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    TITEL kulturmagazin
    Montag, 24. Juli 2017 | 02:44

     

    Beat Shakespeare

    28.05.2004

     
    Beat it, Shakespeare, beat it!

    Das Ende ist nah: Oliver Korittke stammelt Strophen, Christian Ulmen wustet Worte, Jessica Schwarz fistelt Verse, Gülcan Karahanci jammert Jamben und Jana Pallaske murkst Metren.


     

    „Ganz bewusst haben wir ein Team ausgesucht, das eine Nähe zur (Pop-)Musik mitbrachte. Eine Mischung von Unbefangenheit und Respekt.“ So steht es im Booklet der Produktion Beat Shakespeare, einer Lyrikinszenierung von Fred Heimermann. Unsterbliche Lyrik und relaxte Downbeats – stimmt. Aber wieso um alles in der Welt zusammen? Zudem gelesen von lyrischen Großlegasthenikern? Jedem Profisprecher dreht sich hier die Zunge um und fließt das Speiwasser im Mund zusammen. Die angestrebte Unbefangenheit im Umgang mit einem Titanen der Literatur ist vielleicht ein kleiner Partyspaß, gehört aber auf keine ernstgemeinte CD.

    Fusion von Globe Theatre und digitaler Moderne

    In diese rhetorische Wortdose passt wirklich allerhand. Apropos Rhetorik: „Würde das Reimschema ABAB, CDCD, EFEF, GG den unrunden Beats à la Neptunes, schwelgerischen R´n´B-Elementen oder elegischen Elektronikschnipseln standhalten?“, fragen sich die Produzenten Heimermann und Niemczyk im Vorwort. Die Frage ist falsch gestellt. Shakespeares Sonette halten vielem stand, sogar den Zeiten und Sitten. Es müsste vielmehr heißen: „Wären wir in der Lage uns dem ewigen Zauber dieser unvergleichlichen Shakespeareschen Sprachmelodie, deren Wohllaut von keiner Übersetzung eingefangen wird, auch nur um einen Zentimeter anzunähern?“ Diese Clubtruppe hat schlicht Befangenheit mit Bescheidenheit verwechselt.

    Shakespeare – die größte Discokugel

    Es ist eine besondere Lust mitanzusehen, wie große Literatur ins Dämmerlicht kleiner Bars gezerrt wird und dann alles überblendet. Natürlich mussten Shakespeares Dramen und Komödien schon damals sowohl in lärmigen Landgasthöfen wie in hochwohlgeborenen Adelszirkeln funktionieren. Wie gesagt, all dem hielten sie stand. Und auch diesen lärmigen Gasthof - mehr ist die hippe-hoppe Clubszene nun einmal nicht - werden sie völlig unbeschadet überleben.
    Im Vergleich zur Produktion Feuerreiter (Rezension: Multimorbide Mähre) hat Beat Shakespeare allerdings den Vorzug, dass die musikalische Inszenierung die Texte nicht zu überbrüllen sucht. Die Beats geben sich allem hin, sind auf beinahe unheimlich Art störungsfrei. Die Produktion Feuerreiter betört jedoch mit der Professionalität eines Joachim Kerzel, der aufzeigt, wie anspruchsvolle Textarbeit auszusehen hat.

    Entdeckung ohne Erweckung

    Ein weiteres Ärgernis ist die Willkür, mit der die Auswahl getroffen wurde. So verlautbaren die Produzenten zum Einen, dass keinerlei Vorgaben oder Setzungen existierten, zum Anderen, dass ihnen eine Arbeit aus einem Guss wichtig gewesen sei. Wie soll aus Kladderadatsch aber jemals Klarheit werden?
    Das bitterste Bonbon wird uns schließlich am Ende in den schon dicken Hals gestopft: die inzwischen wohl unvermeidbaren Outtakes. Korittke radebrecht das englische Original mit „Ist das geil!“- und „Ihr spinnt ja!“-Zitaten. Saukomisch, Herr Heimermann, da wird noch Jahre später gelacht werden – über Sie.

    Christoph Pollmann


    Beat Shakespeare. Lyrikinszenierung mit Gülcan Karahanci, Christian Ulmen u.a.
    1 Audio-CD, Laufzeit ca. 50 min.
    ISBN 3-89830-663-1
    Erschienen bei: Random House
    Preis: 18 EUR

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