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    TITEL kulturmagazin
    Samstag, 27. Mai 2017 | 17:42

     

    Leif Karpe u. Marco Klaß: Die Entdeckung der Farbe

    10.05.2004

     
    „Das wahrlich ist Afrika nicht!“

    Eine Hörreise nach Tunis mit Paul Klee, August Macke und Louis Moillets. Oder: Wie aus Titanen Touristen werden.

     


    1914, das war ein Jahr! Die Welt steht am Abgrund, doch eine Hand voll Künstler sucht Arkadien. Geleitet vom südlichen Licht – bei Klee ist auch die Herkunft der Mutter ein Motiv – vervollkommnet August in Tunesien seine Aquarelltechnik, und Paul wächst geradezu über sich hinaus: Er wird Maler. Mit Haut und Pinselhaar.

    Für die Kunst ist neunzehnvierzehn sicher unentbehrlich. Und außer einer Unmenge an fertigen und vorinspirierten Bildern segelt uns noch ein ganz anderes Produkt in den Schoß. Dass Paul Klee ein pictor doctus war, ist kein Geheimnis. Dass er es auf anderen Gebieten wie Musik, Plastik und Literatur ebenfalls zu Höchstleistungen gebracht hätte, unumstritten. Letzteres soll die Grundlage dieser Besprechung bilden.

    Zum unwerten Leben erweckt

    Das Autorengespann Leif Karpe und Marco Klaß hat das Tunistagebuch Klees zur Grundlage einer szenischen Hörreise gemacht. Sie wollten die Künstler und ihre Zeit wieder ins Leben holen. Herausgekommen sind nur Wachsfiguren, die erschreckend schwache Texte wiederkäuen, banalstes Plaudern mit Theoriedampf und alkoholisch sexueller Künstlerkoketterie. Themen wie: Herr K. speiend an Deck, haha. Die Damen in Afrika, hoho. Kandinsky = Schlawinsky. Dummheiten wie: „Ein Guide, der uns geleitet.“ Gespreiztheiten wie: „Ich will meinen Augen diese Wohltat gönnen.“ Replik: „Oho, an dir ist ja ein Dichter verlorengegangen!“ Ekstasen wie: „Aber ´ne Wasserpfeife probieren wir mal!“ Existentielle Niederlagen wie: „Ach verflixt, mir gelingt aber auch gar nichts!“

    Ein afrikanisches Ärgernis

    Wie unerfreulich ist all das im Vergleich zu Klees Original. Anna Thalbach vermag es, diese sonderbaren Texte mit scheuer Verwunderung zu sprechen und sie in kitzliger Schwebe zu halten. „Das Schiff beginnt zu rollen. Die Fahrt durch den Hafen ist sehr spazierlich und amüsierlich.“ „Zarteste Bestimmtheit der Farbe.“ „Die Sonne von einer finsteren Kraft ...“ „Appetit und Schläfe überkommen uns hier mit Gewalt.“
    Doch schlechte Autoren verpassen gar Titanen Bermudashorts. Und der Kontrast von sinnigem Tagebuch und schwerlötigen Dialogen könnte kaum größer sein als bei dieser hilflosen Produktion. Hinzu kommt allerfeinste Dramaturgie: In Frankreich Ziehharmonika und Oudmusik in Afrika. Man merkt sogleich, da wurde studiert!

    Angehängt an das schlottrige Booklet findet man schließlich eine Landkarte. Wollen Sie den Spuren der Künstler folgen? heißt es dort. Bei genauerem Hinsehen erweist sich allerdings, man hält nur einen Lappen Gemeinplätze in Händen. Blasse Wiedergänger des Weltwissens schleichen hier umher: Weltkulturerbe in Tunesien, ADAC-Bewertung der Fährsicherheit (sic!), ewige Feilschgesetze auf dem Basar, flotte SNCF-Verbindungen, Hotelbettenzahlen – ein wahres Ärgernis. Da bleibt einfach nur der Griff nach harten Buchdeckeln. Die Tunisreise, aus dem Verlag Hatje Cantz.

    Christoph Pollmann


    Leif Karpe u. Marco Klaß: Die Entdeckung der Farbe
    Eine Hörreise mit Anna Thalbach u.a.
    Erschienen bei: steinbach sprechende bücher
    1 CD, Laufzeit ca. 65 min.
    Preis: 19,90 EUR
    ISBN 3-88698-633-2

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