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    TITEL kulturmagazin
    Samstag, 22. Juli 2017 | 00:34

     

    Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften

    12.07.2004

    Welcome to Kakania!

    Er ist Österreicher, sieht aus wie Harvey Keitel – man wird ihm verfallen! Über ein Jahr hat Wolfram Berger an den monumentalen 35 Stunden und 40 Minuten seines Erzählsolos gearbeitet. Herausgekommen ist ein exquisites Hörvergnügen, das es sogar vermag, manch einem den Zugang zum
    Mann ohne Eigenschaften überhaupt erst zu eröffnen. Die blendend schöne Ausgabe ist jetzt auf Platz 1 der Hörbuch-Bestenliste!

     

    Mit seinem Grazer Timbre, das sich an die Fleisch- und die Gedankenfiguren herantastet, das den gesamten Horizont der Möglichkeiten einzuholen sich aufmacht – Wolfram Berger macht dies in einzigartiger Weise wahr. Von Vorteil hierbei ist die immense Spannweite seiner Stimmlagen. Erinnern wir uns nur an das umfangreiche Personeninventar des Romanmammuts. Doch immer lässt er über allem auch diesen musiltypischen zynischen Abstand des Erzählers Ulrich schillern, der dem Ganzen erst ein Gefüge verleiht.

    Robert Musil und der Mann ohne Eigenschaften waren im Wien der dreißiger Jahre für alle, die beide kannten, Synonyme. Ja, Ulrich ist wahrlich Fleisch vom Fleische des Autors und ein Menschenschlag, den die Gegenwart hervorgebracht hatte. Kein Beruf ist aus seiner Erscheinung zu erraten, nichts in der Welt ist für ihn fest. „Ich bin der Mann o. E.“, notiert Musil pro domo. Dabei trug der Roman ursprünglich auch ganz andere Namen: „Die Zwillingsschwester“, „Der Spion“ oder „Der Erlöser“. Auch der Erzähler hieß zunächst Achilles, später Anders. Und selbst das Formgefüge wurde stets umgebildet wie eine Lavamasse, die niemals erstarren durfte: in ewigem statu nascendi.

    Im Exil – seine Frau war Jüdin – erhielt Musil dann noch einmal die Chance, den Roman völlig umzuarbeiten. Er bilanziert gegen Ende seines Lebens, er sei nicht weiter gekommen, aber tiefer! Der Roman blieb unvollendet. Dennoch brachte er es zu ungeheurem Weltruhm. So schrieb Franz Blei: „Keine Zeile dieser 1075 Seiten läuft leer, jede ist wichtig für das strukturelle Ganze dieses unvergleichlichen Werkes. Was darin steht? Diese ganze heutige Welt.“
    Leitend für Musils Ästhetik war immer der Stilgedanke. Dieser Umstand gebar den Vorwurf, es sei unerträglich, über so viele hundert Seiten hinweg, dem Anprall schärfsten Geistes zu begegnen. Für Musil bedeutete Stil aber das möglichst genaue Herausarbeiten eines Gedankens. So ist es das brillante Gepräge des Essayismus, das hier zu seinem unnachahmlichen Ausdruck kommt: Metaphorik wird zwar weitgehend verdrängt zugunsten der Analogie und des Vergleichs, das heißt jedoch nicht, Abstriche am Poetischen vorzunehmen – es ist vielmehr die Geburt einer neuen Poetik. Musil spricht hier von einer „gleitenden Logik der Seele“.
    Die Fortsetzung des Projekts – das zweite Buch – ist übrigens für 2005 geplant.

    Christoph Pollmann


    Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften
    gelesen von Wolfram Berger
    Zweitausendeins 2004
    Erstes Buch, Kapitel 1–123
    Laufzeit: 35 Stunden und 40 Minuten auf 2 MP3-CDs
    ISBN 3-86150-652-1
    25,95 Euro

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