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    TITEL kulturmagazin
    Donnerstag, 25. Mai 2017 | 20:15

     

    Robert Cormier: Ein Sommer in Frenchtown. / ab 13

    25.03.2004

     



    Es ist Sommer und Eugene sieht Frenchtown, die Stadt in der er schon seine ganze Kindheit verbracht hat, plötzlich mit neuen Augen.



     

    Es hat sich nichts geändert und trotzdem scheint von einem Tag auf den anderen alles anders zu sein.

    Das war der erste Sommer, in dem ich Zeitungen austrug,
    und ich lief durch die Schluchten
    der Mietshäuser von Frenchtown,
    brachte die Monument Times,
    wich Schägertypen und Hunden aus
    und grübelte darüber nach, was ich hier machte,
    hier auf dem Planeten Erde.
    Noch wusste ich nicht, dass die Leere
    tief in meinem Inneren
    nichts anderes war
    als Einsamkeit.

    Stundenlang ist der Junge unterwegs, und beschreibt Geräusche und Gerüche, erzählt von Menschen und Begegnungen, von Erinnerungen an früher. Kleine, aneinandergereihte Momentaufnahmen bringen die Atmosphäre eines Sommers zwischen den Weltkriegen wieder.

    Die Erzählung Robert Cormiers gleicht von Form und Sprache eher einem langen Prosagedicht und lässt es für unterhaltungsgewohnte Kids sicher manchmal an action fehlen. Die Spannung verbirgt sich hinter den Dingen und wer darauf wartet, dass endlich etwas passiert, wartet vergeblich. Veränderungen vollziehen sich leise, fast unmerklich und trotzdem gehören gerade viele der geschilderten kleinen Episoden zum Besten. Eine der schönsten - zugleich die letzte im Buch - ist "Das Flugzeug". Eugene hat beim Zeitungsaustragen in einem Garten ein Flugzeug entdeckt. Ein unglaublicher Fund, den er allen sofort mitteilen muss. Und als er sie endlich zu dem Garten gelotst hat, wo er die orangefarbene Maschine gesehen hat, ist der Doppeldecker verschwunden. Mitleidiges Gelächter der Freunde, die ihm natürlich kein Wort glauben, verletzt Eugene zutiefst. Bis er am Abend, "im sanften Zwielicht des Spätsommers" auf der Veranda ganz unerwartet Unterstützung bekommt. Ein Sommer in Frenchtown erzählt vom Erwachsenwerden, vom ersten Verliebtsein und den vielen Rätseln des Lebens und The Boston Sunday Globe hat Comiers autobiographische geprägte Erinnerungen sicher zu Recht als eines der "wagemutigsten und erfolgreichsten Bücher des Jahres" gewürdigt.


    Andrea Wanner


    Robert Cormier: Ein Sommer in Frenchtown.
    Aus dem Amerikanischen von Cornelia Crutz-Arnold.
    Bertelsmann 2003. Gebunden. 122 Seiten.
    Ab 13 Jahren. 8,90 ¤.
    ISBN: 3-570-12723-0

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