boden um zu treiben. Musik ist der Boden, in dem der Geist lebt, denkt, erfindet.“

Klaus Hübner


Bettina von Arnim trifft Ludwig van Beethoven: „In einem Weltmeer von Harmonie“.
Rezitation: Hannelore Elsner. Klavier: Sebastian Knauer.
CD. Deutsche Grammophon Literatur 0289 4761984 (0).
ISBN 3-8291-1437-0.

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