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    TITEL kulturmagazin
    Mittwoch, 23. August 2017 | 10:13

    Yrsa Sigurðardóttir: Die IQ-Kids und die geklaute Intelligenz

    10.10.2011

    Intelligenz ist gefährlich!

    Wer intelligent ist, lernt leicht, hat die besten Noten in der Schule und bekommt später die besten Positionen im Beruf. Auf ein intelligentes Kind kann man nur stolz sein. Kein Wunder, dass Eltern intelligente Kinder haben wollen. Intelligenz kann aber auch zur Falle werden, wenn jemand damit böse Geschäfte treiben will. Eine Gruppe munterer Kinder macht in Yrsa Sigurðardóttirs Die IQ-Kids und die geklaute Intelligenz, unfreiwillig ihre eigenen Erfahrungen mit der Jagd nach den Intelligenten unter uns. Von MAGALI HEISSLER.

     

    Anna Lísa und Raggi können es nicht fassen. Eben noch vom Sitzenbleiben bedroht, werden sie zur Teilnahme an einem Ferienkurs für hochbegabte Kinder eingeladen. Sie begreifen sofort, dass ein Fehler vorliegen muss. Ihn aufzuklären und schlechte Noten gestehen zu müssen, ist aber weit schlimmer. Besonders Raggi leidet unter einem überehrgeizigen Vater. Also beißen sie die Zähen zusammen und marschieren tapfer ins Initiativzentrum Biokids, in dem unter der Leitung von Dr. Guðgeir die künftige intellektuelle Elite Islands geschult werden soll. Ihre hochbegabten Mitschülerinnen und Mitschüler sind wenig begeistert von den beiden, vor allem Raggi benimmt sich nicht wie jemand, der Physikprobleme, die Einstein wälzte, noch im Schlaf löst. Magga und Arnur, die mit Anna Lísa und Raggi eine Arbeitsgruppe bilden müssen, fühlen sich dann auch eher gestraft als gefördert. Ehe jedoch die Verwechslung auffliegt, geschehen merkwürdige Dinge, die die Gruppe zusammenhalten. Dr. Guðgeir führt rätselhafte Telefongespräche, wird mit einem geheimnisvollen Kaninchen gesehen und trifft unheimliche Fremde. Als die Merkwürdigkeiten plötzlich Magga zum Mittelpunkt zu haben scheinen, werden die vier unfreiwilligen Freunde aktiv. Die Ermittlungen im streng gesicherten Institut sind nur unter Schwierigkeiten zu bewältigen, wobei Raggis verrückte und meist völlig ungeplante Streiche die Sache wechselweise befördern und behindern. Am Ende müssen die Vier wirklich alles einsetzen, um ihre Haut zu retten, nicht nur ihre Intelligenz.

     

    Kinder gegen den Technisierungswahn

    Sigurðardóttirs erster Krimi für die Altersgruppe der ca. Zehn - bis Zwölfjährigen besticht durch ganz unterschiedliche Zutaten. Da ist zum einen die Komödie. Verwechslungen, Missverständnisse, echte Naivität und vorgetäuschte, Schwindeleien und veritable Lügengeschichten, Fehlurteile und fatale Bemühungen, Dinge wieder gut zu machen, bilden ein wunderbar gewebtes Netz heillosen Durcheinanders, das seinen Teil zur Spannung ebenso beiträgt, wie es dazu dient, diese im rechten Moment wieder zu lösen. Da nicht wenig von dem Chaos, das sich unaufhaltsam ausbreitet, seinen Grund darin hat, dass die kindlichen Heldinnen und Helden einen ganz anderen Blick auf die Welt haben als die Erwachsenen, einschließlich ihrer Eltern, sind die komödiantischen Elemente ausgezeichnet dazu geeignet, dass sich die junge Leserschaft umgehend mit den Figuren identifiziert. Raggi, die eigentliche Hauptfigur, ist ein ebenso liebenswerter, wie in seiner gedankenlosen Zerstörungswut furchteinflößender Clown. Er ist auch der Auslöser eines klassischen running gag über eine Gruppe von Bauarbeitern und einen Stahlwinkel, für den allein sich die Lektüre dieses Buchs fast schon lohnte.

    Zum Zweiten setzt Sigurðardóttir ganz auf ihre kindlichen Protagonistinnen und Protagonisten. Sie sind aufgerufen, das Chaos, das die Erwachsenen in ihrem Fortschrittswahn anrichten, in Ordnung zu bringen. Die Gewichtung unter den Vieren ist nicht ganz ideal, aber jede und jeder gewinnt ausreichend Konturen. In den Beziehungen zu den Eltern wird auch deutlich, was für ein Druck hohe Anforderungen an Kinder sein können. Das schwingt unaufdringlich immer mit. Schließlich ist es der Ehrgeiz der Eltern, der die Kinder in Gefahr bringt.

     

    Phantasie und Ehrlichkeit

    Die Vorgehensweise bei der Aufklärung des spannenden Rätsels ist am traditionellen Kriminalroman orientiert. Es werden Spuren untersucht, Indizien gesammelt und eine Menge nachgedacht. Die Internet-Recherche wird nur am Rand eingesetzt, Sigurðardóttir vermeidet geschickt den Fehler anderer Kinderkrimi-Autorinnen und -autoren, die Technik als Löserin aller Probleme darzustellen. Selber denken und handeln ist hier das Wichtigste. Was sie der jungen Leserinnenschaft auch nicht vorenthält, sind die finanziellen Hintergründe von Verbrechen. Die schöne neue Welt zeichnet sich vor allem durch große Summen auf den Bankkonten einiger weniger aus.

    Die ökonomischen Hintergründe, aber auch die naturwissenschaftlichen Zusammenhänge zu Intelligenz- und Genforschung, Klonen und die damit verbundenen Probleme sind kindgerecht aufbereitet, die ökonomischen Zusammenhänge geraten allerdings etwas zu knapp. Da hätte man die eine oder andere Slapstick-Szene kürzer fassen können, um bei diesem wichtigen Thema Klarheit zu schaffen. Die Leistung, dass sie in einem Kinderbuch überhaupt aufgeführt werden, schmälert das aber nicht. Die Autorin bemüht sich, Krimi, Phantasie und Realität auf möglichst ehrliche Weise zusammenzubringen, und das gelingt. Das wird auch beim durchaus schaurigen Showdown spürbar, wo die Autorin Horror, Spannung und Komik sehr genau für das junge Publikum dosiert.

    Da das Ganze in Island spielt, gibt es einige Seitenhiebe auf die dortigen Zustände. Man muss sie nicht kennen, im Gegenteil kann man sich beim genüsslichen Lesen darauf freuen, den Schulalltag (oder die Sicht auf Bauarbeiter) eines fernen Landes kennenzulernen, um festzustellen, dass Dänischunterricht hin oder her, es doch viel Verbindendes gibt. Das Fremde ist hier das Salz in der wohlschmeckenden Suppe.

    Der Epilog bildet einen humorvollen und überraschenden Schlusspunkt.

    Das Layout erfreut durch große Schrift, gut erkennbare Seitenzahlen und geheimnisvolle Fingerabdrücke an jedem Kapitelanfang und ein attraktives Cover.

     

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