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    TITEL kulturmagazin
    Sonntag, 23. April 2017 | 19:53

    Michael de Guzman: Die Schlawiner

    14.03.2011

    Familienbande

    Eine Mutter und ein zwölfjähriger Sohn bilden nicht gerade eine große Familie. Der unvermutet auftauchende Großvater allerdings zählt gleich mehrfach: Großvater hat Asse im Ärmel, die die ganze Welt durcheinanderwirbeln können. Astrein sind die Asse allerdings nicht. Michael de Guzman stellt in seinem dritten Kinderroman Die Schlawiner die Welt auf den Kopf. Und rettet zugleich eine Familie. Eine atemberaubende Mischung. Von MAGALI HEISSLER

     

    Eigentlich sollte jeder wissen, dass man die Form der Erde nicht mit der Kopfform der Klassenlehrerin vergleichen sollte, ohne böse Folgen zu riskieren. Aber Albert hat wieder einmal das Gefühl, dass er genau das sagen muss. Das Ergebnis sind drei Tage Schulverweis. Nicht zum ersten Mal. Alberts Mutter, Holly, ist nicht glücklich darüber. Albert auch nicht, weil er Holly nicht noch unglücklicher machen will. Seit Jahren sind sie in den Staaten der USA unterwegs, hierhin und dorthin, von Job zu Job. Zurzeit leben sie, wie schon häufig zuvor, in einem kleinen Wohnwagen. Eigentlich haben beide genug vom Umherziehen, aber Holly scheint keine Ruhe zu finden.

     

    Der eigentliche Grund für ihre Unruhe schneit noch am gleichen Tag in Alberts Leben. Es ist Hollys Vater Wendell. Albert hat ihn nie richtig kennengelernt und Holly hätte das auch am liebsten weiterhin vermieden. Zwischen den beiden herrscht Familienkrieg, der vor allem auf Wendells »Beruf« zurückzuführen ist. Alberts Großvater ist Trickbetrüger. Nun gelobt er Besserung. Holly glaubt ihm kein Wort, aber ehe sie und Albert es sich versehen, sitzt Albert im Auto seines Großvaters, um das von der Schule aufgezwungene verlängerte Wochenende mit ihm in Seattle zu verbringen.

     

    Albert ist selig, aber Wendell hat noch ganz andere Pläne, als seinen Enkel zu verwöhnen: Er hat eine alte Rechnung zu begleichen. Mit Albert als Schlawiner-Lehrling an der Hand und seinem Geigenkasten unter dem Arm, der eine echte Stradivari enthalten soll, sieht er die Zeit dafür gekommen. Albert steht am Beginn seines schönsten und gefährlichsten Wochenendes. Es wird nicht nur ihn verändern.

     

    Der Clou - für Kinder von heute

    Guzmans Geschichte ist ein klassischer Gaunerroman, der in vielem an den Filmklassiker Der Clou erinnert. Ziel des Schwindels und damit Ziel von Wendells Rachefeldzug ist ein Kollege. Der Autor lässt sich Zeit mit dem Entwickeln der Handlung. Viel Raum nimmt die entstehende Beziehung zwischen dem über siebzigjährigen Wendell und seinem zwölfjährigen Enkel ein. Wendell erweist sich dabei nicht nur als geschickter Rhetoriker, eine unerlässliche Voraussetzung für seinen Beruf, sondern als ein Mann, der tatsächlich versucht, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Ohne Kitsch und Sentimentalitäten wird das heikle Thema der jahrelangen Vernachlässigung der eigenen Ehefrau und seiner Tochter, Alberts Mutter, behandelt. Seinem Enkel gibt Wendell viele kluge und moralisch wasserdichte Verhaltensregeln – man wünscht sich hin und wieder, er hätte einige dieser Weisheiten selbst angewendet. Aber in dem Fall wäre ja kein Roman für Kinder daraus geworden.

     

    Zugleich zieht Wendell Albert in seinen großen Coup mit hinein. Der überzeugende Anstand sowie seine Ehrlichkeit auf der einen und seine professionelle Skrupellosigkeit auf der anderen Seite erzeugen ein Spannungsverhältnis zwischen den beiden Wertsystemen, das die Geschichte mit einem moralischen Grundproblem ausstattet, über das man angeregt diskutieren kann.

     

    Wendells großer Betrug ist keine Unternehmung des einsamen Rächers, sondern eine soziale Aktion. Albert lernt die Freunde und Unterstützerinnen Wendells kennen, eine Vielzahl bunter Persönlichkeiten, die seinen Blick auf die Welt beträchtlich erweitern. Guzman zeichnet sehr sensibel, wie die Früchte des Lebens eines alten Mannes an einen sehr jungen Menschen weitergegeben werden, Freundschaft, Loyalität, Hilfsbereitschaft, Offenheit, Wärme und Liebe. Diese Werte helfen Albert. Am Ende helfen sie auch Holly, ohne dass die Handlung ins Rosarote abkippt. Und Wendell bleibt trotzdem Wendell.

     

    Eine in mehrfacher Hinsicht spannungsreiche, gut erzählte Geschichte.

     

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