Farbig, schwerelos, überzeitlich
Mühelos verbinden sich in diesem Märchen, vom Verlag als »türkisch« bezeichnet, Liebesgeschichte, Abenteuer und Elemente zweier unterschiedlicher Religionen. Der allseits verehrte Schutzpatron eines großen Teils des Gebiets, zu dem dieses Märchen gehört, der heilige Georg, wird zum wundertätigen Retter des muslimischen Liebespaars.
Die Illustratorin Jelena Abdulajewa hat die passenden Bilder zu Lermontows Text gefunden. In sanften Farben und einem weichen Strich zeigt sie eine orientalische Welt, ohne in Orientalismus-Kitsch zu verfallen. Ihre Bilder sind märchenhaft, aber nicht verklärt. Sie wirken eher wie Traumbilder, sind jedoch zugleich voller Bewegung und spiegeln durchaus auch die Spannung mancher Situationen wieder. Neben großen Bildseiten schmücken Vignetten die meisten Seiten, Weinblätter, Teekannen, Früchte, aber auch winzige Darstellungen der handelnden Figuren. Den unteren Seitenrand ziert eine Schmuckleiste. Das vorherrschende Gelb-Braun und Grau-Grün der Farbpalette ist eine richtige Überraschung und lässt das Ganze zugleich modern wirken.
Die neue Übersetzung von Claudia Zecher ist gleichfalls zeitgemäß, gibt deswegen die überhöhte Märchensprache aber keineswegs auf. Nie lässt sie einen vergessen, dass man eben eine Geschichte voller Wunder liest.
Ein kurzes Glossar im Anhang, von »Agha« bis »Turkestan«, erklärt die »schweren« Wörter, worüber sich nicht nur Kinder freuen werden. Was fehlt, ist eine kurze biographische Skizze Lermontows. Schließlich ist diese Geschichte nicht nur ein Märchen, sondern zugleich ein Stück geschaffene Literatur. Der Autor hat durchaus seine Bedeutung hier.
Insgesamt ist das schmale Bändchen eine sehr geglückte Verbindung von Alt und Neu. Es belegt auf schöne Weise die Überzeitlichkeit von Märchen ebenso wie die von Klassikern.
