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A.Mizielinska/D.Mizielinski: 50 Geschichten aus Mamoko

21.03.2011

Überall ist Wunderland

Wimmelbilderbücher haben eine lange Tradition. Wer Ali Mitgutsch liebte, fand und findet in Rotraut Susanne Berner eine wundervolle Nachfolgerin. Und wer einen neuen Blick in eine herrliche Wimmelwelt sucht, findet in dem Pappbilderbuch Aleksandra Mizielinska und Daniel Mizielinski eine Unzahl witziger und origineller Situationen. 50 Geschichten aus Mamoko versprechen die beiden Autoren. ANDREA WANNER hat viel mehr entdeckt.

 

Olga Speck, Sofie Rüssel, Harald Mähne, Ernesto Punkt, Andreas Trompete, Anna Muh und Stefan Holmes sind nur einige Bewohner eines grünen Backsteingebäudes mit vielen Fenstern. Sie werden uns auf der Vorder- und Rückseite des Covers namentlich vorgestellt, mit »telling names«, über die auch Kleine schmunzeln können. Dann ist es mit den Worten auch schon vorbei. Vorher haben wir auf der Rückseite noch erfahren, dass Mamoko hinter den sieben Bergen liegt. Wo das ist, wissen wir genau. Und wir wissen auch, dass eine Reise dorthin eine Menge der bei uns gängigen Regeln und Naturgesetze außer Kraft setzt. Wir sind auf alles gefasst und lassen uns überraschen.

 

Der Tag beginnt

Sieben Doppelseiten des stabilen Pappbilderbuchs zeigen Szenen aus dem Leben in der Stadt Mamoko. Sie sind jeweils in einem pastelligen Grundfarbton gehalten, der auf der ersten Doppelseite am Morgen mit einem zarten Zitronengelb seinen Anfang nimmt, in frischem Frühlingsgrün eine Doppelseite dem Park in Mamoko widmet und am Ende in dunklem Violett am Abend auf dem Rummelplatz ausklingt. Dazwischen liegt all das, was Städte und ihre Bewohner ausmacht.

 

Fips Lang, die Giraffe, spurtet aus dem Haus, einen roten Helm auf dem Kopf. Wer dabei an Feuerwehr denkt, liegt richtig. Wir sehen Fips auf der nächsten Seite durch den Park spurten, auf der übernächsten das Feuerwehrauto erreichen, mit dem sie dann am Abend einen Brand löschen wird.

 

Anna Muh, die sportliche Kuh, beginnt ihren Tag schwer bepackt mit zwei Einkaufstaschen. Wir werden sie in der Praxis der Augenärztin beim Sehtest wiedertreffen und auch als graziöse Balletttänzerin bewundern dürfen, bereit zum Kopfsprung auf dem Sprungbrett im Schwimmbad, beim Krafttraining im Fitnessstudio und zum Ausklang ihres aktiven Tages Törtchen essend mit einer Freundin auf dem Rummelplatz (und die Törtchen waren natürlich in den Einkaufstaschen!).

 

Wie verbringen die Klopfers ihren Tag? Was erlebt Peter Peregrinus, der Außerirdische, der mit seinem Raumschiff in Mamoko gelandet ist, und staunend mit seinem Fotoapparat alles Neue und Unbekannte festhält (und damit auch ganz nebenbei Stefan Holmes hilft, einen Fall zu lösen)?

 

Nichts, was es nicht gibt

Aleksandra Mizielinska und Daniel Mizielinski haben ihren Mikrokosmos mit einer bunten Schar von Tieren bevölkert, die sehr menschlich wirken. Annähern kann man sich dieser bunten Welt auf ganz unterschiedliche Arten. Man kann einzelne Figuren durch den Tag verfolgen, kann spekulieren, welche Auswirkungen einzelne Erlebnisse haben, kann Dinge zählen (Äpfel zum Beispiel), kann nach der Ursache für Tränen und Freude suchen, kann durch Mamoko spazieren und sich einfach treiben lassen. Man kann vorne anfangen und schauen, wie sich Geschichten entwickeln. Oder hinten rausfinden, was vorher geschah.

 

Oben, unten, innen und außen: wir sehen alles zugleich. Es ein Bilderbuch voller mitreißender Bewegung, bei dem man wetten könnte, dass man sogar GESEHEN hat, wie der Apfel aus dem Sack von Gunna Schild gepurzelt ist oder Andreas Trompete auf Rollschuhen durch die Straßen geflitzt ist. Es ist ein Bilderbuch voller Geräusche und Gerüche, voller Alltag und voller kleiner Fragen. Wie kommt der Schlittschuh auf das Hausdach? Was ist in dem Paket von Olga Speck? Und welchem Beruf geht Eduard Cross-Walk nach? Ein Sehspass ohne Ende, mit der Garantie, dass man auch nach Wochen noch neue Geschichten entdecken wird und dabei die Bewohner von Mamoko immer ein bisschen besser kennenlernen und ins Herz schließen wird.

 

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