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    TITEL kulturmagazin
    Samstag, 27. Mai 2017 | 17:43

     

    Peter Handke: Lucie im Wald mit den Dingsda

    28.06.2004

     
    Leichte Kost und schwere Sprache

    „Eine Geschichte“ nennt Peter Handke sein kurzes Werk Lucie im Wald mit den Dingsda. Nicht: „ein Märchen“. Denn dafür sind die Sätze viel zu schwierig und viel zu lang.

     

    Und doch: etwas Märchenhaftes, also Unwirkliches in der Wirklichkeit, etwas aus den Traumgebieten der Phantasie, mit dem wahren Kern innen drin, der, je nach Einstellung, immer eine erzieherische oder gar bedrohliche Wirkung erzeugt, teilt sich in der teils blumigen, teils beidbeinig auf der Erde stehenden Sprache von Peter Handke mit. Nebulös verschleierte Taten, Handlungen und Erlebnisse im Wald mit diesen „Dingsbums“ oder „Herrlichkeiten“, die der Vater mitbringt nach Hause, bis er verhaftet wird, begleiten Lucies sich entwickelnde Erwachsenenfähigkeiten.

    Lucie heißt nicht Lucie, ist auch nicht so alt, wie sie alt ist. Vater ist ein Zitterer, im Grund ein viel schwächerer Mensch als seine 10-jährige (?) Tochter. Der Vater dient höchstens als absolutes Negativbeispiel, obwohl viel über ihn erzählt wird. Die Mutter ist sehr schön, geht jedoch etwas unter. Lucie ist sehr neugierig. Was Lucie aus dem Mund ihrer Mutter über den Vater hört, ist überhaupt nicht ehekonform nett: ein „Ausfall“, ein „Ausrutscher“ sei dieser unmögliche Mann. Ein Gärtner eben. Sie, die Mutter, dagegen arbeitet als eine Kriminalpolizistin, „ja sogar Chef der Kriminalpolizei, in einem der fast nur aus Hochhäusern bestehenden Nachbarvororte“.

    Mit Beharrlichkeit und der Liebe zu den Eltern schafft Lucie es bis zum König. Schließlich gelingt es ihr, auf geradem Wege und doch, aufgrund Handkes ausufernder Sprache, eckig und kantig zum Königshof vorzudringen und den Vater zu befreien.

    Den inzwischen fünf Jahre alten Text liest Handke komplett selbst. Mit einer angenehmen Stimme, die den sehr schwierigen Lesetext in verständliche Sprache einkleidet. Was der Geschichte deutlich gut bekommt, weil die Konzentration auf Handkes versöhnliche Stimme die Konzentration auf Lucies Erlebnisse plötzlich federleicht erscheinen lässt.

    Klaus Hübner


    Peter Handke: Lucie im Wald mit den Dingsda. Mit farbigen Illustrationen des Autors und 2 CDs. Lesung des Gesamttextes: Peter Handke.
    Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main. 1999. 90 Seiten.
    Produktion der CDs: ORF, 2001.
    Aufnahme und Produktion: Brita Steinwendtner.
    ISBN 3-518-41589-1.
    29,90 Euro

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